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Schweinehaltung

Kastrationsverbot ab 2019: Was ist vorher noch zu tun?

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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
10.06.2016

Berlin - Was ist bis zum Verbot der betäubungslosen Kastration noch zu tun? Gestern erörterten das Vertreter von Wirtschaft, LEH, Landwirtschaft und Politik.

Das Verbot der betäubungslosen Kastration gilt ab 2019. Bis dahin sind noch einige Vorbereitungen zu treffen. Gestern trafen sich dazu Vertreter von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Landwirtschaft. Eingeladen hatte das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Flachsbarth: Schweinehalter können selbst entscheiden

Jeder Schweinehalter könne 2019 selbst entscheiden, welche der drei genannten Alternativen für ihn passen. Das sagte Staatssekretärin Dr. Maria Flachsbarth bei der Begrüßung der über 200 Teilnehmer. Die Realität wird aber wohl anders aussehen.

Derzeit werden als Alternativen zur betäubungslosen Kastration drei Möglichkeiten diskutiert:

  • die Mast von Ebern,
  • die Impfung gegen den Ebergeruch (Immunokastration) sowie
  • die Kastration mit Betäubung und Schmerzausschaltung.

Vermarktung entscheidet

    Entscheiden wird letztendlich die Möglichkeit der Vermarktung: In Süddeutschland herrscht zum Beispiel eine Metzgervermarktung vor, Eberfleisch ist dort nicht gewollt wegen der Gefahr von „Stinkern“. Vertreter der Landwirtschaft im Süden machten sich dann auch dafür stark, am Thema Schmerzmittel und Betäubungsmittel dran zu bleiben.

    Im Norden dagegen hat sich die Ebermast schon seit ein paar Jahren in der Praxis etabliert. Die großen Schlachthöfe im Norden schlachten Eber und können das Fleisch auch vermarkten. Wie das allerdings aussieht, wenn sie 50 % Eber vermarkten müssen, ist noch eine andere Frage.

    Erzeuger wollen nicht auf Mehrkosten sitzen bleiben

    Die große und sicher nicht unbegründete Sorge der Landwirtschaft ist, dass finanzielle Einbußen oder Mehrkosten auf der Erzeugerstufe hängen bleiben.

    Ein Vertreter der Verarbeitung wies auf die Unterschiede in der Fleischqualität hin: Eberfleisch muss anderes verwendet werden als Fleisch von weiblichen Mstschweinen oder Kastraten. Aus seiner Sicht sei Eberfleisch nur mit preislichen Abzügen zu vermarkten.

    Immunokastration rückt in den Fokus

    Wurde über die Immunokastration lange so gut wie gar nicht mehr diskutiert, weil sie dem Verbraucher angeblich nicht zu kommunizieren sei, sieht das heute anders aus: Bioland empfiehlt seinen Schweinehaltern dies zum Beispiel als Methode der Wahl.

    Auch für den Lebensmittelhandel scheint sie heute eher „salonfähig“ zu sein. Sie kostet aber auch 4 - 5 € pro Tier.

    Folgenabschätzung gefordert

    Gefordert wurde in Berlin von verschiedener Seite dringlich eine Folgenabschätzung, auch um für betriebliche Entscheidungen Risiken und Chancen abwägen zu können. Schweinehalter sind gefragt, sich in ihrer Kette abzusprechen, wie man mit dem Kastrationsverbot verfahren will.

    Deutschland als EU-Insel

    Bezüglich des Ausstiegs aus der betäubungslosen Kastration ist Deutschland – einmal mehr – eine Insel in der EU. Deshalb müsse auch erörtert werden, wie ab 2019 mit kastrierten Ferkeln aus den Niederlanden oder Dänemark umzugehen ist.

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