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Schwein

Konfliktpotenzial Schlachtschweine

von , am
04.06.2014

Seit dem 1. Mai gilt ein neues Punktesystem bei Verkehrsverstößen. Vor allem LKW-Fahrer können schneller als bisher ihren Führerschein verlieren. Wir zeigen, was beim Transport von Schweinen zu beachten ist.

Mitbewerber etwa aus den Niederlanden dürfen laut EU-Recht deutlich mehr Schlachtschweine laden als seine LKW-Fahrer, rechnet Friedrich Lüning von der Viehvermarktung Verden/Rotenburg vor. © Diekmann-Lenartz

Friedrich Lüning ist bei der Viehvermarktung Verden /Rotenburg für die Organisation der Tiertransporte verantwortlich - und er ist seit dem 1. Mai noch besorgter als vorher schon um seine Fahrer. Der Grund: Seit gut einem Monat gelten bekanntlich neue Regeln bei Verkehrsverstößen. Der Führerschein ist nun bereits bei acht statt 18 Punkten  weg. Bereits geringe Überschreitungen des Ladegewichtes  brocken dem Fahrer jeweils einen Punkt ein. "Bereits bei 5 % Überladung gibt es einen Punkt, acht Punkte kommen da schnell zusammen", sagt Lüning. Bei zu  hoher Ladedichte würden zwar keine Punkte verbucht, aber es gibt hohe Geldstrafen.

Gesetze sind einzuhalten

Grundsätzlich, das betont er ganz ausdrücklich, müssen sich die LWK-Fahrer natürlich an das Gesetz halten. Er befürwortet sehr wohl auch die maximalen Ladedichten, um den Tierschutz auf Transporten zu gewährleisten. Das dahinterstehende Problem, dass ihm im Zusammenhang mit der geänderten Punktregelung seit dem 1. Mai schon etwas länger Gedanken macht, ist, dass durch Maskenvorgaben die Lebendgewichte der Schlachtschweine angestiegen sind. Und zwar so angestiegen, dass die "kritische" Grenze von 120 kg inzwischen von einem größeren Teil der zu transportierenden Tiere überschritten wird. Lüning erläutert: "Laut deutscher Tierschutz-Transportverordnung muss lebenden Schweinen bis 120 kg auf Transporten 0,55 qm zur Verfügung stehen. Wiegen sie aber über 120 kg, erhöht sich dieser Wert auf 0,70 qm."

Mit dem Taschenrechner rechnet er schnell vor, was das  bedeutet: "Unsere Gliederzüge haben ca. 100 qm Ladefläche. Bei einem Gewicht von 119,99 kg und 0,55 qm/Tier kann man also 181 Schweine transportieren. Bei einem Gewicht von 120 kg sind es jedoch nur noch 143 Tiere." Die zweite gesetzliche Regelung betrifft das maximal zulässige Gesamtgewicht des LKW. Es liegt bei einem Gliederzug bei 40 t. Bei einem Eigengewicht von 20 t beträgt die Zuladung 20 t. Wiegt ein Schlachtschwein 119,99 kg, könnte man also 166 Tiere laden, bei 125 kg sind es jedoch nur noch 160.
 
Zwar verfügen heute viele Schweinemäster mit größeren Beständen über eine eigene Waage, aber vielfach fahren die LKW’s vor und nach dem Beladen über eine Fahrzeugwaage, um das Ladegewicht als Differenz festzustellen: "Wer dann als Fahrer schwarz auf weiß sieht, dass er fünf Schweine zu viel auf dem LWK hat, hat ein Problem. Theoretisch müsste er die überzähligen Tiere sofort abladen. Außerdem müsste er die verbleibenden Tiere auf dem LKW auch noch einmal neu gleichmäßig verteilen, denn auch das kann sonst beanstandet werden bei einer Kontrolle", so Lüning.
Da diese Verfahrensweise aber kaum praktikabel ist, appelliert er an alle Mäster, ein Augenmerk auf diese Problematik zu haben und dies bei der Anmeldung ihrer Schlachtschweine zu berücksichtigen.
 
Zudem gibt er zu bedenken, dass auch er als Disponent oder LKW-Halter bei Verstößen mit zur Verantwortung gezogen wird - aber auch der Landwirt kann bestraft werden, wenn er zum Gewicht der Ladung keine korrekten Angaben gemacht hat - egal, ob wissentlich oder unwissentlich.

Abweichendes EU-Recht

Hermann Kruse, selbst Viehkaufmann aus Syke und Vorsitzender des Vieh- und Fleischhandelsverbandes Hannover e. V. mit 300 Mitgliedern, kann den Ausführungen Lünings nur zustimmen. Er ärgert sich außerdem aber darüber, dass in punkto Tierschutz auch beim Transport mit verschiedenerlei Maß gemessen wird: "Ein niederländischer Kollege, der zum Beispiel Schweine zu einem grenznahen Schlachthof in Deutschland bringt, braucht auf seinem LKW für ein Schwein mit 125 kg nach EU-Vorschrift nur 0,532 qm Platz vorhalten," erläutert er die unterschiedlichen Rechtsvorschriften, die zu einer deutlichen Wettbewerbsverzerrung führen, zumal auch das zulässige Gesamtgewicht eines LKW in unserem Nachbarland deutlich höher ist.

Für ihn ist der deutsche Grenzwert von 120 kg denn auch eher willkürlich gezogen: "Dabei würde uns eine Anhebung der Grenze auf 125 kg sehr deutlich entlasten", fügt er hinzu, die meisten Schlachtschweine gehen über dieses Gewicht nicht hinaus.

Nach jüngsten Auswertungen seines Verbandes liegt der Anteil verletzter oder toter Tiere beim Transport bei unter 0,5 Promille. Das heißt für ihn, dass durch die geltenden Rechtsvorschriften und die Handhabung der Transporte der Tierschutz sicher gewährleistet ist: "Und das wäre er noch genauso, wenn die Gewichtsgrenze bei den 0,55 qm geringfügig angehoben würde.  Das würde allen Beteiligten den Alltag aber deutlich erleichtern."
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