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Rind

Nachhaltig wirtschaften und wachsen

von , am
06.08.2014

Familie Meyer aus Kettenkamp, Kreis Osnabrück, hat 2006 den nds. Milcherzeugerwettbewerb gewonnen. Seither hat sich die Kuhzahl verdreifacht bei gleichbleibend hoher Milchleistung und die Fläche nahezu verdoppelt.

Mechhtild und Hartwig Meyer mit den Kindern Lukas, Jannes und Lennart. © Ahlers

Das Betriebsleiterehepaar übernahm den Hof 2006 von den Eltern Gertrud und Arnold Meyer und bewirtschaftet ihn jetzt mit 4,4 Arbeitskräften in der fünften Generation. Zum Betrieb gehören 113 ha (überwiegend Acker), davon befinden sich 23 ha im Eigentum. Es handelt sich humose Sandböden mit einer Punktzahl von 28 im Schnitt.

Der Gemischtbetrieb hielt bis 1983 rund 17 Kühe im Anbindestall; dann entstand ein Laufstall mit 56 Plätzen, der im Laufe der Jahre ständig modernisiert wurde. Als 1989 die Schweine den Hof verließen, entstand dort ein Jungviehboxenlaufstall mit 60 Plätzen als Kaltstall konzipiert.

2000 kam es zum Umbau der Maschinenhalle in einen Bullen- und Jungviehaufzuchtstall, 2001 kam ein Außenklimastall für Kälber hinzu.
2008 und 2011 gab es Stallerweiterungen um jeweils 80 Liegeplätze, 2012 wurde der Melkstand von der Kapazität her verdoppelt.

Das schnelle Wachstum führte 2010 zu einer Auslagerung der Jungviehaufzucht, und das gleich 500 km entfernt zu einem Berufskollegen im Saarland, der sich auf diesen Betriebszweig spezialisiert hat. Rund 130 Tiere gehen im Jahresschnitt mit fünf Monaten vom Hof und kommen nach 23 Monaten trächtig zurück. Das Abkalbealter liegt in der Regel bei 25 bis 26 Monaten. Der Aufzüchter erhält für seine Arbeit einen Festpreis und Hartwig  Meyer weiß auf den Cent genau, was ihm die Färsenaufzucht kostet.

Zum Abkalben kommen die Kühe erst kurz vor der Geburt in einen Strohstall, das erhöht die Mobilität und erleichtert die Wiedereingliederung in die Gruppe. Voraussetzung ist eine intensive Beobachtung der Trockensteher. 80 bis 90 % der Kühe kalben ohne fremde Hilfe.

Auf dem Hof wurde immer günstig gebaut mit viel Licht und Luft. Die Seitenwände sind offen, weil der Hof in einer windgeschützten Lage liegt. Bei heißen Temperaturen sorgen Lüfter für zusätzliche Abkühlung. Ein besonderes Augenmerk legt Meyer auf den Kuhkomfort. So liegen alle  Kühe bequem in Tiefboxen, die mit einem Gemisch aus Sägemehl, Kalk und separierter Gülle eingestreut werden. Meyer zeigt sich begeistert von der flüssigen separierten Gülle, die in Mengen von 15 bis 18 cbm auf dem Grünland nach jedem Grasschnitt verteilt wird und keinerlei Verschmutzung mit sich bringt.

Trotz ständiger Aufstockung liegt die Remontierungsrate bei 25 %. Eine Zwischenkalbezeit von 400 Tagen und ein Besamungsindex von 2 zeigen, dass hohe Leistungen und gute Fitness gut miteinander vereinbar sind. Die Abgangstiere des vergangenen Jahres haben über 37.000 l Milch produziert.

In den Stallungen stehen 210 Schwarzbunte und die Nachzucht. Der gleitende Herdendurchschnitt ist mit 11.500 kg Milch und 3,90 % Fett sowie 3,35 % Eiweiß außerordentlich hoch. Bereits vor 13 Jahren gaben die Kühe über 11.000 l Milch. Meyer ist engagierter Züchter und Tierschauteilnehmer und mit erstklassigen weiblichen und männlichen Tieren regelmäßiger Auktionsbeschicker in Osnabrück.

Der Betriebsleiter legt viel Wert auf ein konsequent durchgeführtes, EDV-gestütztes Herdenmanagement und beschäftigt sich jeden Tag mit Kuhplaner, Brunstkalender, Brusterkennungssystem und Abkalbelisten. Gemolken wird immer mit zu zweit im Doppel-Zwölfer-Fischgrätenmelkstand. Eine dritte Person übernimmt das Eintreiben der Kühe, das maschinelle Säubern der Spalten mit einem Hoftrac und die Pflege der Tiefboxen. "Die reine Melkzeit liegt bei durchschnittlich 110 Minuten; hinzu kommen 25 Minuten Rüstzeit", so Mechthild Meyer.

Für die Kälberaufzucht sind die Altenteiler Gertrud und Arnold verantwortlich. Bis zu vier Wochen gibt es täglich rund 10 l Biest- und Vollmilch oder Milchaustauscher über ein Kälbertaxi. Das ermöglicht eine gute Tierbeobachtung und erspart das Schleppen von Eimern. Danach gibt es MAT und  Kraftfutter bis zum Absetzen mit neun Wochen. So kommen die robusten Kälber dann nach fünf Monaten gut mit dem Stallwechsel zum Aufzüchter klar. Zwei Wochen stehen die Kälber in Einzeliglus, dann kommen sie in Großraumiglus, jeweils überdacht.

Etwa 5.000 l Milch kommen aus dem Grundfutter. Voraussetzungen dafür sind junge Grasnarben und eine optimale Gras- und Maissilagequalität. Die Herde ist in zwei Leistungsgruppen aufgeteilt. Für 38 kg Milch reicht die Voll-TMR für die Hochleistungsgruppe; sie besteht aus 31 kg Mais, 18 kg Gras, 2,7 kg Körnermais, 0,8 kg Luzerne, 0,2 kg Stroh, 5,6 kg Eiweißergänzer und 2,5 kg Kraftfutter.

Seinen Maschinenbesatz hat der Landwirt kontinuierlich zurückgefahren. Leitmaschinen sind heute neben den beiden Schleppern mit 180 und 80 PS ein Radlader, Hoftrac und Futtermischwagen. Hinzu kommen zwei Mähwerke und Zettwender. Meyer: "Andere Maschinen werden ausgeliehen. Der Lohnunternehmer kümmert sich um die Gras-, Getreide- und Maisernte."

Der Milchviehhalter ist auch bei "My KuhTube" von Anfang an mit von der Partie, wo der Nutzer 16 niedersächsische Milchbauern bei ihrer Arbeit begleiten kann. Wöchentlich gibt es zwei neue Videos, die die Welt rund um den Kuhstall erklären. Für ihre Videos klettern sie schon mal auf ihre Futtersilos oder versuchen, die nächtliche Stimmung im Kuhstall einzufangen. Familie Meyer findet die Idee gut: "Wir müssen die neuen Medien nutzen, um unseren normalen Alltag zu zeigen. Und wenn wir dann im Stall filmen, sind wir absolut authentisch…"
 
Videos unter www.mykuhtube.de.

Und wie sieht es in Zukunft aus? Nach den großen Wachstumsschritten der vergangenen Jahre ist eine Erweiterung am jetzigen Standort nicht mehr möglich. Nun wird auf dem Familienbetrieb verstärkt an den kleinen Schrauben gedreht, wieder in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit den Beratern für Produktionstechnik und Finanzen. Mit ihnen wird seit vielen Jahren ein Dreijahresplan entworfen. Managementaufgaben nehmen heute einen breiten Raum ein und die Arbeit mit Fremdarbeitskräften war auch eine Herausforderung. Bisher klappt es bestens.
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