Login
Wildschutz

Kitzrettung: Auch Hegeringe werden verstärkt aktiv

Ein Teil des Kitzretterteams des Hegerings Halle im Kreis Gütersloh ( v.l.): Thomas Scholz mit Lotta, Christian Wacker und Dr. Volker Janssen.
Thumbnail
Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
26.04.2019

Es gibt immer mehr ehrenamtliche Kitzretter, die mittels Drohne ganz junge Rehkitze vor der Mahd aufspüren und vor dem sicheren Mähtod bewahren.

Auch Hegeringe im nordrheinwestfälischen Kreis Gütersloh haben sich die Drohnentechnik mit Wärmebildkamera angeschafft und fliegen in den nächsten Wochen über Futtergras- und Schnittroggenflächen, um Rehkitze zu finden und aus dem Gefahrenbereich der Mähwerke wegzutragen.

Drohnentechnik ist alternativlos

„Wir haben im vergangenen Jahr damit angefangen, nachdem im Nachbarort 18 Rehkitze durch das Mähwerk den Tod gefunden hatten“, erzählt der stellvertretende Hegeringleiter aus Halle, Thomas Scholz. Die Haller Wildschützer halten die Drohnentechnik für alternativlos, wenn man einen hundertprozentigen Erfolg bei der Suche haben möchte.

Junge Kitze sind völlig hilflos. Instinktiv bleiben sie bei Gefahr geduckt liegen

Scholz: „Ganz junge Kitze drücken sich instinktiv, wenn Gefahr naht, sie flüchten nicht“. So helfen Pieper, Flatterbänder und Beunruhigung der Flächen durch Mensch und Hund bei diesen Jungtieren nicht. Es kommt hinzu, dass die Kitze sehr schwer im hohen Gras zu finden sind. „Selbst Hunde können die Kitze nicht sicher aufspüren, da sie in diesem Altem noch keine Witterung haben“, ergänzt Scholz.

Da hilft nur noch die Wärmebildkamera, die von oben, allerdings nur in den frühen Morgenstunden, die Wärmeabstrahlung von Wildtieren oder Gelegen deutlich ortet. Damit kann ein Helfer gezielt über Funkgerät gesteuert zu dieser Stelle geleitet werden und sie zunächst mit einem Stecken mit Flatterband markieren. „Diese Stellen suchen wir dann anschließend auf und tragen das Kitz an einen sicheren Ort“, so Scholz.

Kenntnisnachweis sinnvoll

Der Haller Hegering hat ein Team von zwölf Leuten, die sich die Arbeit teilen. Immer drei sind im Einsatz, einer fliegt die Drohne, die beiden anderen markieren und suchen nach. So lässt sich effektiv arbeiten und Fläche schaffen, denn die Landwirte stehen zum Teil schon am Feldrand und wollen mähen. Um die Leistung zu erhöhen, wurde in eine zweite Drohne investiert.

Die Kosten für die Drohnen konnte der Verein alleine nicht stemmen. Er war auf Spenden angewiesen. Diese zusammen zu bekommen, gestaltete sich anfangs allerdings schwierig, wie Scholz berichtete. „Aber schließlich hat uns der Umweltausschuss der Stadt Halle geholfen“. Auf keinen Fall sparen sollte  man an den 25 Euro für den Kenntnisnachweis zum Führen dieser Drohnen. Scholz: „Wir gehen davon aus, dass er in Zukunft sowieso vorgeschrieben wird“.

Unterstützung aus der Landwirtschaft

Ohne die finanzielle Unterstützung aus der Landwirtschaft hätte sich der Hegering Versmold seine zwei Drohnen auch nicht anschaffen können, ist Moritz Meyer überzeugt. Die Landwirte aus der Region haben etwa die Hälfte von insgesamt 16.000 Euro für die gesamte Technik inklusive Funkgeräten beigesteuert. Diese Kooperation wird sowohl von der Jägerschaft als auch den Landwirten sehr geschätzt.

Drohnen-Equipment

Die Drohnen der Versmolder fliegen autonom die zuvor über eine App der Drohne einprogrammierte Route ab. Anhand der Flächenkarten im Computer kann zuhause vorab jede Mähfläche schon rausgesucht werden.
Die Informationen zu den Mähflächen geben die Landwirte an den Jagdpächter weiter, dieser kann dann über die geeigneten Maßnahmen entscheiden, da er die Flächen gut kennt und weiß wo sehr junge Kitze sitzen können und wo nicht.
Sind Flächen als besonders kritisch einzustufen, wird das Drohnenteam, bestehend aus Pilot und „Bodenpersonal“, informiert.

Zwecks schnellem Informationsaustausch zwischen den Kitzrettern wurde eine Whats app-Gruppe gegründet. Sind Flächen, aus der Erfahrung heraus, weniger gefährdet, reicht es ggf. Flatterbänder oder Pieper aufzustellen.

Effizienter Drohneneinsatz

So kann der Drohneneinsatz sehr effizient gestaltet werden. „Sind die Einzelflächen recht groß - über 10 ha - und liegen gleich drei davon zusammen, können wir an einem Morgen rund 40 bis 50 ha schaffen“, so Meyer. Sind die Parzellen kleinstrukturiert, schafft eine Drohne 15 bis 20 ha. Die Rüstzeit ist entscheidend. Ein Hektar wird von der Drohne in etwa zwei Minuten überflogen. Dabei können die Wärmebildkameras aus 30 m Höhe etwa 30 m Breite absuchen.

Die Piloten benötigen keinen Kenntnisnachweis für die bis 2 kg schwere Drohne (handelsübliche Technik). Trotzdem weist auch Meyer darauf hin, dass dieser schnell über das Internet gemacht ist. Beim Hegering Versmold stehen je Drohne drei Piloten zur Verfügung. Alle wurden umfangreich geschult, haben in den Wintermonaten viel trainiert und stehen, wie alle Kitzretter, für diese Saison wieder in den Startlöchern.  

Auch interessant