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Verseuchte Eier

Auch bei niedersächsischen Legehennenhaltern war Fipronil im Einsatz

Legehennen auf der Stange
© Mühlhausen/landpixel
von , am
04.08.2017

In vier Legehennenbetrieben aus Niedersachsen ist das Insektizid Fipronil nachgewiesen worden. Es ist in Lebensmitteln nicht zulässig.

Bei vier niedersächsischen Legehennenbetrieben ist das in Lebensmitteln nicht zulässige Insektizid Fipronil nachgewiesen worden: Die positiv getesteten Betriebe in Niedersachsen befinden sich in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland.

In drei der vier Fälle mit positivem Fipronil-Befund handelt es sich um Betriebe, in denen die Eier mit dem Insektizid kontaminiert waren. Im vierten Fall geht es um einen Hof mit Junghennen, in deren Gefieder das Fipronil entdeckt worden ist. Von den drei Betrieben mit positiv getesteten Eiern stand ein Hof bereits zuvor fest. Alle Betriebe sind nach einem Anfangsverdacht bereits gesperrt.

Fipronil bei Lebensmittel liefernden Tieren verboten

Die Printnummern der aus niedersächsischen Betrieben stammenden und mit Fipronil belasteten Eier lauten wie folgt: 1-DE-0357731, 1-DE-0358001 sowie 0-DE-0360521. Diese Nummern sind bereits auf dem Portal www.lebensmittelwarnung.de veröffentlicht. Dort finden sich auch alle anderen bisher bekannten Printnummern von Eiern, in denen das Insektizid nachgewiesen wurde, im Wesentlichen Eier aus den Niederlanden mit dem Aufdruck „NL“.

Fipronil wird als Pflanzenschutzmittel verwendet, aber auch zur Bekämpfung von Flöhen und Zecken bei Hunden und Katzen. Als Arzneimittel ist es für die Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren verboten. „Es gilt Nulltoleranz“, sagte Niedersachsens Minister für Landwirtschaft und Verbraucherschutz Christian Meyer.

Legehennenhalter ohne Schuld

Einer der niedersächsischen Landwirte hatte sich vorsorglich bei den zuständigen Behörden gemeldet, da in seinem Betrieb das Mittel Dega16 durch einen niederländischen Dienstleister verwendet worden war.

Dega16 ist ein auf Basis ätherischer Öle produziertes Stall-Desinfektionsmittel und deshalb für solche Zwecke auch zugelassen. Nun steht es nach Ermittlungen belgischer und niederländischer Behörden allerdings in dringendem Verdacht, unzulässig mit dem Breitband-Insektizid Fipronil vermischt worden zu sein, so dass es bei Reinigungsarbeiten von den Tieren aufgenommen werden kann und sich schließlich in den Eiern wiederfindet.

„Es deutet mittlerweile manches darauf hin, dass hier kriminelle Energie im Spiel ist“, betonte Meyer. „Nach derzeitigem Stand sind die Bauern unbescholten und vollkommen unschuldig in diese Notlage geraten.“

1,3 Mio. potenzielle Fipronil-Eier in Niedersachsen

Derzeit sind - wie das niedersächsische Agrarministerium bereits am Montag dieser Woche gemeldet hat - etwa 1,3 Millionen potenziell mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier von den Niederlanden über eine Packstelle in Nordrhein-Westfalen nach Niedersachsen gelangt, bereits im Handel und verkauft. Die entsprechenden Chargen der Eier tragen die Stempelaufdrucke 1-NL 4128604 oder 1-NL 4286001.

Des Weiteren wurde das Ministerium von einem großen Vermarkter im Landkreis Vechta über weitere im Handel in Deutschland befindliche belastete Eier informiert. Der Vermarkter hatte auf Eigeninitiative Eier testen lassen, die aus den Niederlanden stammten.

Das Ergebnis: Es wurden in acht von neun Fällen mit Fipronil belastete Eier entdeckt. Daher werden auch diese zurückgerufen. Sie tragen folgende Stempelnummern:

  • 0-NL-4310001,
  • 1-NL-4167902,
  • 1-NL-4385701,
  • 1-NL-4339301,
  • 1-NL-4339912,
  • 2-NL-4385702,
  • 1-NL-4331901,
  • 2-NL-4332601,
  • 2-NL-4332602,
  • 1-NL-4359801.

Meyer: Kinder bei Verzehr gefährdet

    Das niedersächsische Agrarministerium rät vom Verzehr der Eier ab und empfiehlt die Rückgabe. Beim Menschen kann Fipronil in höheren Dosen Haut und Augen reizen sowie zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen. Schlimmstenfalls besteht das Risiko einer Schädigung von Organen. Besonders gefährdet durch einen Verzehr können Kinder sein.

    Weitere Informationen finden Sie hier:

    Niedersachsens Agrarminister hat bereits den Bund aufgefordert, den Stoff Fipronil in den nationalen Rückstandskontrollplan des Bundes aufzunehmen, damit dieser routinemäßig untersucht wird.

    EU: Verseuchte Eier sind vom Markt

    Die EU-Kommission hat sich unterdessen beschwichtigend geäußert. "Die Höfe sind identifiziert, die Eier geblockt, verseuchte Eier sind vom Markt genommen und die Situation ist unter Kontrolle", sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde am Donnerstag. "Wir stehen im permanenten Kontakt mit unseren Kollegen in den Mitgliedstaaten, die mit der Sache befasst sind." Eine weitere Sprecherin sicherte zu: "Sie können also unbeschadet Eier essen, hoffentlich."

    Mit Material von Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium, dpa
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