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Rind

Auch Kühe lieben es komfortabel…

von , am
06.05.2014

Bei Gesundheitsprobleme in Milchviehherden sind neben dem Keimdruck im Bestand auch die allgemeine körperliche Verfassung der Tiere sowie ein intaktes Immunsystem wichtig. Was kann ich für meine Herde tun?

Besteht kein ständiger Zugang zur Grundration am Futtertisch, kann die maximale Trockenmasseaufnahmekapazität der Kühe nicht ausgeschöpft werden. © Wichern

Eine entscheidende Größe nimmt die Fütterung bzw. die Futteraufnahme ein. Letztere wird durch zahlreiche Faktoren, wie beispielsweise Haltung, Grundfutterqualität, Futtervorlage sowie -verfügbarkeit und Gesundheitszustand des Einzeltieres beeinflusst. Bei schmerzenden Klauen beispielsweise verringern die Tiere ihre Bewegungsaktivität. Folglich suchen sie den Futtertisch seltener auf und schöpfen ihre Trockenmasseaufnahmekapazität nicht aus. Weitere Faktoren, die zu einer reduzierten Futteraufnahme führen können, sind ein unzureichendes Futter- und Wasserangebot sowie eine Überbelegung des Stalles.

Ständiger Zugang zur Grundration

Ein dreireihiger Boxenlaufstall ist ein weit verbreitetes Aufstallungssystem für Milchkühe. Bei drei Liegeboxenreihen steht hierbei ein Futtertisch zur Verfügung. In dieser Stallbauform ist das angestrebte Tier:Fressplatz:Liegebox-Verhältnis von 1:1:1 nicht zu realisieren. Gerade für rangniedere Tiere und Färsen bedeutet Überbelegung Stress. Ein häufiges Heranschieben des Futters ist notwendig, damit ein ständiger Zugang zur Grundration gewährleistet werden kann Ansonsten bleiben für rangniedere und lahme Tiere lediglich die aussortierten Reste der Ration übrig.

Wasser stellt das günstigste Grundfuttermittel dar und ist für eine hohe Futteraufnahme und Milchleistung unverzichtbar. Daher muss Wasser stets in ausreichender Menge und   schnell aufnehmbar zur Verfügung stehen.
Bei einer anhaltenden negativen Energiebilanz, welche bis zu einem gewissen Grad in der Frühlaktation noch physiologisch ist, verlieren die Tiere an Gewicht. Häufig schaffen es die Kühe in späteren Laktationsabschnitten nicht, diesen Verlust an Körpermasse wiederaufzubauen und sind unterkonditioniert. Dies beeinflusst einerseits die Abwehrlage der Kuh. Andererseits kann sich die schlechte Körperkondition des Tieres negativ auf die Lahmheitssituation auswirken. Nicht nur das Hornwachstum wird durch die Mangelernährung beeinträchtigt, auch das Ballenpolster, welches eine wichtige Dämpfungsfunktion einnimmt, wird eingeschmolzen.

Die Kuh befindet sich in einem Teufelskreis: Unterkonditionierung begünstigt eine Lahmheit, diese verringert die Futteraufnahme und begünstigt eine Unterkonditionierung. Durchbrochen wird dieser Teufelskreis durch eine Optimierung der Klauengesundheit sowie eine ausreichende Futtervorlage und -verfügbarkeit.

Qualitativ hochwertige, meist betriebseigene Grundfuttermittel bilden die Basis einer Milchkuhration. Besonders wichtig sind dabei Energiedichte und Hygienestatus der Gras- sowie Maissilagen. Silagen, welche beispielsweise Schimmel oder Fäulnis aufweisen, können zum einen an Energiedichte sowie Schmackhaftigkeit einbüßen und die Futteraufnahme herabsetzen. Zum anderen können evtl. enthaltene Mykotoxine das Immunsystem schwächen. Nicht selten wird bei geringen Energiedichten der Grundfuttermittel versucht, Versorgungsdefizite über eine erhöhte Kraftfuttergabe zu kompensieren.

Gefahr mangelnden Strukturversorgung

Hohe Kraftfuttergaben bergen allerdings die Gefahr für eine mangelnde Strukturversorgung und die Entstehung von Pansenfermentationsstörungen bzw. latenten Pansenazidosen. Letzteres trägt wiederum zur Entstehung von Klauenrehe bei, welche sehr schmerzhaft für das Tier ist und in einer Lahmheit resultiert. Die Ursachen für Klauenprobleme sind vielfältig. Eine regelmäßige, mehrmals jährliche Pflege der Klauen durch einen professionellen Klauenpfleger sollte selbstverständlich sein. Problemtiere müssen unbedingt nachbehandelt werden, bzw. der Heilungsverlauf ist zu kontrollieren. Auf jedem Betrieb sollte daher ein eigener Klauenstand zum Inventar gehören. Dieser sollte an einen festen Platz positioniert und ausreichend beleuchtet sein sowie ein einfaches Rein- und Raus-Treiben der Kühe ermöglichen.

Es ist wichtig, dass die Kontrolle von Einzeltieren mit möglichst wenig Arbeitsaufwand durchführbar ist. Muss ein Klauenstand erst aufwändig und zeitintensiv aufgebaut werden und ist das Treiben der Tiere auf Grund mangelnder Absperrungen mühsam, unterbleibt die Nachkontrolle häufig. Darüber hinaus spielt die Stall- und Boxenhygiene eine entscheidende Rolle. Möglichst saubere Laufflächen sind insbesondere für die Bekämpfung von Ballenfäule sowie der Mortellaro´schen Krankheit von Bedeutung.

Nicht zu unterschätzen ist zudem die Bedeutung eines guten Kuhkomforts. Feuchte und harte Liegeflächen resultieren auf Dauer in Wundliegen. Besonders gefährdet für solche Hautveränderungen sind lahme Kühe. Sie liegen vermehrt, ohne ihre Position zu ändern. Dabei werden Bereiche, die direkt mit zu harten Liegeflächen in Kontakt treten, geringer durchblutet. Es fallen zunächst haarlose Stelle, dann Verdickungen der Haut und später offene Wunden auf. Eine Kuh sollte zwölf bis 14 Stunden täglich in bequemen Liegeboxen ruhen können. Während dieser Zeit können die Klauen abtrocken und werden entlastet. Fühlt sich die Kuh in den Liegeboxen wohl, kaut sie wider. Dabei wird Speichel, der einen wichtigen Puffereffekt im Pansen einnimmt, produziert und Pansenfermentationsstörungen entgegengewirkt.

Fazit

Ein guter Allgemeinzustand des Tieres sowie ein intaktes Immunsystem sind notwendig, damit eine Milchkuh entweder gar nicht erst erkrankt oder eine eingeleitete Therapie Wirkung zeigen kann. Daher sind stets auch Einflussgrößen wie Fütterung, Lahmheitssituation, Kuhkomfort und Körperkonditionierung einer Herde zu überprüfen. Die Erreger- bzw. Labordiagnostik ist ein wesentliches Hilfsmittel, um Gesundheitsprobleme in Milchviehherden aufzuspüren.
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