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Geflügelhaltung

NGW-Chef Ripke: Mehr Tierwohl kostet mehr Geld

Die Niedersächsischen Geflügelhalter diskutierten über das Thema Tierwohl.
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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
05.07.2017

Mehr Tierwohl kostet mehr Geld. Da gibt es keine Zweifel. Die Geflügelhalter aber zweifeln daran, dass sie diese Mehrkosten auch bezahlt bekommen.

Die niedersächsische Geflügelwirtschaft hat in den vergangenen Jahren schon viel auf den Weg gebracht in Sachen mehr Tierwohl: auf das Kupieren der Schnäbel wird auf freiwilliger Basis verzichtet, für Enten gibt es heute im Stall Wasserbad und spezielle Tränken, die Fußballengesundheit wird bei Hähnchen standardisiert überwacht.

Diese Beispiele nannte Friedrich-Otto Ripke, der Vorsitzende der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft (NGW) auf einer Diskussionsveranstaltung gestern in Visbek, Landkreis Vechta. Er forderte eine angemessene Bezahlung für die Mehrkosten, die er zum Beispiel mit 2 Cent/Ei bei der Haltung von unkupierten Hennen bezifferte oder mit 3,6 Cent/kg Hähnchenfleisch für mehr Platz im Stall und Beschäftigungsmaterial.

Kosten für Tierwohl überfordern Geflügelhalter

Hiesige Geflügelhaltungsbetriebe stünden wirtschaftlich vor dem Aus, wenn sie das alles allein tragen müssten. Schon heute sei die Konkurrenz aus Ländern mit niedrigeren Tierschutzstandards erheblich und verdränge in Verarbeitungsprodukten deutsche Ware.

Dass das zusätzliche Geld allein über den Markt erwirtschaftet werden kann, bezweifelte in Visbek nicht nur Ludger Breloh, Rewe-Group. Seines Erachtens ist nur ein Teil der Verbraucher bereit, für mehr Tierwohl mehr Geld zu bezahlen.

Damit die Produktion nicht ins Ausland abwandert, was der LEH im Übrigen auch keineswegs möchte, setzt Breloh zum einen auf staatliche Gelder, aber auch auf die Produktionskette. Die Brancheninitiative Tierwohl mit ihrem Fond sei der erste Schritt, aber andere „Nutznießer“ wie Gastronomie, Großküchen etc. müssten auch zahlen.

Aikens wirbt für staatliches Tierschutzlabel

Dr. Hermann Otto Aeikens, Staatsekretär im Bundeslandwirtschaftsministerium, warb für das staatliche Tierschutzlabel unter Beteiligung der gesamten Kette: „Es ist einen Versuch wert, ein staatliches Label hätte das Vertrauen der Verbraucher.“ Parallel dazu stellte er Fördergelder, etwa über AFP, in Aussicht und Erleichterungen bei Stallneu- und –umbauten.

Der emsländische Hähnchenmäster Thomas Korte wünschte sich vor allem Verlässlichkeit von Seiten der Politik, was die Rahmenbedingungen der Produktion angeht. Sorge bereitet ihm die steigenden Einfuhren aus Ländern mit geringeren Standards, mit denen die hiesige Erzeugung preislich nicht mithalten kann.

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