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Schwein

An der Küste alles im grünen Bereich

von , am
16.07.2014

In der Region Ostfriesland dominiert in der Landwirtschaft Grünland und Milchviehhaltung. Familie Brüling aus Blomberg, Landkreis Wittmund, ist jedoch einen anderen Weg gegangen, sie setzt auf Schweinehaltung.

Der 2010 neu gebaute Stall wurde damals in der LAND & Forst vorgestellt. © Diekmann-Lenartz

Familie Brüling kann sich derzeit nicht über einen Mangel an Arbeit beklagen, wie Vater Henry Brüling schmunzelnd bei einer Tasse Kaffee am Küchentisch erzählt, neben der "normalen" Arbeit im Stall steht die Wintergersteernte an und eine neue Getreidelagerhalle ist im Bau. Die Zeit für den Kaffee zwischendurch muss aber sein, da ist er sich mit Ehefrau Anne und dem ältesten Sohn Michael einig.

Die drei bewirtschaften zusammen den landwirtschaftlichen Betrieb, Michaels Bruder Kevin arbeitet als Landmaschinenmechaniker und wohnt nebenan. Der 25jährige Michael, seit drei Jahren Landwirtschaftsmeister, hat gerade mit seiner Frau eine Wohnung oben im Alterteilerhaus bezogen, wo unten seine Oma lebt.

180 Sauen und Mast

Zum Betrieb gehören 180 Sauen, die Aufzucht und rund 1.500 Mastplätze sowie ca. 80 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Außenarbeiten erledigt Familie Brüling komplett selbst, Sohn Kevin hilft bei Bedarf aus, etwa in der Ernte. Das Getreide wird komplett an die Sauen verfüttert, eine mobile Mahl- und Mischanlage kommt einmal pro Woche auf den Betrieb.

Mit dem jetzigen Viehbestand kommt man arbeitsmäßig gut zurecht, sagt Michael Brüling, der in erster Linie für den Maststall und die Außenarbeiten zuständig ist. Seine Eltern betreuen vorrangig die Sauen, mit denen im verlängerten Drei-Wochen-Rhythmus Ferkel erzeugt werden. Vor vier Jahren wurde der Maststall neu gebaut, vorher wurden die Ferkel an zwei Mäster in der Nähe vermarktet.

Vor dem Bau des Maststalles - damals stand der Einstieg von Michael in den elterlichen Betrieb an - nahm Familie Brüling intensiv Beratung von verschiedener Seite in Anspruch: "Bei einer solchen Investition muss das sein", sagt Henry Brüling. Auch rückblickend aus heutiger Sicht haben sie es richtig gemacht, ins geschlossene System zu gehen anstatt die Sauenhaltung aufzustocken, nicken alle drei übereinstimmend. Zum einen passt es arbeitsmäßig gut und die Wertschöpfung der Stufe Mast bleibt im Betrieb. Die geringen Kosten für die Tiergesundheit sind ihrer Einschätzung nach nicht nur auf das geschlossene System zurückzuführen, sondern auch auf die ‚Gesundlage‘ an der Küste, weit entfernt von den Zentren der Veredlung. Ihre Tierarztkosten lagen laut jüngster BZA-Daten bei 34 Cent/100 kg Zuwachs in der Mast.

Auch mit dem Stall selbst, den sie mit einem Komplettstall-Anbieter der Region gebaut haben, sind sie sehr zufrieden und würden ihn "1:1" wieder so bauen. Die Abteilgrößen sind so gewählt, dass je Sauengruppe jeweils zwei Abteile neu belegt werden können. Das Flatdeck verlassen die Ferkel erst mit im Schnitt 30 kg. Ausgestattet ist der Maststall mit in den Buchtentrennwänden angeordneten Breiautomaten und einer Türganglüftung. Im Winter erwärmt sich die Zuluft im Dachraum und Zentralgang etwas vor, bevor sie in die Abteile gelangt. Im Sommer kann zusätzlich Frischluft über Giebelöffnungen gezogen werden.

Gute Isolierung

Dafür, dass der Stall bezüglich des Stallklimas ihres Erachtens sehr gut funktioniert, machen sie unter anderem zwei Punkte verantwortlich: mit einer Deckenhöhe von 2,85 m ist das Luftvolumen sehr groß im Stall, ein zweischaliges Mauerwerk sorgt zudem für eine sehr gute Isolierung. Standortbedingt - der Stall befindet sich nicht weit von der Küste entfernt - gibt es auch bei sehr hohen Außentemperaturen eigentlich immer etwas Wind. Bei extrem hohen Außentemperaturen hat Michael Brüling die Einweichanlage schon mal kurzzeitig etwas in Betrieb genommen, damit die Tiere leicht befeuchtet wurden. Ihm ist natürlich bewusst, dass man diesbezüglich bei einer hohen Luftfeuchtigkeit Vorsicht walten lassen muss, wie er ergänzt.

Mit ihren derzeitigen Leistungen von ca. 28 abgesetzten Ferkeln und 810 g Tageszunahmen sind sie sehr zufrieden - sie arbeiten nur mit natürlichen Ammen und "bei uns geht eben jedes Ferkel in den Maststall", sagt Henry Brüling erläuternd dazu. Damit der Durchsatz trotzdem klappt, steht ein ausreichend dimensioniertes Resteabteil zur Verfügung. Die etwas höheren Verluste im Maststall, derzeit liegen sie bei ca. 3 %, führt er ebenfalls darauf zurück, dass eben alle Ferkel "übernommen" werden.

Zwischendurch wurden testweise übrigens Duroc-Eber bei den Sauen eingesetzt, davon verabschiedeten sich die Brülings jedoch recht schnell wieder: die Zunahmen waren natürlich enorm, die Mastabteile war immer nach 100 Tagen geräumt. Wegen des betrieblichen Rhythmus kann der Stall jedoch deswegen nicht besser ausgenutzt werden und - der entscheidende Punkt für Brülings: die Duroc-Nachkommen hatten doch des Öfteren Gelenksprobleme. Heute setzen sie wieder auf wuchsbetonte Pietrain. Sie vermarkten an den Schlachthof Böseler Goldschmaus, klassifiziert wird über AutoFOM, im Schnitt erreichen sie über 1,0 Indexpunkte/kg.

Laufend investiert

Seit Inbetriebnahme des neuen Maststalles hat es auf dem Betrieb Brüling bereits einige weitere größere Investitionen gegeben: unmittelbar nach Inbetriebnahme wurde das Dach des neuen Stalles noch mit einer Photovoltaikanlage bestückt, im Sauenstall waren durch die Einführung der Gruppenhaltung im Wartestall und die geänderten Spaltenmaße größere Umbauten nötig, im Flatdeck-Bereich wurde im vergangenen Jahr eine neue Fütterung installiert - vorher wurde hier noch von Hand gefüttert - und vor zwei Jahren wurde ein Blockheizkraftwerk installiert, das auf Erdgasbasis arbeitet: "Das hätten wir schon eher machen sollen", sagt Henry Brüling. Darüber werden nicht nur Sauen- und Flatdeckstall mit Wärme versorgt, sondern auch das Wohnhaus. Der erzeugte Strom wird zuerst im Betrieb verbraucht, im vergangenen Winter konnte sogar eingespeist werden. Die zugekaufte Strommenge ging im vergangenen Jahr für Haus und Betrieb zusammen von 62.000 KWh auf 28.000 KWh zurück. "Die Anlage wird sich in vier bis fünf Jahren amortisiert haben", so Michael Brüling.

Gefragt nach weiteren Investitionsplänen sind sich alle drei Familienmitglieder auch wieder einig, dass eine Aufstockung des Tierbestandes derzeit kein Thema ist. Dann müssten alle Bereiche wachsen und man müsste mit Fremdarbeitskräften arbeiten. Und das ist derzeit nicht angedacht: "Momentan passt es so sehr gut für uns", sagt Anne Brüling. Dem Wachstum entgegen stehen mittlerweile auch in der Grünlandregion die hohen Flächenkosten. Dabei sind sie noch in einer sehr komfortablen Situation mit ihren 80 ha Fläche. Der Maststall wird schon gewerblich betrieben, die Gülle wird -sehr gern - von einem befreundeten Milchviehhalter in der Nähe abgenommen.
Wie Berufskollegen in den Veredlungsregionen auch, sehen sie ihren Weg zunächst einmal nicht in weiterem Wachstum, sondern in einer Optimierung der bestehenden Produktion.

Neues Getreidelager

In diesem Sinne wird derzeit auch das neue Getreidelager gebaut, 15 x 25 m groß, mit 3 m hohen Betonwänden und zur Lagerung von 600 t eigenem Getreide vorgesehen. Das wird in Sachen Futterqualität und auch Arbeitswirtschaft Vorteile bringen. Eventuell ins Auge gefasst hat man eine Erweiterung des Flatdecks, bei weiter steigenden Ferkelzahlen könnte es hier sonst eng werden. Aber zunächst einmal muss die Getreidehalle fertigwerden, die Ernte geht los und vielleicht könnten ja in absehbarer Zeit Investitionen anstehen wegen der Initiative Tierwohl, dem Niedersächsischen Tierschutzplan oder sonstiger neuer Vorgaben. "Ein Schritt nach dem anderen", das ist die Devise, mit der der Betrieb bislang gut gefahren ist und weiter fahren will.

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