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Sonstiges

Milch bleibt gefragt

von , am
12.03.2013

Sind Milchviehhalter mit ihren Strategien fit für den Weltmarkt? Dieses Thema wurde beim Junglandwirtetag von Wissenschaftlern und Praktikern vorige Woche in Aurich diskutiert.

Der Milchmarkt wird sich durch den Wegfall der Quote verändern, so Eric Brenneke, Vorsitzender der Junglandwirte Niedersachsen, deren 4.000 Mitglieder in 25 regionalen Arbeitskreisen aktiv sind. Mit Blick auf starke Preisschwankungen rief er dazu auf, stärker über Maßnahmen zur Absicherung nachzudenken.  

Bei stabiler Nachfrage und langfristig steigenden Weltmarktpreisen werden die Milchmengen nach dem Auslaufen der Milchquote 2015 EU-weit nur moderat ansteigen, glaubt Prof. Dr. Holger Thiele. Nach Langzeitprognosen soll der globale Milchverbrauch bis 2020 jährlich um 2,3 % ansteigen. Die Perspektiven des Milchmarktes hängen von der Entwicklung internationaler Märkte ab. Thiele: "Die Milch ist viel globaler, als man denkt."

Für Niedersachsen rechnet er mit einem jährlichen Wachstum von 1,46 %. Die regionale Konzentration dürfte weiter zunehmen. Thiele erklärte, dass die Milchpreise der Molkereien von der Verwertungsrichtung, dem Zeitpunkt des Verkaufs bzw. den Kontrakten abhängen. Trotz der erwarteten langfristigen Verbrauchszuwächse bei Milchprodukten können kurzfristig stärkere Preisschwankungen auftreten. Gründe sind Wechselkursschwankungen, Klima, Konjunktur und der Wegfall politisch bedingter Preisuntergrenzen. Dem  Vorschlag vom EU-Agrarausschuss, bei Überschüssen freiwillig  gegen eine Entschädigung auf Mengen zu verzichten, sieht der Wissenschaftler skeptisch, weil das Instrument "wenig effizient und träge" sei.  

Nach Einschätzung von Dr. Birthe Lassen wird sich die Agrarpolitik weiter aus dem Milchmarkt zurückziehen. "Um diese und andere Herausforderungen zu meistern, benötigen Milcherzeuger auf jeden Fall immer mehr unternehmerische Fähigkeiten". Nach ihrer Einschätzung gibt es auch in Zukunft eine weitere Konzentration der Milchproduktion in bisherigen Gewinnerregionen. Einzelbetriebliche Pläne lassen hingegen auch Wachstum in Gemischtregionen erwarten.

Lassen plädierte auch für eine Weiterentwicklung von Betriebsvergleichen. Durch diese individuellen Auswertungen können Stärken und Schwächen gut erkannt werden. Damit habe man die Produktionskosten besser im Blick.

Zu den künftigen Risiken zählt Lassen die Entwicklung anderer Betriebszweige (Biogas, Veredlung). Gefragt seien Unternehmertum mit betrieblichem Risikomanagement und Strategieplanungen.

Auch zwei Praktiker aus den Reihen der Junglandwirte referierten in Aurich. Jens Wünsche aus Friedeburg, Kreis Wittmund, bewirtschaftet gemeinsam mit seinen Eltern einen 100 ha gro-ßen Futterbaubetrieb mit 140 Kühen mit einer Durchschnittsleistung von 9.400 kg Milch. Der Landwirtschaftsmeister setzt darauf, die Lebensleistung seiner Kühe zu erhöhen. Zudem plant er, die Tierzahl auf 150 Kühe und die Milchleistung der Kühe auf 10.000 kg zu steigern. Wünsche setzt bereits jetzt einige genetisch hornlose Bullen ein. Der Landwirt möchte kein Wachstum über Fremd-AK. Als begrenzende Faktoren nannte er vor rund 300 Zuhörern beispielsweise die mangelnde Planungssicherheit durch die Agrarpolitik. Hinzu kämen immer mehr Tierschutzauflagen und die steigende Bedeutung der Fläche als Futtergrundlage und für Nährstoffnachweise; das führe zwangsläufig zu höheren Pachten.
Gunnar Jaborg aus Ovelgönne, Kreis Wesermarsch, bewirtschaftet mit seinen Eltern einen Grünlandbetrieb mit 100 ha und 125 Kühen. Im Sommer gibt es Weidegang, im Winter eine Teil-TMR. Bis 2015 möchte er die Herde auf 160 Tiere aufstocken und die Gruppenhaltung einführen. Die Jungrinder-Aufzucht könnte ausgelagert werden, die Grundfutterleistung ist noch steigerungsfähig. Jaborg unterstützt das Weidemilchprogramm seiner Molkerei und hofft dadurch künftig auch auf etwas mehr Milchgeld.
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