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Schafe & Ziegen

Ein karges Futter: "Heu vom Stengel"

von , am
14.05.2013

Ziel einer Lehrfahrt der Niedersächsischen Schafzüchter war die Südukraine. In der Ukraine werden 1,2 Mio. Schafe gehalten. Besichtigt wurde auch die größte Schafmelkanlage Europas.

Krim-Cigaj-Schafe, eine eigenständige Rasse nur auf der Krim. © Faber

Erste Station vom Fachprogramm war Viktor Pavliv. Er hält auf 190 ha kargen und trockenem Boden 4.000 Schafe. Die Rasse Krim-Cigaj ist eine eigenständige Rasse, die nur auf der Krim und überwiegend auf diesem Betrieb gehalten wird. Dazu kommen noch einige Kleinhaltungen, die den Lämmerabsatz des Betriebes sicherstellen. Die Herdbuchführung liegt beim Landwirtschaftsministerium in Kiew. Es wird eine Zucht auf stärkere Wollbetonung mit dieser Landschafrasse betrieben. Die Gewichte der Mutterschafe liegen zwischen 50 und 60 kg. Der Wollpreis beträgt zurzeit 1 €. Viktor Pavliv ist kein gelernter Landwirt. Seine fachlich geschulten Mitarbeiter geben sich größte Mühe mit Zucht und Haltung dieser Schafe. Für uns war überraschend, wie mit begrenzten Möglichkeiten ein sehr guter Zustand der Tiere gesichert werden konnte.

Wolle und Fleisch wichtig

Weiter ging es dann in nordwestlicher Richtung nach Kotovskoje zu einem 2.800 ha großen landwirtschaftlichen Betrieb. 600 ha sind hier für die Schafe reserviert. Die Schafe gehörten hier der Rasse Asowsche Cigaj an. Die genetische Herkunft der Schafe dürfte ähnlich derjenigen im vorgenannten Betrieb sein. Die Schafe waren rahmiger und schwerer. Die Mutterschafgewichte betrugen rund 65 kg, die Gewichte der Böcke lagen bei gut 100 kg. Der Betrieb hält 1.800 Schafe, davon 850 Mutterschafe. In den letzten Jahren wurde kräftigt aufgestockt, weil die Nachfrage nach Lämmern deutlich angestiegen ist.

Bei den Asowschen Cigaj-Schafen handelt es sich um eine alte ukrainische Rasse, die nur in der Südukraine gehalten wird. Auch hier konzentriert sich die Haltung auf zwei größere Bestände und einige Kleinschafhaltungen.

Die Zucht dieser Rasse ist nicht nur auf Wolle, sondern auch auf Fleisch ausgerichtet. Je kg Schlachtgewicht werden 2,50 € erzielt. Die Vermarktung erfolgt jedoch weniger über die Schlachtung als vielmehr durch den Verkauf der überzähligen Lämmer an Privathaushalte. Dort werden die Lämmer aufgezogen und später zum Eigenverbrauch geschlachtet.
In nördlicher Richtung verließen wir die Halbinsel Krim und fuhren weiter nach Askania Nova. Damit waren wir dann auch in der südukrainischen Steppe angekommen. Flaches Land soweit das Auge reicht, knochentrockener Boden mit tiefen Rissen und nur spärlichem Aufwuchs. "Heu vom Stengel" war hier die Hauptfuttergrundlage.

Zahlreiche Kreuzungen

Das Institut für Tierzucht in den Steppenregionen wurde 1931 gegründet. Es ist das nationale wissenschaftliche Selektions- und Genetikzentrum für die Schafzucht. Hier stehen diverse Schafrassen in züchterischer Bearbeitung, so Karakulschafe (grau und schwarz), Cigaj, Romanov und Schwarzköpfe. Die wichtigste Rasse sind Askania-Merinos. Man versucht, durch verschiedene Kreuzungen den Anforderungen der hiesigen Scholle gerecht zu werden. Die Mutterschafe der Askania-Merinos wiegen um die 70 kg, die Böcke etwa 120 kg. Die tägliche Zunahme soll zwischen 350 bis 400 g liegen. Der Institutsbetrieb umfasst 7.000 ha an verschiedenen Standorten. Es werden 700 Milchkühe, 3.500 Schweine und 2.000 Schafe gehalten.

Auf dem Institutsgelände war ein größerer Dendro-Park zu besichtigen, der im Jahre 1874 von dem deutschen Kolonisten Frederic Falz-Fein angelegt wurde. Darüber hinaus gibt es ein großes Wildgehege, wo überwiegend vom Aussterben bedrohte Wildtiere aus der ganzen Welt gehalten werden.

Es folgte die Besichtigung eines Zuchtbetriebes mit 7.500 Karakulschafen. Wegen des starken Frostes im letzten Winter sowie der anhaltenden Trockenheit in diesem Sommer, wurde der Bestand allein in diesem Jahr um 2.000 Tiere reduziert. Auf diesem Betrieb steht die nach Aussage des Betriebsleiters größte Schafmelkanlage Europas.

Dort werden 2.000 Karakulschafe zweimal am Tag gemolken, bei einer kläglichen Milchleistung von nur 300 g pro Tier und Tag. Wie sich das rechnen soll, blieb unklar.
Die Lämmer werden in diesem Betrieb im Alter von einem Tag geschlachtet, damit man das Fell für die Pelzherstellung verwenden kann. Zur Vermarktung der Pelze unterhält der Betrieb in Odessa eigens ein Modegeschäft.

Davon haben sich einige Reiseteilnehmer am nächsten Tag dann auch überzeugt. Es entstand der Eindruck, dass die Schafhaltung weniger zur Milchproduktion als vielmehr zur Erzeugung von Fellen/Pelzen diente.
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