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Milchvermarktung

Niedersachsen: Ab heute Weidemilch mit neuem Siegel

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer mit einem Weidemilch-Schild auf der Weide
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Birgit Greuner, LAND & Forst
am
24.04.2017

In Niedersachsen wird ab heute Milch mit dem neuen Siegel „Pro Weidemilch“ verkauft. Beteiligte Milchbauern sollen mindestens fünf Cent mehr pro Kilogramm erhalten.

„Pro Weidemilch“ heißt ein neues Milchsiegel in Niedersachsen. Ab heute wird das neue Produkt verkauft. Ziel des Labels ist es, dass die beteiligten Milchbauern mindestens fünf Cent mehr pro Kilogramm für ihre zertifizierte Weidemilch erhalten.

Voraussetzung sei die Beachtung von Kriterien, die im Zuge der von den beteiligten Akteuren unterzeichneten Charta „Weideland Niedersachsen“ festgelegt wurden:

  • Weideperiode: Sechs Stunden an 120 Tagen im Jahr oder jährlich mindestens 720 Stunden
  • Futterversorgung: die Mindestgrundfutterfläche je Milchkuh pro Betrieb und Kalenderjahr beträgt 2.000 Quadratrmeter (das entspricht einem Verhältnis von mindestens einem Hektar Weidefläche pro fünf Milchkühe), mindestens die Hälfte der Fläche muss davon in der direkten Nähe der Melkanlage vorhanden sein.
  • Schutz der natürlichen Ressourcen: Bei dem Weideland muss es sich um Dauergrünland handeln, damit die positiven Eigenschaften der Beweidung auf die Umwelt zum Tragen kommen können.
  • Fütterung: Ab der Weidesaison 2017 ist Weidemilch auf der Basis von GVO-freiem Futter zu erzeugen.
  • Getrennte Erfassung und (Weiter)-Verarbeitung von Weidemilchprodukten im Rahmen des klassischen Labels (100% Weidemilch)
  • Mehrerlös von Weidemilch für landwirtschaftliche Betriebe: allen teilnehmenden Landwirten soll pro abgelieferter Milchmenge in Kilogramm ab 2018 ein Mehrerlös von fünf Cent gegenüber dem Milchpreis von konventioneller Milch gezahlt werden.

Milchvermarktung mit Siegel durch breites Bündnis

    Grünes Rund-Siegel, in der Mitte eine grasende Kuh auf saftiger Weide und der Schriftzug „Pro Weideland – Deutsche Weidecharta“: So sieht Niedersachsens neues Milchsiegel aus.

    An der Entwicklung beteiligt waren: Landvolk, Bund deutscher Milchviehhalter, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Landjugend, Junglandwirte sowie die Umweltverbände NABU und BUND, Vertreter von Molkereien, Wissenschaft und Tierschutz. Auch die Länder Schleswig-Holstein und Bremen sind der Charta „Pro Weideland“ beigetreten.

    Milchvermarktung zunächst für Norddeutschland

    Schon heute sind die ersten Verpackungen der „Pro Weideland“-Milch in Supermärkten zu kaufen. Neben der Hausmarke der Molkerei Ammerland, nämlich „Ammerländer Unsere Weidemilch“, bietet auch Lidl seine Weidemilch „Milbona“ mit dem neuen Label an.

    Die Vermarktung ist zunächst für Norddeutschland geplant. „Unser Ziel ist die bundesweite Ausweitung“, sagte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer.

    Grünlandzentrum und Uni Göttingen arbeiten zusammen

    Das neue Weidemilch-Label ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit von Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen und der Georg-August-Universität Göttingen. In einer ersten bis Februar 2017 laufenden Förderperiode hatte das Land das Grünlandzentrum mit 228.500 Euro sowie die Universität mit rund 47.000 Euro unterstützt.

    Im Februar dieses Jahres startete das Folgeprojekt. Für die bis Ende 2018 laufende Tranche erhält das Grünlandzentrum vom Land weitere 200.000 Euro. Aufgabe wird insbesondere die Institutionalisierung des Weidelabels sein.

    Christian Meyer: Jetzt ist der Verbraucher gefragt

    Meyer wies darauf hin, dass nun die Verbraucher gefragt seien. Er wünsche sich, dass die Kunden in den Supermärkten diese Milch kaufen. „Unser Ziel ist jedenfalls, dass alle Landwirte, die an dem Programm teilnehmen, mit einem deutlichen Mehrpreis entlohnt werden. Faire gentechnikfreie Milch von weidenden Kühen sollte uns etwas wert sein.“

    Der Minister verwies auf entsprechende Umfragen, wonach eine Mehrheit der Verbraucher sich für die Weidehaltung von Kühen aussprechen, zugleich jedoch eine fehlende Kennzeichnung beklagen.

    Mit Material von Pressemitteilung Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium
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