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Geflügelgrippe

Landkreis Cloppenburg: Hochpathogene Form der Vogelgrippe bestätigt

Mastputen im Stall
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
24.11.2016

In einem Mastputenbestand im Landkreis Cloppenburg wurde die Vogelgrippe vom Typ H5N8 nachgewiesen - der erste Fall in einem niedersächsischen Nutztierbestand.

Das nationale Referenzlabor des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hat gestern Abend (Mittwoch) den Verdacht auf Geflügelpest in einem Mastputenbetrieb im Landkreis Cloppenburg bestätigt. Demnach handelt es sich um die hoch ansteckende Variante der Geflügelpest H5N8. Es handelt sich um einen Betrieb, dessen Tiere ausschließlich im Stall gehalten worden sind.

Die auf Grundlage der Geflügelpest-Verordnung als Vorsichtsmaßnahme angeordnetete Tötung der insgesamt rund 16.000 Tiere auf dem Betrieb wurde bereits durchgeführt. Der Betrieb wurde geräumt. Außerdem gilt ein 72-Stunden-Stand-Still. Das bedeutet, dass in dieser Zone Geflügel nicht transportiert werden darf.

Rund um den vom Vogelgrippe-Virus H5N8 betroffenen Betrieb im niedersächsischen Barßel werden außerdem kurzfristig weitere 92.000 Tiere getötet und beseitigt. Das teilte die Sprecherin des Landkreises Cloppenburg Sabine Uchtmann heute mit. Bei den Vögeln handelt es sich um den Bestand von zwei benachbarten Geflügelbetrieben.

Weitere Wildvögel positiv auf Vogelgrippe getestet

Die aktuelle Vogelgrippe-Epidemie hat nun auch Sachsen-Anhalt erreicht. Gleich zwei Fälle habe das Friedrich-Löffler-Institut bestätigt, teilte das Umweltministerium am Donnerstag in Magdeburg mit. Die für Menschen ungefährliche H5N8-Variante sei bei einem toten Schwan im Jerichower Land und in einer kleinen Hühnerhaltung im Landkreis Harz nachgewiesen worden. Aufgrund der neuen Risikolage wurde sofort eine landesweite Aufstallung von Geflügel angeordnet.

Positiv auf Influenza-A H5 wurden Proben von einem im Landkreis Peine tot aufgefundenen Höckerschwan getestet. Die Proben werden weiter untersucht. In Bremerhaven sind in den vergangenen Tagen fünf tote Vögel gefunden worden, wie die Polizei mitteilte. Lediglich eine Gans sei positiv auf den Erreger H5N8 getestet worden. Daraufhin wurde ein Sperrbezirk im Süden von Bremerhaven eingerichtet, in dem besondere Bestimmungen herrschen.

Mit Verweis auf die Risikoeinschätzung des FLI wies Agrarminister Christian Meyer die Forderung der Opposition nach einer landesweiten Aufstallung zurück. Meyer sagte: „Auch das nationale Referenzlabor empfiehlt eine risikobasierte Aufstallung, also zum Beispiel bei hoher Geflügeldichte und in avifaunistisch bedeutsamen Gebieten. Genau das haben wir in Niedersachsen gemacht, genau nach dem Prinzip haben die Landkreise sehr verantwortlich gehandelt.“

Biosicherheitsmaßnahmen auch für kleinere Betriebe

Seit Anfang dieser Woche sind die Schutzvorkehrungen zur Eindämmung der hochpathogenen Vogelgrippe H5N8 ausgeweitet worden. Jetzt sind auch kleinere Geflügelhaltungen (weniger als 1.000 Tiere) verpflichtet, neue Biosicherheitsmaßnahmen zu treffen. In der entsprechenden Eilverordnung des Bundes ist z. B. geregelt, dass:

  • Unbefugte keinen Zutritt zu den Stallungen erhalten
  • Tierhalter  Schutzkleidung tragen müssen, Hände sowie Stiefel zu desinfizieren sind.
  • Große wie kleine Geflügelhaltungen müssen vor den Eingängen zu den Ställen Desinfektionsmatten oder –wannen zur Stiefeldesinfektion einrichten.
  • Personen müssen unmittelbar vor Betreten die Hände waschen und desinfizieren.

Die entsprechende Verordnung können Sie hier herunterladen…

LAVES bietet Infotelefon an

Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) hat ein Bürgertelefon geschaltet.  Die Infohotline unter der Telefonnummer 0441/57026-444 soll insbesondere Geflügelhaltern bei der Umsetzung der neuen Vorschriften unterstützen. Die Experten der Task Force Veterinärwesen des LAVES sind von montags bis freitags unter dieser Telefonnummer direkt zu erreichen.

Leitfaden zu Verhaltensregeln bei Vogelgrippe-Gefahr

Außerdem ist vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium der ausführliche Leitfaden  „Verhaltensregeln für Kleinbetriebe mit Geflügelhaltungen (weniger als 1.000 Tiere) und Geflügelhobbyhaltungen“ aufgestellt worden. Dieser bietet zusätzliche Hilfestellungen für die Umsetzung der Verordnung.

Den Leitfaden können Sie hier herunterladen…

Bei Geflügelpest unterscheidet man zwischen einer niedrig- und einer hochpathogenen Form. Aviäre Influenzaviren gehören zur Gruppe der Influenza A-Viren. Diese  verfügen über zwei Oberflächenproteine – das Hämagglutinin (H) und die Neuraminidase (N). Diese Stoffe können in unterschiedlicher Form kombiniert und ansteckend sein, so entstehen Namen wie H5N8. Die aggressive Vogelgrippe ist nach aktuellem Stand in mehreren europäischen Ländern aufgetaucht, in Niedersachsen besteht jetzt erstmals der Verdacht auf einen solchen Fund in einem Mastputenbestand.

Eine Gefahr für den Menschen besteht nach bisheriger Kenntnis nicht. Gleichwohl sollte ein Hautkontakt mit toten Wildvögeln vermieden werden; wer tote Wildvögel am Wegesrand, an Gewässern oder anderswo entdeckt, sollte dies umgehend bei den zuständigen Veterinärbehörden melden.

Mit Material von dpa, Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium und Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
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