Login
Schafe & Ziegen

An Mr. Müden kam keiner vorbei

von , am
17.07.2013

Jedes Jahr am zweiten Donnerstag im Juli bieten die Heidschnuckenzüchter ihre schönsten Jungböcke auf der Auktion in Müden/Örtze an. Wer in diesem Jahr kam und siegte, lesen Sie hier.

Diese Ia-Böcke der jeweiligen Altersklasse überzeugten die Preisrichter. © Brockob
Mehr als 800 Züchter, Bieter und Zuschauer aus ganz Deutschland trafen sich am vergangenen Donnerstag in Müden/Örtze. Der schönste Heidschnuckenbock kam aus Wietze. Bei der schon am frühen Morgen mit strahlendem Sonnenschein gestarteten Körung erhielt der Bock die Traumnoten 8/8/8 von der Körkommission.

Qualität überzeugt

34 der 41 vorgestellten Tiere erhielten die Zuchtwertklasse I, dies zeigt die gute, einheitliche Qualität. Die Preisrichter Bruno Becker aus Wipperfürth und Joachim Rehse aus Klein Bünstorf, hatten es nicht leicht, die Tiere in drei Altersklassen zu prämieren und daraus den Jahrgangssieger zu ermitteln, unterschieden sich die Tiere doch nur in Nuancen.

Bei der Bewertung stehen korrekter Körperbau und die Eignung zur Landschaftspflege im Mittelpunkt. Dafür brauchen die Schnucken ein gutes Fundament mit korrekter Beinstellung und ein gleichmäßiges, mischwolliges Vlies, dass die rassetypische Färbung haben sollte. "Da die Tiere bei Wind und Wetter draußen sind, muss das Fell zum Schutz vor Regen glatt und lang abwachsen sein", erklärte Zuchtleiter Klaus Gerdes. Wolle unterm Bauch ist erwünscht, damit die Tiere im Winter beim Liegen gut geschützt sind. Auch die Hornstellung geht in die Bewertung ein: Die der Böcke sind schneckenförmig, dürfen aber nicht zu nah am Kopf sein, um beim Wachsen keine gesundheitlichen Probleme zu bereiten.
Die drei Ia-Böcke aus den Zuchten Tewes, Rüpke und Fischer erfüllten die geforderten Kriterien nahezu perfekt. Als Siegerbock und damit Mr. Müden, ging die Katalognummer 40 hervor, aus der Zucht von Detlef Fischer, vom Heidschnuckenhof Jeversen. Der jüngste aus dem Trio überzeuge durch hervorragende Bemuskelung, eine schöne Oberlinie, ein gutes Fundament und "ist ein Bock der durch seine Erscheinung einfach ins Auge fällt und an dem keiner vorbei kommt," waren sich Körkommission und Preisrichter einig. Den Reservesieger mit der Katalog Nummer 6 stellte Peter Hinnerk Tewes.

Gewohnt souverän und mit einer gehörigen Portion Humor übernahm dann Auktionator Dieter Brockhoff die Regie im Ring. Zwar konnten nicht alle aufgeführten Böcke verkauft werden, dennoch waren die Züchter insgesamt sehr zufrieden mit dem Auktionsverlauf, berichtete Mathias Brockob von der LWK Niedersachsen. Für die 38 verkauften Böcke konnte ein Durchschnittspreis von 620 Euro erzielt werden, etwas weniger als im Vorjahr. Der Siegerbock kam für 1.700 Euro unter den Hammer und war damit teuerster Bock der Auktion.

Problem Futterflächen

Bei der Siegerehrung wies Claus-Wilhelm Kuhlmann, Vorsitzender des Verbandes der Lüneburger Heidschnuckenzüchter, den Ehrengast Minister Christian Meyer eindringlich auf die schwierige Situation der Schafhalter hin. Die Heide würde bezüglich der Prämienregelung nicht als Futterfläche anerkannt und dementsprechend auch kein Geld gezahlt. Auch die Probleme mit dem Wolf seien noch nicht geklärt. Zwar gebe es eine Entschädigung für Wofsrisse, Kuhlmann wünsche sich jedoch auch Unterstützung bei Präventionsmaßnahmen, schließlich wären diese im Sinne des Tierschutzes noch wichtiger und eine Stallhaltung der Tiere keine Alternative. Meyer erklärte, dass geplant sei, auch die Heide als Futterfläche anzuerkennen, bei der Finanzierung der Präventionsmaßnahmen zum Schutz gegen den Wolf, gab er den Schäfern dagegen wenig Hoffnung.

Die anwesenden Schäfer beschäftigten besonders die dramatischen Folgen der diesjährigen Flut. Betroffene Flächen konnten und können teilweise immer noch nicht beweidet werden. Dementsprechend musste schon Winterfutter genutzt werden, dass später fehlen wird. Es steht zu befürchten, dass die hohen zusätzlichen Kosten viele Schäfer zur Betriebsaufgabe zwingen werden.

Die diesjährige Siegerherde, aus der auch Mr. Müden kam, stellte Detlef Fischer vom Heidschnuckenhof Jeversen. Er bekam die bronzene Plakette des Landwirtschaftsministerium und die silberne Preismünze der LWK Niedersachsen für den Siegerbock. Peter Hinnerk Tewes erhielt für seine Ib-Herde die bronzene Preismünze der Landwirtschaftskammer.
Auch interessant