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Schweinehaltung

Niedersachsen: Viele Sauenhalter geben auf

Landvolk Pressedienst
am
25.07.2016

Niedersachsens Sauenhalter in schwierigen Zeiten: Viele haben bereits vor den Herausforderungen der Zukunft kapituliert und diesen Betriebszweig aufgegeben.

Viele niedersächsische Sauenhalter haben in diesen für Schweinehalter schwierigen Zeiten aufgegeben. Nach Mitteilung des Landvolk-Pressedienstes war das von 2010 bis 2015 fast jeder dritte Sauenhalter.

Die Gesamtzahl der Halter reduzierte sich von 3.400 auf aktuell 2.200, besonders hoch war der Rückgang bis 2013. Damals mussten die Betriebe die Haltung der tragenden Sauen auf Gruppenhaltung umstellen.

Preise zu lange auf niedrigem Niveau

Auch für die nächsten Jahre befürchtet das Landvolk Niedersachsen einen weiteren Rückgang. „Die Preise dümpelten zu lange auf niedrigstem Niveau, gleichzeitig stiegen die Auflagen. Das halten unsere Betriebsleiter nicht lange aus“, schildert Manfred Tannen vom Ostfriesischen Landvolk und selbst Sauenhalter.

Die Politiker beteuerten, kleine Betriebe schützen zu wollen, tatsächlich aber verunsichere insbesondere Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer mit immer neuen Vorschriften und Ideen unsere Tierhalter.

Nur bei 500 und mehr Sauen leichtes Plus

Selbst bis zu Größenordnungen von 500 Zuchtsauen ließ sich in den vergangenen Jahren ein Abwärtstrend oder allenfalls Stillstand der Betriebszahlen feststellen, nur in der Größenordnung von 500 Sauen und mehr gab es ein leichtes Plus.

Auch die Zahl der in Niedersachsen gehaltenen Zuchtsauen hat sich verringert. Schon jetzt wird nur noch etwa jedes zweite Ferkel, das in Niedersachsen gemästet wird, auch hier geboren.Für Manfred Tannen und seine Kollegen im Arbeitskreis Sauenhaltung beim Landvolk Niedersachsen liegen die Ursachen auf der Hand: „Die Diskussion zur Abschaffung des Kastenstandes im Deckzentrum sowie zur Abschaffung der betäubungslosen Kastration und dem Verbot zum Kupieren der Ringelschwänze verunsichern die Sauenhalter zutiefst“.

Sauenhalter müssen auch künftig neu planen

War bisher dem politischen Wunschkonzert noch mit baulichen Veränderungen in den genutzten Ställen nachzukommen, werden die Sauenhalter künftig neu planen müssen. Änderungen im Baugesetzbuch und der Filtererlass beispielsweise haben zusätzlich die Latte höher gelegt.

Tannen verweist auf Aussagen von Prof. Folkhard Isermeyer, Präsident des Thünen-Institutes in Braunschweig. Er sagte in einem Interview mit dem Bonner Fach-Pressedienst „Agra-Europe“: Den Tierhaltern fehle jegliche Orientierung für politisches und unternehmerisches Handeln. „Zu den grundlegendsten Fragen der Nutztierhaltung gibt es nach wie vor keine gesellschaftliche Übereinkunft“, sagte der Wissenschaftler und Politikberater wörtlich.

Wettbewerbsfähigkeit mit klarer Linie stärken

Vielmehr würden Tier- und Umweltverbände oder Medien weiterhin Missstände anprangern und damit die Bedingungen für investitionswillige Landwirte verschlechtern. Hier sieht Manfred Tannen die Politik in der Pflicht, eine „klare Linie“ vorzugeben und dabei auch die Wettbewerbsfähigkeit der niedersächsischen Sauenhalter zu stärken „Unsere Tierhalter müssen wissen, was heute, in zehn oder auch in 20 Jahren gilt, damit sie überhaupt noch für die Zukunft planen können.“

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