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Geflügel

Legehennenhaltung in Altgebäuden

von , am
07.08.2013

Viele Landwirte wollen in die Haltung von Legehennen einsteigen. Inwieweit können bestehende Altgebäude wie ein alter Schweinestall für eine kleinbäuerliche Legehennenhaltung genutzt werden?

Ein Aussenklimabereich hat für die Tiergesundheit, das Tierwohl und auch für die Vermarktung einen überaus positiven Nutzen. © Schierholde
Die deutschen Verbraucher essen im Durchschnitt 220 Schaleneier pro Jahr und es wird deutsche Ware uneingeschränkt nachgefragt. Dabei werden 25 % aller Eier auf Wochenmärkten oder direkt beim Landwirt gekauft, die Mehrzahl aller Verbraucher kauft die Eier jedoch beim Discounter oder beim Lebensmitteleinzelhandel.

Um in die Legehennenhaltung und insbesondere in die Direktvermarktung einzusteigen, sind vorab wichtige Fragen zur Nischenproduktion, zur Direktvermarktung, zu den Standortbedingungen, zur Bestandgröße und zur freien Arbeitszeit abzufragen, um durch die Haltung von Legehennen ein akzeptables Einkommen zur erwirtschaften.

Altgebäude nutzen

Ein Altgebäude kann grundsätzlich für die Legehennenhaltung genutzt werden, wenn eine Nutzungsänderung bei der zuständigen Baubehörde beantragt wird. Voraussetzung ist die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und Rahmenbedingungen nach TierschutzNutztierhaltungs-Verordnung. Zusätzlich sind Fragen des Eierabsatzes und der Vermarktungsnormen für Eier, also den Haltungsbedingungen, abzuklären.

Als ein Beispiel eines umgebauten Jungviehstalles von 200 m² Nutzfläche wurde eine Freilandhaltung mit 1.400 Hennen geplant. Aufgrund der besseren Übersichtlichkeit und der niedrigen Stalldeckenhöhe von 2,50 m entschied sich der Landwirt für einen 80 cm hohen Kotrost (Plastik) mit A-Reutern. Die Kotgrube nimmt ca. 60 % der Stallfläche ein. Auf der Kotgrube sind Familiennester/Kolonienester an der Wand entlang montiert worden. Der Innenscharrbereich schließt mit einer Breite von 3 m an die Kotgrube an. Zusätzlich zum Scharrbereich im Innenstall hat das Altgebäude an der Längsseite einen abgeschleppten Kaltscharrraum mit einer Breite von 4 m.

Der Aussenbereich

Dieser Außenscharrraum, der nicht mit zur Nutzfläche und damit zur Berechnung der Besatzdichte zählt, steht den Tieren zumindest in der Hellphase zur Verfügung. Es müssen mehrere, über die gesamte Stalllänge verteilte Auslauföffnungen den Zugang zum Freiland gewähren. Eine Auslauföffnung ist mindestens 35 cm hoch und 40 cm breit. Bei einer Durchgangsöffnung vom Innenstall zum Kaltscharrraum ist diese Öffnung für 500 Tiere mindestens 1 m breit.

Die Öffnung für den Auslauf hat für 1.000 Tiere die Maße von mindestens 35 cm Höhe und auch 1 m Breite. Bei Altgebäuden ist an der Gestaltung der Auslauföffnungen ein besonderer Wert auf die Statik zu legen. Darüber hinaus soll der Auslauf, in optimaler Weise mit Büschen (Holunder, Haselnuss) und Bäumen (Obstbäume) strukturiert und größtenteils begrünt sein.

Wer seinen Tieren keinen Auslauf geben kann, ist auf eine ganzjährige Stallhaltung und die Vermarktung der Eier als Eier aus Bodenhaltung angewiesen. Eine Nische wäre dann eine verringerte Besatzdichte und wenn möglich ein gut gestalteter Wintergarten.

Die Bodenplatte für einen Wintergarten besteht aus Beton oder Pflaster, die Wände sind einfaches Vogel sicheres Kükengitter und das Dach sollte aus isoliertem Trapezblech sein. Der Wintergarten kann mit Holzhackschnitzel oder mit Stroh/Strohgranulat eingestreut werden. Im Kaltscharraum können die Hennen in der Hellphase sehr gut mit rohen Kartoffeln, Äpfeln, Möhren, Futterrüben, Pickblöcken und auch Weizengaben in die Einstreu beschäftigt werden.

Der Auslauf bei der Freilandhaltung muss gepflegt werden und ist bei Bedarf neu anzusäen, wegen der Hygiene im Stallnahbereich zu kalken (Branntkalk mit 85 % CaO). Maisstreifen können den Hennen einen natürlichen Schutz geben. Verwurmung, Schwarzkopfkrankheit und Kokzidiose können durch ein gutes Auslaufmanagement, auch im Laufe der Jahre relativ gut in den Griff zu bekommen sein.

Voliere oder Kotgrube?

Die meisten Umbauten in Altgebäuden werden wegen der zu geringen Stallhöhen mit einer 60 cm bzw. 80 cm hohen Kotroste ausgestattet. Der Vorteil ist eine gute Übersichtlichkeit der Herde. Der Nachteil ist jedoch, dass die Exkremente einen gesamten Hennendurchgang im Stall verbleiben. Hierdurch entstehende Schadgase können erheblich sein und eine der Ursachen für schlechtere biologischer Leistung und Unarten wie Stress, Unruhe und Federpicken sein.

Die Investitionskosten für einen Kotrost sind niedrig und bei einem guten Herdenmanagement kann der Kot unterhalb der Kotroste relativ trocken gehalten werden. Ein bis zwei Abluftventilatoren oberhalb der Kotgrube, halten die Konzentrationen an Schadgasen gering. Ist genügend Raum zwischen Oberkante der Voliere bis zur Stalldecke, dann hat eine Voliere mit Kotbandentmistung Vorteile. Die Stallluft ist gut, der Kot wird regelmäßig abgemistet. Rund 15 bis 20 Euro ist für das Material und der Aufbau eines A-Reutersystems je Henne zu bezahlen, bei einer Volierenanlage in kleineren Beständen verdoppelt sich die Investition je Hennenplatz sehr schnell.

Futter und Fütterung

Wenn ein Altgebäude für ca. 250 Hennen umgenutzt wird, dann ist zu überlegen, ob eine Investition in eine automatische Fütterung (Schleppkette) sinnvoll ist. Bei rund 120 g Mischfutter je Henne und Tag kann das Futter auch in zwei bis drei Futterautomaten à 75 kg bereitgestellt werden.

Rund 10 % des Futters, zum Beispiel als Weizen, Mais und Gerste, im Winter auch Sonnenblumenkerne, können als ganze Körner breitwürfig in die Einstreu gegeben werden und regen zum Scharren an und dienen der Beschäftigung. Eigenmischungen können biologisch und wirtschaftlich interessant sein, haben einen regionalen Bezug, sind nachhaltig und können werbewirksam sein. Eine mit Leinöl und Gewürzen kreierte Futtereigenmischung kann etwas Besonderes sein und trägt somit zur Nischenproduktion bei.

Die automatische Futterkette wird immer auf der Kotgrube installiert. Vorratsbehälter mit einem Legehennenalleinmehl können sowohl auf der Kotgrube als auch im Scharrraum angeboten werden.

In fast allen modernen Anlagen werden Nippeltränken zur Wasserversorgung verwendet. Eine Alternative hierzu sind Rundtränken. Diese hygienisch weniger anspruchsvollen Trän-kensysteme sind insbesondere in den Kaltscharrräumen angebracht. In den Sommermonaten und beim Aufkommen von Stress und Federpicken kann eine offene Wassertränke auch zur Beruhigung der Tiere beitragen, da mehr und bevorzugter Wasser als über Nippeltränken angenommen wird.

Rentable Erzeugung

Bei einem Eierpreis von rund 17 Cent, variable Kosten von 12 Cent/Ei, verbleiben Fixkosten und Arbeitslohn von rund 5 Cent je Ei. Bei einer Legeleistung von durchschnittlich 280 verkaufsfähigen Eiern und einem Bestand von 1.400 Hennen, bleibt ein Betrag von 19.600 Euro und Periode. Rund 8.000 Euro werden als Startkapital für die nächste Junghennenherde benötigt. (5,50 Euro je legereife Junghenne) Rund 3.000 Euro werden als 10%ige Abschreibung der Festkosten verbraucht. 8.600 Euro verbleiben für die Arbeitszeit im Stall und für die Eiervermarktung. Die Eiervermarktung an sich kann als Vermarktung von Rohware (unsortierter Ware) als Haustürgeschäft erfolgen. Wenn die Vermarktung auf Wochenmärkten erfolgen soll, sind die Eier zu klassifizieren und zu sortieren. Dann ist eine Anmeldung als Packstelle notwendig, für die besondere Hygienevorschriften gelten, wie Waschbecken, geflieste Wände, Boden mit Abfluss, Decke mit Kunststofffarbe. Einen Erzeugungscode hat jedes verkaufsfähige Ei aufzuweisen. Die Angabe der Güteklasse, der Gewichtsklassen (S, M, L, XL) sowie die Packstellennummer und das Mindesthaltbarkeitsdatum sind Pflichtangaben, wenn Eier in Direktvermarktung in einer registrierten Packstelle auf einem Erzeugungsbetrieb gekennzeichnet, sortiert und verpackt werden. Registrierungspflichtig sind Betriebe mit mehr als 350 Hennen und Betriebe mit weniger als 350 Hennen mit Kennzeichnung. Wochenmarktbeschicker unterliegen der Kennzeichnungspflicht.

Was bleibt festzuhalten

Soll ein Altgebäude für eine Legehennenhaltung umgenutzt werden, ist dies als Nutzungsänderung anzuzeigen. Der Betrieb ist als Legehennen haltender Betrieb zu registrieren und genehmigen zu lassen. Im konventionellen Bereich ist die Erzeugung von Eiern aus Freilandhaltung den Eiern aus Bodenhaltung vorzuziehen. Eier aus Bodenhaltung sollten als Nischenprodukt und in Direktvermarktung möglichst mit einem abgeschleppten Wintergarten angeboten werden.

Beim Aufbau einer Inneneinrichtung sind die Anforderungen der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung einzuhalten. Frische Stallluft, gutes Futter, tiergerechtes Angebot von Wasser und eine ausreichende Beschäftigung der Tiere in Verbindung mit einer guten Herdenführung sorgen für hohe biologische Leistungen.

Kleinere Stallungen sollten sich von den größeren Beständen absetzen, in dem sie Nischen besetzten. Nischenproduktionen sind geeignet, wenn der Standort für die Umnutzung eines Altgebäudes eine gewisse Kundennähe verschafft. Großstadt nahe Randbezirke, lukrative Wochenmärkte in den Innenstädten sind beim wirtschaftlichen Absatz der Eier besonders wichtig. Gläserne Erzeugung, Sicherheit und Urvertrauen beim Verbraucher sind grundlegend wichtige Kriterien für ein Nischenprodukt.

Die Eiervermarktung ist neben viel Engagement mit viel Arbeitszeit und Kundennähe verbunden. Dabei muss das Altgebäude tierfreundlich und übersichtlich sein und einen Besuch von Kunden gerecht werden. Wer alle angesprochenen Punkte bejaht, die Arbeitszeit nicht scheut und den Kontakt zum Kunden sucht, der sollte sich näher mit der Altgebäudeumnutzung zur Legehennenhaltung beschäftigen.
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