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Tierhaltung

Mais: Strukturwirkung steigern

Jan-Gerd Ahlers, LAND & Forst
am
04.11.2015

Bereits seit vielen Jahren wird Mais in den USA mit großen Schnittlängen von 26 bis 30 Millimetern gehäckselt. Einen Erfahrungsaustausch dazu gab es jetzt auf einer Veranstaltung von Claas in Melle, Kreis Osnabrück.

Entscheidend ist die Aufbereitung mit der Corncracker Technologie. Walzen mit einer gegenläufigen Spiralnut zerkleinern die Spindelstücke vollständig und zerreiben die Körner, um sie komplett aufzuschließen. Darüber hinaus wird das Stängelmaterial auch in Längsrichtung aufgefasert und die Rinde durch die spezielle Walzenstruktur abgeschält. Langschnitt erhöht die Strukturwirkung von Maissilage und verbessert die Verfügbarkeit der in allen Pflanzenteilen enthaltenen Stärke. Dadurch kann die Milchleistung steigen. Durch den optimalen Aufschluss der Stärke kann der Kraftfuttereinsatz in den Betrieben bei höherer Milchleistung reduziert werden. Auch die Ergänzung strukturreicher Komponenten wie Stroh kann eingeschränkt werden oder entfallen. Die Häcksellängen bei Silomais sind sehr unterschiedlich. Bei Schnittlängen von 3,5 bis 12 mm spricht man von Kurzschnitt-Silage. Der Kurzschnitt umfasst sowohl Silage für die Nutzung in Biogasanlagen als auch Silage zur Milchvieh- und Rinderfütterung.

Kurze Schnittlängen gehen in die Biogasanlagen

Gefordert ist hier ein homogenes, kurzes und sehr feinstrukturiertes Pflanzenmaterial. Der Kornaufschluss muss ebenfalls einen sehr hohen Standard erreichen. Diese Silage mit geringer Strukturwirkung wird vor allem im Bereich Biogas eingesetzt. Kommt sie in der Rinderfütterung zum Einsatz, so muss sie durch alternative Strukturträger in ausreichender Menge ergänzt werden. Der „klassische“ Langschnitt umfasst den Häcksellängenbereich von 12 bis 22 mm und ist in vielen Ländern seit Jahren etabliert. Hier kommt es neben dem Kornaufschluss auf eine verbesserte Strukturwirkung an; die verschiedenen Futterbestandteile werden aber im Vergleich zu Shredlage nicht so intensiv aufgefasert. Aber auch bei Langschnitt-Silage bringt die stärkere Strukturwirkung Vorteile für die Wiederkautätigkeit mit sich; lediglich die Siloverdichtung zeigte in der Vergangenheit noch Defizite. Shredlage ist das noch relativ junge Fütterungskonzept aus Nordamerika. Mit bis zu 30 mm muss das Häckselgut sehr lang gehäckselt werden. Durch einen sehr hohen Kornaufschluss bis hin zu einem starken Zerreiben wird der Anteil pansenverfügbarer Stärke - als Energielieferant - erhöht. Zudem erfolgt eine sehr intensive Längsbearbeitung der Stängelstrukturen. Dahinter steht das Ziel, eine stärkere Strukturwirkung der Silage sicherzustellen und so die Wiederkautätigkeit zu verbessern. Der intensive Aufschluss des Materials vergrößert die Oberfläche und verbessert damit die bakteriellen Fermentationen beim Einsilieren und die mikrobielle Aktivität im Pansen der Kuh. Zudem erhöht es auch die Verfügbarkeit der in allen Pflanzen enthaltenen Stärke. Bei Milchkühen und Mastbullen ist in silomaisbetonten Rationen vielfach die Strukturwirkung begrenzend. Durch die Anhebung der Häcksellänge auf 20 mm lässt sich die Strukturwirkung der Maissilage um 25 % steigern. Bei einer besseren Kornaufbereitung ist der Anteil pansenverfügbarer Stärke aus der Maissilage höher. Insofern konnte der Kraftfutteranteil in der Ration verringert werden. Wichtig ist, egal von welchem Hersteller der Cracker stammt, dass die Körneraufbereitung optimal ist. Es dürfen keine ganzen und möglichst wenig halbe Körner in der Silage zu finden sein. Außerdem sollte die Häcksellänge in Abhängigkeit von der Trockenmasse maximiert werden. Je feuchter die Silage, desto länger und je trockener die Silage, desto kürzer sollte gehäckselt werden. Auch auf eine niedrigere Erntegeschwindigkeit muss geachtet werden, denn sie beeinflusst die Aufbereitungsqualität unabhängig von der Crackereinheit. Wichtig ist eine Abstimmung der Walzkapazität auf die Schlagkraft des Häckslers. Je größer die Häcksellänge, umso höher ist der erforderliche Aufwand für die Verdichtung. Schwierig sind längere Spindelteile, da sie sperrig sind und daher Luftkanäle zulassen.    

Keine Probleme mit der Silierung von Langschnitt

Positive Erfahrungen mit dem Langschnitt (22 bis 26 mm) hat Familie Westrup (250 ha Mais, 600 Kühe mit 12.200 kg Milch, 3,84 % Fett und 3,34 % Eiweiß) in Bissendorf, Kreis Osnabrück, gesammelt. Die Silierung des längeren Maiserntegutes verlief problemlos. Das stark aufbereitete Häckselmaterial verzahnte sich sehr gut und ließ sich problemlos verdichten. Auch die Fermentation nach Abdecken des Silos verlief einwandfrei. Voraussetzung dafür ist ein optimales Verdichtungs- und Silomanagement. Der Lohnunternehmer von Wes-trup hat in die neue Technik investiert. Ein Aufpreis für das Häckseln ist gerechtfertigt, der Dieselverbrauch nimmt zu, der Verschleiß ist höher und die Leistung geringer.

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