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Kükenurteil: Ein guter Tag für Tierhalter

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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
18.06.2019

Mit dem Küken-Urteil haben die Richter eine vernünftige Entscheidung getroffen, findet Redakteurin Christa Diekmann-Lenartz.

Vergangene Woche urteilte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, dass das Töten der männlichen Eintagsküken aus der Legehennenzucht grundsätzlich nicht mit dem Tierschutz vereinbar ist. Trotzdem darf es vorerst fortgesetzt werden, solange, bis es durch die Früherkennung des Geschlechts im befruchteten Ei überflüssig wird.

Die Richter haben mit diesem Urteil Vernunft und Weitsicht bewiesen. Sie haben der lange üblichen Praxis des Kükentötens eine eindeutige Absage erteilt. Sie haben klargestellt, dass der Umgang mit Tieren heute ein anderer sein soll als vielleicht noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Solche „Klarstellungen“ gab es für Tierhalter in den vergangenen Jahren einige, nicht alle sind nachvollziehbar für die Praxis.

Mehr Tierschutz und mehr Tierwohl nicht mit Brechstange

Die Leipziger Richter haben mit ihrem aktuellen Urteil zum Kükentöten aber noch etwas anderes Wichtiges klargestellt: Mehr Tierschutz, mehr Tierwohl geht nicht mit der Brechstange. Es braucht Zeit, lange übliche Systeme umzustellen. Das geht nicht von heute auf morgen.

Beim Thema Kükentöten ist die Umstellung dabei noch verhältnismäßig einfach. Es wird schon seit einigen Jahren an der Entwicklung von Methoden gearbeitet, die eine Erkennung des Geschlechts der Embryonen wenige Tage nach der Befruchtung ermöglichen.

Zwei Methoden sind in der Praxiserprobung, es ist hier eine Frage der Zeit, bis sie großflächig in den Brütereien zum Einsatz kommen können. Die Technik als solche funktioniert. Für ihre Einführung haben die Brütereien durch das jetzige Urteil Zeit und, sehr wichtig, bis dahin Rechtssicherheit.

Verzicht auf Schwänzekupieren komplizierter

Bei anderen aktuellen Tierschutz-/Tierwohlthemen ist die Sache komplizierter. Als Beispiele seien hier der Verzicht auf das Schwänzekupieren genannt oder die Haltung der säugenden Sauen weitestgehend ohne Ferkelschutzkorb.

Die geforderte Umgestaltung der Tierhaltung ist dabei eine sehr komplexe Thematik mit nach wie vor vielen offenen Fragen, mit Vor-, aber eben auch Nachteilen. Änderungen brauchen auch hier Zeit, die muss den Tierhaltern eingeräumt werden.

Verbraucher sind gefragt

Auf der anderen Seite muss die Branche den Auftrag, der mit dem Urteil verbunden ist, annehmen. Ein „Verschleppen“ des Ausstiegs aus dem Kükentöten darf es nicht geben. Ob es längerfristig auch einen Ausstieg aus der einseitigen Zuchtpraxis geben muss oder kann, wird wohl noch länger Diskussionsthema bleiben.

Dabei sind dann aber wieder einmal maßgeblich die Verbraucher gefragt, die man für den Kauf der Eier von Zweinutzungstieren und des Fleischs der Masthähnchen-Brüder gewinnen muss.

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