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Das Management ist entscheidend

von , am
28.08.2014

Auf dem Betrieb von Andrea und Heinz-Josef Mersch in Freren, LK Emsland, spielt der Einsatz von homöopathischen Mitteln eine große Rolle. Mittlerweile haben sie viel Erfahrung gesammelt und der Erfolg gibt ihnen Recht.

Individuelle Tierbetreuung ist Andrea Mersch sehr wichtig. © Bergmann

Wie viele andere hatte auch Familie Mersch den ersten Kontakt zu alternativen Heilmethoden über ihre Kinder. "Und da dachten wir, was bei Menschen wirkt, sollte den Tieren auch helfen",  sagt Andrea Mersch.

Zusammen mit ihrem Mann Heinz-Josef bewirtschaftet sie einen Betrieb mit knapp 60 ha Ackerbau, Grünland, 50 Milchkühe, deren weibliche Nachzucht und 200 Sauen (DanZucht). Etwa die Hälfte der Ferkel wird als Systemferkel vermarktet, die andere Hälfte bis 28 kg aufgezogen. Angefangen mit Homöopathie hat Heinz-Josef Mersch beim Milchvieh. "Die homöopathischen Mittel wurden z. B. bei Mastitis eingesetzt und zeigten eine sehr gute Wirkung, weitere Medikamente brauchten nicht verabreicht zu werden und somit entfiel auch die sonst entstehende Wartezeit für die Ablieferung der Milch."

Erfahrung austauschen


Nach und nach haben sie immer mehr Erfahrungen gesammelt, sich mit Kollegen ausgetauscht und Kurse bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen besucht. "Neben dem theoretischen Wissen waren vor allem die praktischen Übungen sehr wertvoll, dort wurde gelehrt, den Blick für die Tiere zu schärfen", erzählen die beiden. Viel Wert legen sie auf die regelmäßigen Treffen im Arbeitskreis: "Der Erfahrungsaustausch ist das A & O, denn er erweitert den Blick für neue Ansätze im Umgang und Einsatz von homöopathischen Mitteln."

Mittlerweile setzen Mersch‘s Homöopathie seit über zehn Jahren ein, und mit zunehmender Erfahrung auch intensiv im Sauenstall. Dort ist Andrea Mersch zuständig und nutzt die alternativen Mittel vor allem rund um die Abferkelung. Zur Geburt bekommen die Sauen Arnica, wirkt schmerzstillend und stärkt nach großer Anstrengung, Caulophyllum unterstützt die Wehentätigkeit und Sabina, das eine reinigende Wirkung hat. Die Globuli werden in Wasser aufgelöst und in der Regel übers Maul verabreicht. Bei einzelnen Indikationen besteht auch die Möglichkeit, die Mittel über die Scheide zu geben.

Nach der Geburt erhalten die Sauen drei Tage lang eine Kombination  verschiedener Globuli, die die Milchbildung und die Reinigung der Gebärmutter unterstützen, die Verdauung und den Stoffwechsel anregen.
Aber wer glaube, mit ein paar Kügelchen, ließen sich alle Pro-bleme verhindern, der irre gewaltig, erklären Andrea und Heinz-Josef Mersch.

Bevor die Homöopathie zum Einsatz kommen kann, müssen alle anderen Einflussfaktoren in Ordnung sein: Ein konsequentes Impfmanagement, Stall, Klima, Hygiene, Fütterung und vor allem das Management seien dabei entscheidend. "Erst wenn eine Ursachenforschung in diesen Bereichen abgeschlossen ist, beginnt die Analyse der beobachteten Auffälligkeit und die Auswahl des in Frage kommenden homöopathischen Mittels", erklärt Andrea Mersch. "Der Grundgedanke ist, dass im Organismus etwas ins Ungleichgewicht geraten ist. Homöopathische Mittel geben der körpereigenen Abwehr einen Reiz, um den Selbstheilungsprozess zu unterstützen".

"Voraussetzung ist die intensive Beobachten der Tiere und die richtige Auswahl der Mittel", erklärt Berater Joachim Schulz von der Landwirtschaftskammer in Lingen. "Hier setzten wir in Seminaren und Arbeitskreisen an und schärfen den Blick des Tierhalters." Aber dazu müsse vor allem das ganze "Drumherum", die Umweltbedingungen stimmen, so Schulz. Dem stimmt Andrea Mersch zu: "Der Abferkelzeitraum ist bei uns sehr arbeitsintensiv, ich überwache die Geburten, so haben die Ferkel den bestmöglichen Start. Was hier versäumt wird, kann nicht wieder aufgeholt werden. Ich gehe mehrmals am Tag in die Abteile und beobachte die Sauen und Ferkel, um Auffälligkeiten früh zu erkennen", berichtet Andrea Mersch. Wie bei der Sau vor ein paar Tagen, die eine extreme Unruhe nach der Geburt zeigte. Eine andere hatte eine sehr anstrengende Geburt und die Nachgeburt war auffällig, manchmal braucht ein Ferkel etwas zur Kräftigung. "Hier helfen homöopathische Mittel, den Organismus wieder ins Gleichgewicht zu bekommen."

Genaue Beobachtung

Die Landwirtin setzt dabei auf Einzelmittel. Aber um das Richtige zu wählen, bedarf es einer genauen Tierbeobachtung, detaillierten Aufzeichnungen über den bisherigen Verlauf und viel Erfahrung, sind sich Andrea und Heinz-Josef Mersch einig. Bei den eben angesprochen en auffälligen Sauen im Abferkelstall ging Andrea Mersch in regelmäßigen Abständen wiederholt in den Stall, um den Tieren ihre individuelle Globoli-Lösung mit einer nadellosen Spritze übers Maul zu verabreichen. "Das ist arbeitsaufwändig, aber der Erfolg zeigt sich fast immer innerhalb von ein paar Stunden!"

Und die intensive Tierbetreuung zeigt sich auch bei der biologischen Auswertung: 33 aufgezogene Ferkel/Sau und Jahr, 13 % Saugferkelverluste, knapp 6 % Umrauscher. Viele Medikamente sind bei Mersch nicht notwendig, ganz ohne geht es aber auch nicht immer. Doch Arnica und Co werden weiter eine entscheidende Rolle spielen.
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