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Schweinehaltung

Nottöten von Ferkeln: Kohlendioxid-Box als gute Alternative

Nottöten-Ferkel
Dr. Onno Burfeind
am
20.02.2018

Am Lehr- und Versuchszentrum Futterkamp, Schleswig-Holstein, wird für das Nottöten von Saugferkeln mit einer Kohlendioxid-Box gearbeitet. Eine Alternative?

Die Nottötung eines Tieres ist immer eine Einzelfallentscheidung. Laut Tierärztlicher Vereinigung für Tierschutz ist in folgenden Fällen eine Nottötung von Saugferkeln erforderlich:

  • starke Abmagerung trotz intensiver Betreuung,
  • Untertemperatur bei Neugeborenen,
  • Festliegen,
  • Kreislaufversagen,
  • fehlender Saugreflex,
  • Anomalien wie Afterlosigkeit und
  • erfolglos behandelte Spreizer.

Beim Nottöten von Ferkeln fordert das EU-Recht eine Betäubung und anschließende Tötung, etwa durch Entblutung. Die Betäubung darf bei Ferkeln bis 5 kg mit einem stumpfen Schlag auf den Kopf erfolgen oder per Elektrobetäubung, mit dem penetrierenden Bolzenschussgerät oder mithilfe von Kohlendioxid. Die Elektrobetäubung und der penetrierende Bolzenschuss sind bis 5 kg Gewicht  aber nicht praktikabel.

    In letzter Instanz liegt die Entscheidung zum Nottöten beim Tierbetreuer, der die notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten besitzen muss. In der Regel ist dies jemand, der eine Ausbildung zum Land- oder Tierwirt absolviert hat.Sobald im Betrieb Mitarbeiter ohne entsprechende Ausbildung arbeiten, sollte der Betriebsleiter diese schulen und das auch dokumentieren.

    Entblutung von Ferkeln als Hemmschwelle

    Aus vielen Diskussionen mit Schweinehaltern wird wieder deutlich: Gerade die Entblutung von Ferkeln kann eine große emotionale Hemmschwelle darstellen.

    Mit der Anwendung von Kohlendioxid mittels einer sogenannten Kohlendioxid-Box steht ein Verfahren zur Verfügung, bei dem auf die Entblutung verzichtet werden kann. Folgendes gilt:

    • Die Tötung schließt sich direkt an die Betäubung an.
    • Voraussetzung ist, dass die Ferkel für zehn Minuten in eine mindestens 80-prozentige Kohlendioxid-Atmosphäre verbracht werden. Nur so ist eine rasche Betäubung sicherzustellen
    • Trotzdem hat Kohlendioxid eine reizende Wirkung auf die Schleimhäute. Das kann zu Abwehrreaktionen des Tieres führen.
    • Diese Reaktionen dauern maximal 20 Sekunden, da spätestens dann die Betäubung einsetzt. Dies ist gleichzeitig der Zeitpunkt, an dem die Tiere das Bewusstsein verlieren. Dieser Zustand ist mit einer Narkose zu vergleichen.
    • Im Falle der Nottötung bleiben die Ferkel insgesamt zehn Minuten in der CO2-Atmosphäre. Dadurch setzt bei fehlendem Bewusstsein die Atem- und die Herztätigkeit aus und die Ferkel sterben.

    Nottöten: Wie die Kohlendioxid-Box funktioniert

      Die in Futterkamp eingesetzte Kohlendioxid-Box funktioniert folgendermaßen:

      1. Sie wird über eine handelsübliche Kohlendioxid-Flasche aus dem Getränkemarkt befüllt, die an die Box angeschlossen wird.
      2. Im oberen Bereich der Box ist das Bedienelement verbaut. Im Inneren der Box schließt sich daran ein CO2-Sensor an.
      3. Wird die Box in Betrieb genommen, füllt sie sich so lange mit Kohlendioxid auf, bis am Sensor eine Konzentration von 80 % erreicht wird. Das dauert etwa fünf Minuten.
      4. Dann ertönt ein akustisches Signal, der Deckel wird geöffnet und so viele Saugferkel können eingesetzt werden, wie in Seitenlage Platz finden. Je nach Größe der Ferkel sind das fünf bis acht Tiere.
      5. Das Einbringen der Ferkel muss zügig erfolgen, damit die Klappe schnell wieder verschlossen werden kann.
      6. Es kommt zwar zu einem leichten Abfall der CO2-Konzentration, jedoch nur im oberen Bereich, wo der Sensor platziert ist. Dadurch bleibt am Boden der Box die Konzentration von 80 %.
      7. Nach dem Schließen der Klappe wird der Startknopf bedient. Das Gerät füllt den CO2-Gehalt wieder bis 80 % auf.
      8. Ab dann wird bis 600 Sekunden hochgezählt, um sicherzustellen, dass die Ferkel mindestens zehn Minuten in der Atmosphäre verbleiben. Währenddessen wird CO2 nachgefüllt, damit  die  Konzentration bleibt.
      9. Über ein Sichtfenster können die Ferkel kontrolliert werden.
      10. Nach Ablauf der zehn Minuten ertönt erneut ein Signal und die Ferkel werden herausgenommen und auf die Todesanzeichen kontrolliert. Um den Tod eindeutig festzustellen, dürfen weder Lid-, Nasenscheidewand- oder Kronsaumreflex positiv sein. Auch ein Herzschlag darf nicht mehr da sein.
      11. Erst dann dürfen die Ferkel in der Kadavertonne entsorgt werden.

      Ferkel wehren sich wegen reizendem Kohlendioxid

        Als Kritik am Kohlendioxid-Verfahren wird meist folgendes angeführt:

        • Die Abwehrbewegungen der Ferkel beim Einbringen in die reizende Kohlendioxid-Umgebung: Aber fast alle in Deutschland geschlachteten Schweine werden mit Kohlendioxid betäubt. Auch bei der Anwendung des stumpfen Schlages auf den Kopf oder des Bolzenschussgerätes kann es zu Fehlern kommen, die mit erheblichen Leiden der Ferkel verbunden sind.

        Bei der CO2-Betäubung hält dieses nur wenige Sekunden an. Sobald die Schweine auf der Seite liegen und lediglich Ruderbewegungen ausführen, ist das Bewusstsein ausgeschaltet und sie bekommen nichts mehr mit. Es muss jedem klar sein, dass jedes Tötungsverfahren mit Belastungen für das Tier verbunden ist.

        Im Hinterkopf zu behalten ist auch die Situation für Mitarbeiter in der Schweinehaltung. Nur wenn ein Verfahren akzeptiert wird, werden Nottötungen zum richtigen Zeitpunkt durchgeführt und nicht verschleppt.

        Die Nottötung per Kohlendioxid-Box ist insgesamt eine sehr gute Lösung, weil

        • die Ferkel schnell und sicher getötet werden und
        • die oft sehr belastende Entblutung der Tiere entfällt.
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