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Geflügelhaltung

Mobilställe auch für die Hähnchenmast interessant

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Henning Pieper, LWK Niedersachsen, Bezirksstelle Hannover
am
20.04.2018

Bei Geflügelhaltung im Mobilstall geht es zu 98 % um Legehennen. Aber auch Hähnchenmast ist darin möglich. Hier Zahlen zur Wirtschaftlichkeit.

Geflügelfleisch, und dabei insbesondere das Hähnchenfleisch, erfreut sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit. Obwohl der Fleischverbrauch insgesamt etwas abnimmt, ist beim Hähnchenfleischverzehr ein stetiger Zuwachs zu verzeichnen.

Konventionell und im Rahmen der ökologischen Erzeugung sprechen wir in der Freilandhaltung allerdings von verschwindend kleinen Prozentanteilen. Dies dürfte hauptsächlich an der fehlenden flächendeckenden Verarbeitungsstruktur und den deutlich erhöhten Produktionskosten liegen.

    Gute Voraussetzungen für extensive Hähnchenmast

    Doch kürzlich ist das Lebensmittelhygienerecht in Bezug auf die Schlachtung und Zerlegung von Geflügel im Rahmen kleinerer Verarbeitungsbetriebe geändert und mithin vereinfacht worden. Zudem auch noch politisch gewollt, ergeben sich so insgesamt gute Voraussetzungen.

    Wie sich eine extensive Hähnchenmast in einem Mobilstall rechnet, haben wir nachfolgend für Sie kurz zusammengefasst. Im Anschluss wird das Thema ausführlich behandelt:

    • Der Gewinn von 3.620 Euro in den ersten drei Durchgängen muss 105 Arbeitskraftstunden entlohnen.
    • Bei einer maximal möglichen Auslastung von 6,3 Mastdurchgängen fällt die Belastung durch die ganzjährigen Festkosten geringer aus.
    • Ein Gewinn von 12.265 Euro hat hier 285 Arbeitskraftstunden zu entlohnen. Eine Stundenentlohnung von gerundet 35 und 43 Euro kann als sehr rentabel angesehen werden.
    • Dennoch sollte sich der interessierte Neueinsteiger genau über diesen sehr speziellen Markt, die oftmals neue Tierart und die „24 Stunden-Rufbereitschaft“ umfassend informieren.

    Landwirtschaftliche Betriebe mit geringer Produktion von Geflügelfleisch

    Die Vermarktung der Kleinstbestände unterscheidet sich sehr deutlich von der Mastgeflügelhaltung in größeren Beständen. In marktnahen Gebieten, bei entsprechender Produktqualität und günstigen Verkehrslagen, hat sich in diesen Beständen die Direktvermarktung auf Wochenmärkten oder in Hofläden etabliert.

    Diesen Betrieben schreibt die Geflügelfleischhygiene-VO eine jährliche Produktionsmenge von maximal 10.000 Stück je Betrieb und Jahr vor.

    Dabei dürfen von landwirtschaftlichen Betrieben mit geringer Produktion von Geflügelfleisch ohne Schlachtgeflügel- (Lebendbeschau) und Geflügelfleischuntersuchungen (Fleischbeschau) gewonnen und ohne Beurteilung und Kennzeichnung der Tauglichkeit zum menschlichen Verzehr durch den amtlichen Tierarzt nur an Verbraucher abgegeben werden, wenn

    • es frisch und nicht zerkleinert ist,
    • die Vermarktung entweder unmittelbar im Betrieb (ab Hof) oder über höchstens 50 km vom Betrieb entfernte Wochenmärkte oder Einzelhandelsgeschäfte in derselben Ortschaft wie der des Erzeugers oder einer benachbarten Ortschaft erfolgt.

    Geflügelfleisch gilt als „frisch“, wenn es über das Gewinnen, Entbeinen, Zerlegen, Wiegen, Umhüllen, Verpacken, Kühlen, Gefrieren, Tieffrieren, Auftauen, Lagern und Befördern hinaus nicht behandelt worden ist. Weiteres regelt die „Geflügelfleischhygiene-VO“.

    Kleinere Einheiten in älteren Gebäuden oder Mobilställen

    Diese kleineren Einheiten werden oftmals in älteren Stallgebäuden oder Mobilställen gehalten. Auch eine Kombination aus beiden ist möglich, wenn

    • zum Beispiel eine Voraufzucht, die in den ersten Tagen eine Stalltemperatur von 32 bis 34 °C verlangt, in Altgebäuden durchgeführt wird, und
    • dann mit einer ausreichenden Befiederung (etwa der 28. Lebenstag) in den Mobilstall zur Ausmast umgestallt wird.

    Bereits vorgezogene Masthähnchen beziehen

    Weiterhin ist es möglich, bereits vorgezogene Masthähnchen zu beziehen. Der Mehrpreis rechtfertigt dann die bereits abgeschlossene empfindliche Aufzuchtphase mit deren Impfmaßnahmen.

    Nun ist letztendlich nur noch die Tierwärme abzuführen und eine Heizung oftmals nicht mehr von Nöten, wenn die Stallinnentemperatur bei etwa 18 °C verbleiben kann.

    Oftmals wird auch erst in den Monaten April bis etwa Oktober die Hähnchenmast im Mobilstall betrieben. Erfolgt eine Aufzucht und Mast ganzjährig, dann sind eine ausreichende Strohmatte in teilmobilen Ställen und eine Fußbodenheizung in vollmobilen Ställen ratsam.

    Herkunft ISA 757 ideal für extensive Mast

    Eine bereits vorgezogene Herde der Herkunft ISA 757 ist ideal für die Haltung in extensiven Mastverfahren. Möglich sind auch Cobb Sasso und Ross Ranger.

    Nach ca. 38 Tagen im Mobilstall, mithin am 66. Lebenstag, werden die ersten frohwüchsigen Broiler (zumeist männliche Tiere) mit einem Lebendgewicht von etwa 3.300 g vorgegriffen, um sie mit einem erwünschten Schlachtgewicht von etwa 2.500 g zu verkaufen.

    Nun verteilen sich die verbleibenden Tiere auf der gesamten Stallfläche und werden etwa zehn Tage später mit ebenfalls diesen Gewichten verkauft.Die in den Tabellen 1 und 2 aufgeführten Produktions- und Investitionsdaten sind die Basis für die Wirtschaftlichkeitsberechnung (Tabelle 3).

    Vollrechnung zur Wirtschaftlichkeitsanalyse

    Für die Wirtschaftlichkeitsanalyse wurden eine Vollkostenrechnung vorgenommen:

    • für einen Durchgang,
    • für drei in den Monaten April bis Oktober, und
    • für die maximal möglichen Durchgänge bei einer unterstellten Servicezeit zum Vorbereiten des Stalles von zehn Tagen.
    • Da sich die festen Kosten auf das gesamte Jahr beziehen, ist natürlich eine kontinuierliche Mast ökonomisch sinnvoll. Dennoch gilt es erstmal, den Absatz aufzubauen und zu etablieren.

    Herdengröße: 300 Masthähnchen

    Der hier zugrunde gelegte Mobilstall kostete etwa 20.000 Euro netto. Je nachdem, welches Endgewicht angestrebt wird, ergibt sich die Anzahl der Mastplätze. Hier wurden 12 Tiere je Quadratmeter und eine Herdengröße von 300 Masthähnchen aufgestallt:

    • Auffällig war, dass sich die Verlustzahlen - nach der Aufzuchtphase - lediglich unter einem Prozent bewegten.
    • Die Herden sind äußerst robust und können frei von Medikamenten gehalten werden.
    • Zu dem Mobilstall müssen noch Transporteinrichtungen und Möglichkeiten der Kühlung angeschafft werden.
    • Der organisierte Abverkauf sollte gleich am Tag der Schlachtung aus dem Kühlanhänger erfolgen.
    • Dennoch ist es ratsam, Kühlschränke für einen Verkauf am Folgetag oder Gefrierschränke für mögliche Übermengen vorzuhalten.

    Höhere Erlöse notwendig

    Auf der Seite der Erlöse wurden nun 297 Schlachttiere mit einem Schlachtgewicht von 2.500 g und einem Verkaufspreis von neun Euro netto je Kilogramm erzielt.

    Der Verkaufspreis erscheint zunächst sehr hoch, ist aber in dem „Konzept“ Mobilstall, extensive Mast, kleinere Herdengrößen, deutlich mehr Arbeit usw., notwendig.

    Von diesen Erlösen sind zunächst die variablen Kosten abzuziehen, das sind in erster Linie

    • die bereits vorgezogenen Küken,
    • das Futter,
    • Energiekosten,
    • die Tiergesundheit (Desinfektionsmittel, Vitamine und Mineralien),
    • sonstige Kosten (Beiträge, kleine Reparaturen, Einstreu, Verbrauchsmaterial usw.) und
    • das eigentliche Schlachten.

    Mobilställe meist zwölf Jahre abgeschrieben

    Feste Kosten fallen ganzjährig an, um die Produktionsstätte zur Verfügung zu stellen:

    • Mobilställe werden meist zwölf Jahre abgeschrieben und werden mit 3 bis 5 % der Investitionssumme mit Reparaturkosten veranschlagt.
    • Alles Übrige wird auf eine Nutzungsdauer von zehn Jahren verteilt.
    • Durch einen weiteren Abzug der festen Kosten, zumindest auf die zunächst begonnenen drei Mastdurchgänge pro Jahr, gelangt man zu einer Vollkostenrechnung.
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