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Ferkelkastration

Kastration: Bundestierärztekammer lehnt Betäubung durch Tierhalter ab

Ferkel mit Infrarotstrahler
© imago/BildFunk MV
von , am
08.06.2017

Die Bundestierärztekammer (BTK) hat sich klar gegen eine Lokalanästhesie durch die Tierhalter bei der Ferkelkastration ausgesprochen, teilte AgE mit.

© Christian Mühlhausen/landpixel

Die Lokalanästhesie wurde als „vierter Weg“ für die ab dem 1. Januar 2019 verbotene betäubungslose Ferkelkastration bezeichnet. Sie war in der „Herriedener Erklärung“ gemeinsam von Erzeugern, Schlachtbetrieben und Organisationen der Schweinebranche gefordert und kürzlich von Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt als praktikable Lösung für kleine und mittlere Betriebe befürwortet worden.

Genügend Alternativen

„Anästhesie gehört nicht in Laienhand“, betonte die Bundestierärztekammer in Berlin. Sie vertritt die Auffassung, dass mit der Ebermast, der Immunokastration durch Impfung sowie der Kastration unter Allgemeinanästhesie genügend Alternativen zur Verfügung stehen. BTK-Präsident Dr. Uwe Tiedemann hob hervor, dass es sich bei jeder Anästhesie, auch bei der lokalen Betäubung, um eine anspruchsvolle und risikobehaftete tierärztliche Tätigkeit handle. Das fehlerhafte Verabreichen eines Lokalanästhetikums könne verheerende Folgen bis hin zum Tod des Tieres haben.

Deutliche Nachteile

Zwar sei es gängige Praxis, kleine Eingriffe unter örtlicher Betäubung vorzunehmen, doch gebe es nach den bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen bei der Lokalanästhesie der Ferkel deutliche Nachteile, stellte Tiedemann fest. „Die Belastung der Tiere durch Fixation und mehrfache Injektionen ist ähnlich wie bei der betäubungslosen Kastration und der Schmerz wird je nach Applikationsart nur teilweise ausgeschaltet“, erläuterte der BTK-Präsident. Dies gelte besonders für den einzigen für das Schwein zugelassenen Wirkstoff Procain.

Hinzu komme, dass Injektionen in Richtung der Samenstränge oft nicht präzise platziert werden könnten und alternativ die Injektion in den Hoden für die Tiere sehr schmerzhaft sei, erklärte Tiedemann. Auch würden vermehrt Wundheilungsstörungen in Folge des Vorfalls der betäubten Samenstrangstümpfe festgestellt.

Mit Material von Agrar-Europe (Age)
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