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Kälbergesundheit

Kälberaufzucht: Wie Sie Risiken nachhaltig minimieren

Kalb-Kälberaufzucht
Dr. Jakob Groenewold, LWK Niedersachsen
am
05.02.2018

Noch immer sind Verluste in der Kälberaufzucht viel zu hoch. Problembetriebe klagen über bis zu 20 Prozent. Lesen Sie hier, wie Sie Ihre Verlustraten senken.

Die Bedeutung einer guten Kälbergesundheit verdeutlichen die Verlustraten in der Aufzucht. Wie kann gegengesteuert werden? Nachfolgend fassen wir die Ergebnisse einer Tagung für Milcherzeuger in Wüsting zusammen.  

Die Verlustraten in der Kälberaufzucht ist von folgenden Zahlen auszugehen:

  • Im Durchschnitt lagen sie 2015/2016 in Deutschland bei 10 bis 14 % und damit deutlich über dem Ziel von 5 %.
  • Neben 6 bis 8 % Totgeburten bis kurz nach der Geburt kommt es zu 4 bis 6 % weiteren Tierverlusten in den Folgemonaten der Aufzucht.
  • In Problembetrieben können die Kälberverluste bei 20 % oder drüber liegen.
  • Zwei Drittel der Aufzuchtverluste sind Folgen von Durchfall- und Atemwegserkrankungen, wobei Durchfälle in den beiden ersten Lebenswochen dominieren.


Eine gute Tierbeobachtung und Betreuung mindern das Risiko von Verlusten:

  • Die Fütterung sollte an den Bedarf der Tiere angepasst werden. Hierzu gehört als Grundlage eine frühzeitige Versorgung mit Biestmilch.
  • In kalten Wintermonaten muss die Tränkemenge um mindestens einen Liter erhöht werden. Das Kalb benötigt mehr Energie benötigt, um die Körpertemperatur zu halten.
  • Kälber haben nur eine geringe Wärmeentwicklung und kühlen daher schnell aus. Wichtig ist es daher, ein gutes Mikroklima in den Kälberiglus bzw. Einzelboxen oder über eine Abdeckung des Liegebereichs in Gruppenbuchten zu schaffen.
  • Der Liegebereich muss immer sehr gut eingestreut werden
  • Luftbewegungen über 0,2 m/Sekunde und speziell Zugluft oder Fallluft sind unbedingt zu vermeiden.
  • Gleichzeitig muss der Abtransport von Schadgasen gewährleistet werden.
Mit Material von Dr. Hans-Peter Heckert

Optimieren Sie das Abkalbemanagement

    Auch das Abkalbemanagement hat großen Einfluss auf die Verlustraten bei der Kälberaufzucht. Die meisten Kälber werden ohne Hilfe geboren. Aber:

    • Schwergeburten, aber auch eine falsche bzw. unnötige Geburtshilfe, sind Risikofaktoren für ein gehäuftes Auftreten von Problemen bei Muttertier und Kalb (Nachgeburtsverhaltungen, Gebärmutterentzündungen, Ketosen, lebensschwache Kälber, Totgeburten).
    • Bei einer Geburtshilfe sollte die Geburtshygiene optimal gestaltet sein durch saubere Hände und Arme sowie saubere, desinfizierte Hilfsmittel (Geburtsketten oder -stricke, -helfer). Notwendig ist die Reinigung des Schambereiches beim Muttertier, um das Risiko einer Infektion des Kalbes während der Geburt zu mindern.
    • Im Geburtsablauf kann die Zeit vom Platzen der Fruchtblase bis zum Durchtritt des Kopfes bei Kühen ein bis drei Stunden dauern, bei Färsen auch drei bis sechs Stunden. Erst wenn diese Zeiten überschritten werden, ist eine vaginale Untersuchung mit Einweghandschuhen und Gleitgel und eventuell auch eine Geburtshilfe erforderlich.
    • Diese ist auch notwendig, wenn vom Erscheinen des Kopfes bis zur  vollständigen Geburt mehr als 5 bis 10 Minuten vergehen.
    • Bei Kälbern mit stark verschleimten Atemwegen empfahl der Referent ein Ausstreichen des Schleimes aus Nase und Maul, ohne direkt ins Maul zu greifen.
    • Das in der Praxis häufiger angewandte Hochziehen an den Hinterbeinen sei dagegen nicht sinnvoll. Besser ist ein Absaug- und Beatmungsgerät.
    Mit Material von Dr. Henrik Wagner/Uni Gießen

    Wie Sie die Qualität von Biestmilch bestimmen

    Bei der Bestimmung der Qualität von Biestmilchproben mit unterschiedlichem Immunglobulin (IgG)-Gehalt ist folgendes zu beachten:

    • Mit einer Kolostrumspindel ist keine gesicherte Aussage über die Qualität der Biestmilch möglich.
    • Mit einem Refraktometer lässt sich die Kolostrumqualität dagegen einfach und kostengünstig bestimmen und liefert im Vergleich zu einer Laborbestimmung gute Ergebnisse.
    • Die Farbe der Biestmilch ist als Qualitätskriterium ungeeignet, da es zum tatsächlichen Immunglobulingehalt keine gesicherte Beziehung gibt.

    Was Sie bei der Kälberfütterung beachten sollten

    • Eine Aufnahme von 3 bis 4 Liter Biestmilch als erste Tränke nach dem Kalben ist von der Aufnahmekapazität des Labmagens unproblematisch.
    • Eine hohe erste Kolostrumaufnahme führt zu einem hohen Immunglobulinspiegel im Blut, was sich positiv auf die spätere Kälbergesundheit auswirkt.
    • Tränkemengen von 10 bis 12 Liter in den ersten Lebenswochen führen zu einer besseren Gewichts- und auch Organentwicklung führen. Die Kälber sind widerstandsfähiger und es zeigen sich positive Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit und Milchproduktion.
    • Empfohlen werden hochwertige Milchaustauscher mit mindestens 50 % Magermilchpulver und 22 % Rohprotein, wobei die Tränke selbst auf einen pH-Wert von ca. 5,5 eingestellt werden sollte.
    • Festfutter (z. B. Heu, Kälberkorn) sollte ab der zweiten Lebenswoche angeboten werden.
    • Abtränken sollte man die Kälber aber erst dann, wenn über mehrere Tage mindesten 1 bis 1,5 kg Festfutter aufgenommen werden.
    • Die Abtränkphase selbst soll erst ab der achten Woche beginnen und möglichst über mehrere Wochen gehen, um den Umstellungsstress für die Kälber zu mindern.
    Mit Material von Dörte Frieten, Tierärztin
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