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Schwein

"Litauen ist nicht so weit weg!"

von , am
19.02.2014

Ende Januar wurde in Litauen an der Grenze zu Weißrussland bei verendeten Wildschweinen die Afrikanische Schweinepest (ASP) festgestellt. Höchste Aufmerksamkeit ist geboten.

Nach Angaben des russischen Veterinärdienstes beträgt die Ausbreitungsgeschwindigkeit bei der ASP ca. 350 km pro Jahr. Gründe sind auch mangelnde Biosicherheit und Bestandshygiene sowie der Kontakt zu Wildschweinen in den typischen Hinterhoftierhaltungen der betroffenen Länder. © Fiedler
Dr. Karl-Wilhelm Paschertz, Veterinäramtsleiter des Landkreises Cloppenburg, mahnt alle Schweinehalter zur strikten Einhaltung von Hygienemaßnahmen, da die Erkrankung hochansteckend ist. Die Seuchenvorsorgemaßnahmen sind seiner Einschätzung und der Einschätzung seiner Kollegen nach dringend geboten, weil das Virus nun auch die Europäische Union erreicht hat. Für den Menschen ist der Virus ungefährlich.

Die meisten Neuausbrüche in vorher nicht betroffenen Regionen waren bisher auf die Verfütterung von Speiseabfällen aus infizierten Gebieten zurückzuführen, erläutert Dr. Paschertz. Insbesondere Wildschweine könnten sich mit Speiseresten infizieren, die von Reisenden an Autobahnparkplätzen achtlos weggeworfen würden. Darüber hinaus bestehe das Risiko, dass das Virus durch nicht gründlich gereinigte und desinfizierte Transportfahrzeuge, die im internationalen Viehhandel eingesetzt würden, eingeschleppt werde.

Dr. Paschertz empfiehlt deshalb allen Schweinehaltern die konsequente Einhaltung von Hygienemaßnahmen, die in der Schweinehaltungshygieneverordnung festgelegt sind. Durch diese Maßnahmen könne die Gefahr der Einschleppung nicht nur der Afrikanischen Schweinepest, sondern aller auf Schweine übertragbarer Krankheiten stark minimiert werden, so der Leiter des Veterinäramtes. Hiernach dürfen zur Abholung von Schweinen nur gereinigte und desinfizierte Viehtransporter, auf denen sich keine Schweine aus anderen Betrieben befinden, auf den Betrieb gelassen werden. Betriebsfremde Personen, beispielsweise Viehwagenfahrer, Tierärzte oder Handwerker, dürfen den Stall nur mit betriebseigener Schutzkleidung oder Einmalschutzkleidung betreten.

Zum Treiben von Schweinen aus dem Stall dürfen nur eigene Treibhilfen (Bretter, Paddel) verwendet werden. Wildschweine müssen durch eine entsprechende Einzäunung vom Betrieb ferngehalten werden. "Bei Verstößen gegen diese Vorschriften droht im Falle eines Ausbruches eine empfindliche Kürzung der Entschädigung durch die Niedersächsische Tierseuchenkasse", warnt Dr. Paschertz. Er mahnt insbesondere auch Jäger zu erhöhter Vorsicht. Verendete Wildschweine sollten im Rahmen des Schweinepest-Monitorings unbedingt untersucht werden. Besonders gefordert seien Jäger, die selbst Schweine halten. Sie sollten keinesfalls mit Jagdkleidung in den Stall gehen oder Wildschweine auf dem Betrieb aufbrechen.

"Das frühzeitige Erkennung einer Seuche ist von ganz entscheidender Bedeutung für das gesamte Seuchengeschehen", erläutert Dr. Paschertz weiter. Je länger die Seuche im Stall sei, desto größer die Gefahr der Weiterverbreitung. Die Schweinehaltungshygieneverordnung schreibe vor, dass bei gehäuftem Auftreten von Todesfällen, bei Todesfällen ungeklärter Ursache, bei gehäuftem Auftreten von Kümmerern, bei vermehrt fieberhaften Erkrankungen mit Temperaturen über 40,5°C oder bei therapieresistentem Fieber immer die Ursache abzuklären sei. Dazu müssten vom Tierarzt Blutproben von zehn Schweinen entnommen und auf Schweinepest untersucht werden.
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