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Schweinehaltung

Nottöten von Saugferkeln: Was Sie beachten müssen

Ferkelproduktion-Ferkel-Sauenhaltung-Tierschutz
Claudia Meier, bsi Schwarzenbek
am
21.11.2017

Jeder Schweinehalter hat regelmäßig mit kranken oder verletzten Tieren zu tun. Bei der Entscheidung zur Nottötung geht es um Tierschutz und Wirtschaftlichkeit.

Vor der Entscheidung, ob für ein verletztes oder krankes Tier ein Tierarzt gerufen oder das Tier direkt notgetötet werden sollte, stand vermutlich schon jeder Schweinehalter einmal.

Die Entscheidung zur Nottötung wie auch deren Durchführung stellen hohe Anforderungen an die Sachkunde des Tierhalters und –betreuers. Das Tierschutzgesetz verlangt folgendes:

  • Es muss sowohl gewährleistet sein, dass kein Tier ohne vernünftigen Grund getötet wird.
  • Keinem Tier dürfen durch eine verspätete Entscheidung vermeidbare Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Eine „Nottötung“ im Sinne der VO (EU) Nr. 1099/2009 ist folgendermaßen definiert:

  • "Die Tötung von verletzten Tieren oder Tieren mit einer Krankheit, die große Schmerzen oder Leiden verursacht, wenn es keine andere praktikable Möglichkeit gibt, diese Schmerzen oder Leiden zu lindern“.

Im Fall einer Entscheidung für eine Nottötung muss der Halter der betroffenen Tiere alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um die Tiere so bald wie möglich zu töten.

In großen Sauenbeständen gehört Nottötung zum Alltag

Die Verlustraten bei Saugferkeln führen dazu, dass in Betrieben mit großen Sauenbeständen quasi täglich Tiere getötet werden müssen. Dabei ist folgendes wichtig:

  • Es muss immer sichergestellt sein, dass sich die Tötung von Saugferkeln nicht durch geeignete Managementmaßnahmen wie etwa Geburtsüberwachung oder Wurfausgleich verhindern ließe.
  • Es kann als Straftat geahndet werden, wenn die Tötung eines Tieres allein aus wirtschaftlichen Gründen vorgenommen wird.

Wird in späteren Produktionsstufen wie etwa der Mast ein Tier trotz vorliegender Indikation zur Nottötung nicht getötet, weil noch auf eine Verwertbarkeit als Lebensmittel gehofft wird, kann auch dies als Straftat geahndet werden - wenn dem Tier dadurch länger anhaltende oder sich wiederholende, erhebliche Schmerzen oder Leiden zugefügt werden.

Zudem sind kranke oder verletzte Tiere meist auch nicht mehr transportfähig und/oder schlachttauglich, so dass sich ihre Verwertung als Lebensmittel in der Regel ausschließt.

Vier-Augen-Prinzip vor Nottötung

  • Die Entscheidung für oder gegen eine Nottötung darf nur von Personen getroffen werden, die über die notwendigen Fachkenntnisse verfügen. In Zweifelsfällen muss ein Tierarzt hinzugezogen werden. Es empfiehlt sich gerade in Betrieben mit großen Tierzahlen ein „Vier-Augen-Prinzip“:
  • Der zuständige Mitarbeiter wählt die Tiere zur Nottötung aus und
  • seine Entscheidung wird vom Vorgesetzten/Kollegen überprüft.

Wenn Landwirte eine Nottötung durchführen wollen, müssen sie laut Tierschutzgesetz über die entsprechenden Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Wie diese nachgewiesen werden müssen, sollte mit der zuständigen Veterinärbehörde geklärt werden. Möglich sind:

  • abgeschlossene Berufsausbildung und/oder
  • die Teilnahme an entsprechenden Lehrgängen,
  • ggf. mit amtlicher Prüfung.

Regelmäßige Fortbildungen zum Thema sind dabei unbedingt empfehlenswert.

Verfahren zur Betäubung und Tötung vom Alter abhängig

Vor einer Nottötung muss das Tier in jedem Fall betäubt werden. Der Tod der Tiere muss dann eintreten, solange die Betäubung wirkt. Gegebenenfalls müssen die Tiere nachbetäubt werden. Die für die Betäubung und Tötung von Schweinen geeigneten Verfahren unterscheiden sich je nach Altersstufe.

Alternativ kann auch ein „Einschläfern“ durch einen Tierarzt erfolgen. Bei der Entscheidung für ein geeignetes Betäubungs- und Tötungsverfahren sollte der Landwirt die Vor- und Nachteile der einzelnen Verfahren kennen. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Kosten oder der Anforderungen an das Personal:

"Unblutige" Alternativen für die Tötung

In der Praxis erfolgt die Tötung nach der Betäubung zumeist durch Entbluten. Das Setzen des Entbluteschnitts stellt für viele Landwirte und ihre Mitarbeiter jedoch eine Überwindung dar und erfordert zudem ausreichend Übung.

Ein weiteres Problem ist der Umgang mit dem austretenden Blut, denn dieses muss aufgefangen werden und darf nicht über die Gülle entsorgt werden.

Bisher stehen als „unblutige“ Alternativen für die Tötung lediglich

  • die Gehirn-/Rückenmarkzerstörung sowie
  • die Tötung mit CO2 oder elek­trischem Strom zur Verfügung.

In den USA wurde ein modifizierter penetrierender Bolzenschuss als kombinierte Betäubungs- und Tötungsmethode untersucht. Hierbei entfällt die Entblutung.

Eine Doktorarbeit im bsi-Schwarzenbek mit einer ähnlichen Technik zur Tötung für Ferkel bis 30 kg Lebendgewicht liefert bisher vielversprechende Ergebnisse. Allerdings darf auf das Entbluten erst verzichtet werden, wenn die Zulässigkeit geklärt ist.

    Nach Tötung Tiere überwachen

    Nach der Anwendung einer Tötungsmethode muss der Tierhalter folgendes beachten:

    • Die Tiere müssen über einen Zeitraum von mindestens zwei bis drei  Minuten kontinuierlich überwacht werden.
    • Danach müssen sie noch für mindestens zehn Minuten einer Kontrolle zugänglich bleiben.
    • Erst nach erneuter Überprüfung und der sicheren Todesfeststellung dürfen sie dann in die Kadaveraufbewahrung verbracht werden.

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