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Sonstiges

Mehr Tierwohl bald branchenweit?

von , am
12.03.2013

Welche Ansätze des derzeit zur Verbesserung des Tierwohls in der Schweinehaltung gibt, wurde vergangene Woche auf dem Baulehrschau-Sondertag im Landwirtschaftszentrum Haus Düsse diskutiert.

Im laufenden Jahr beträgt der Anteil der „Aktion Tierwohl“-Produkte bei der Westfleisch ca. 10 % der Gesamtproduktion. © Keulen

Mit einer sogenannten Ringelschwanzprämie, einem Preisbonus für Schlachtschweine mit intakten Ringelschwänzen, wollen zum Beispiel die Mitglieder der Tierschutzorganisation "ProVieh" das Tierwohl flächendeckend in deutschen Schweineställen verbessern.

Dabei haben die Tierschützer auch den Landwirten im Blick, denn "Tierwohl muss als Leistung anerkannt und honoriert werden", betonte "ProVieh"-Geschäftsführer Stefan Johnigk in Haus Düsse.

Deshalb soll es für Schweine, bei denen am Schlachtband ein intakter Ringelschwanz festgestellt wird, vom Lebensmitteleinzelhandel eine Prämie von12 € bis 14 € geben. Diese Boni sollen unabhängig von den Warenströmen, das heißt unabhängig von gelieferter Fleischmenge und -qualität in einen Fonds fließen, und dann an die beteiligen Sauenhalter und Mäster zu gleichen Teilen ausgezahlt werden.

Handel will aktiv werden

Bei diesem Konzept soll der Landwirt selbst bestimmen dürfen, mit welchen Maßnahmen er in seinem Betrieb erreichen will, dass die Schwänze nicht mehr kupiert werden brauchen. Entscheidend bei der Beurteilung von Tierwohl seien messbare Kriterien am Tier selbst.

Wie Johnigk weiter berichtete, gebe es von Seiten des Handels deutliche Signale, grundsätzlich ein solches Bonitierungssystem einzurichten. Deshalb wolle "ProVieh" sein Bonitierungssystem den Beteiligten der Brancheninitiative "Tierwohl 2013" in der nächsten Sitzung vorschlagen. Die Brancheninitiative ist ein von QS moderiertes branchenübergreifendes Gremium, in dem Vertreter aus den Bereichen Landwirtschaft, Fleischindustrie, Tierschutz und Lebensmitteleinzelhandel derzeit Projekte und Kriterien zur Verbesserung des Tierwohls erarbeiten.

In der sachlich geführten Diskussion ging es unter anderem um die Frage, ob ein Bonus zwischen 12 € und 14 € je Schlachtschwein ausreichen werde, um die zusätzlichen Produktionskosten auszugleichen. Die anwesenden Experten sahen diesen Betrag als eher niedrig kalkuliert an - vor allem, wenn bauliche Veränderungen notwendig sind.

Westfleisch erprobt Label

Für eine branchenweite Lösung zur Verbesserung des Tierwohls sprach sich auch Heribert Qualbrink von der Westfleisch eG aus, dessen Unternehmen bei der Brancheninitiative "Tierwohl 2013" mitwirkt. "Dies ist das erste Mal nach der BSE-Krise, dass Vertreter aus Landwirtschaft, Fleischindustrie, Tierschutz und Lebensmitteleinzelhandel an einem Tisch sitzen", betonte er und warnte: "Die Zeitfalle einer politischen Lösung droht".

Das Unternehmen Westfleisch liefert seit rund 18 Monaten Fleisch- und Wurstwaren mit dem eigenen Label "Aktion Tierwohl" in verschiedene Marktketten, zum Beispiel Hit und Norma. Schwanzverletzungen oder Infektionen.

Nach Angaben des Referenten hat Westfleisch in 2012  rund 540.000 Schweine unter dem Label vermarktet und plant für 2013 den Absatz von 650.000 Tieren, was etwa einem Anteil von 10 % der Gesamtproduktion entspricht. Damit sei die Marke zwar gut im Markt platziert, sie könne aber nicht die breite Diskussion zum Thema Tierwohl in der Öffentlichkeit abdecken, stellte der Referent klar.

Kommunikation nötig

Während abgepackte und mit dem Label gekennzeichnete Ware gut angenommen werde, sei der Absatz über die Fleischtheke schwierig, so eine weitere Erfahrung des Unternehmens. Hier komme es vor allem auf die entsprechende Schulung des Verkaufspersonals an.
Ähnliche Erfahrungen gebe es auch mit dem in den Niederlanden eingeführten Tierschutzlabel "beter leven". Häufig wüsste das Verkaufspersonal in den Märkten nicht, worum es bei dem Label gehe. "Obwohl wir für "beter leven" zertifiziert sind, setzen wir derzeit keine solche Ware in die Niederlande ab", berichtete der Westfleisch-Einkaufsleiter.
Deshalb käme es auch bei einer branchenweiten Lösung zur Verbesserung des Tierwohls in Deutschland besonders auf die Kommunikation mit dem Konsumenten an, „"und das kostet Geld", betonte er.

Ergänzend zu den beiden Vorträgen aus Wirtschaft und dem Tierschutzbereich stellten Tobias Scholz, Haus Düsse, und Christian Meyer von der Lehr- und Versuchsanstalt Futterkamp der LWK Schleswig-Holstein, verschiedene Aktivitäten ihrer Einrichtungen vor, wie das Thema Tierwohl in der Praxis angegangen werden kann, bzw. welche Praxiserfahrungen vorliegen.
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