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Schwein

Null Rückstände, null Nebenwirkungen

von , am
09.07.2014

In der Schweinehaltung werden Naturheilverfahren wie die Homöopathie seit Jahren erfolgreich praktiziert, auch als Alternative zum Einsatz von Antibiotika. Lesen Sie hier, was zu beachten ist.

Die zeitsparendste Methode ist, Globuli oder Tropfen in einer Sprühflasche aufzulösen und Sprühstöße ins Maul zu geben. © Gromöller

Die Homöopathie ist eines der bekanntesten Naturheilverfahren und geht auf den Arzt Samuel Hahnemann (1755- 1843) zurück. Das Wort Homöopathie kommt aus den den griechischen Wörtern "homois" = "ähnlich" und "pathos" = "heilen", der Grundsatz der Homöopathie ist "Ähnliches mit Ähnlichem heilen". Hahnemann hat die verschiedenen Heilmöglichkeiten von Arzneimitteln tierischen, mineralischen, metallischen und pflanzlichen Ursprungs entdeckt. Er testete Arzneimittel zunächst über einen bestimmten Zeitraum am Gesunden ("Arzneimittelprüfungen"). Die hierbei festgestellten Symptome waren die gleichen, die später beim Kranken den Hinweis gaben, genau dieses getestete Mittel einzusetzen ("Arzneimittelbilder").

Ähnlichkeitsprinzip
Bis heute werden homöopathische Arzneimittel nach genau diesen Vorgaben ausgewählt: die Symptome beim Erkrankten müssen möglichst genau mit den Symptomen aus den Arzneimittelprüfungen übereinstimmen, um einen optimalen Heilerfolg zu erreichen. Mit dem ausgewählten Mittel werden die Selbstheilungskräfte des jeweiligen Organismus so aktiviert, dass eine Heilung ermöglicht wird.

Da einzelne Arzneimittel giftig sind, verdünnte Hahnemann sie für seine Prüfungen. Dabei stellte er fest, dass mit jedem Verdünnungsschritt natürlich der Gehalt der Ausgangssubstanz sank, jedoch die Wirkung umso tiefgreifender wurde und umso länger anhielt. Er nannte dieses Verdünnungsverfahren deshalb "Potenzierung" (von "Potenz" = Kraft). Auch hier gelten bis heute die gleichen Vorschriften: Zum Potenzieren der sog. D- Potenzen (=Dezimal, in 10er- Schritten) wurde ein Teil der Ausgangssubstanz mit neun Teilen einer Trägersubstanz gemischt und zehnmal verschüttelt, dies ergab die D1. Zum Potenzieren auf eine D2 wurde ein Teil der D1 mit neun Teilen Trägersubstanz vermischt und wiederum zehnmal verschüttelt.

Zum Potenzieren der C- Potenzen (=Centisimal, 100er- Schritte) wurde mit jeweils 99 Teilen Trägersubstanz gemischt und verschüttelt. Ab einer D 26 oder einer C 12 sind keine Bestandteile der Ausgangssubstanz mehr in der Lösung nachzuweisen, dann wirken allein die Informationen/Schwingungen, die bei den einzelnen Potenzierungsstufen auf die Trägerlösung übertragen wurden.

Viele Vorteile

Ein großer Vorteil der Homöopathie beim Einsatz im Nutztierbereich ist, dass sie keine Wartezeiten weder im Fleisch noch in den Erzeugnissen wie Milch, Eiern erzeugt, zudem wird wird auch die Gülle nicht mit Medikamentenrückständen belastet. Die Immunkompetenz der Tiere wird durch die Anregung der Selbstheilungskräfte deutlich gestärkt.

Homöopathische Arzneimittel können auch zusätzlich zu einer antibiotischen Therapie verabreicht werden. Dies kann gerade zu Beginn für den neueinsteigenden Landwirt von Interesse sein, wenn er sich noch nicht sicher ist in der Arzneimittelwahl und diese lieber erst als Zusatztherapie zu antibiotischen Massnahmen einsetzt. Mit wachsender Erfahrung stellen jedoch fast alle Landwirte recht schnell fest, dass sie in den meisten Fällen gut ohne Antibiotika auskommen können.

Nicht zusammen verwenden kann man Homöopathika jedoch mit hormonellen Behandlungen bei zum Beispiel Fruchtbarkeitsstörungen oder in Zusammenhang mit Cortisonen oder Kampfer (etwa in Salben). Diese blockieren jeden Heileffekt der Homöopathika. Grenzen in der Wirksamkeit liegen auch dort vor, wo Fehler in Management, Fütterung oder Haltung bestehen oder Gewebezerstörungen wie zum Beispiel Knochenbrüche oder Gebärmutterrisse aufgetreten sind. Anzeigepflichtige Tierseuchen dürfen natürlich keinesfalls mit Homöopathika behandelt werden!

Hygienische Grundlagen müssen ebenfalls eingehalten werden, Homöopathie entbindet nicht von Reinigen, Desinfizieren und konsequentem Rein- Raus- Verfahren im Abferkel-, Flatdeck- und Mastbereich. Insgesamt wird aber nach einiger Zeit des Einsatzes homöopathischer Mittel im Allgemeinen die Tiergesundheit deutlich stabiler.  
Homöopathika können in Einzelfällen auch zur Vorbeuge Einsatz finden, etwa bei der Einstallprophylaxe oder wenn bereits zum Beispiel ein Grippeeinbruch im Stall umhergeht und bei den (noch) gesunden Tieren die Abwehrkräfte "gewarnt" werden sollen. Auf die notwendigen Impfungen sollte jedoch weiterhin nicht verzichtet werden! Zur Behandlung von heftigen Reaktionen auf Impfungen wie etwa Fieber und Fressunlust kann wiederum die Homöopathie gute Dienste leisten.

Grenzen des Einsatzes

Eine Schwierigkeit für Landwirte, die im Stall mit Homöopathika arbeiten möchten, besteht sicherlich darin, dass es für eine bestimmte Erkrankung nicht ein einziges Mittel  gibt. Der Landwirt muss genau die Symptome beim betroffenen Tier erkennen, um zum richtigen Mittel zu finden. Deshalb liegen auch hier, beim behandelnden Landwirt und seiner Erfahrung, Grenzen im Einsatz der Homöopathika. Beginnt der Landwirt in seinem Betrieb auf Homöopathie umzustellen, ist dies zunächst aufgrund der intensiveren Tier- und Symptomenbeobachtung ein größerer Zeitaufwand, den manche scheuen. Jedoch steht dem gegenüber, dass mit zunehmender Erfahrung und geschärftem Blick fürs Tier die Mittelauswahl immer leichter fällt und schneller geht. Zu bedenken: auch schulmedizinisch behandelte kranke Tiere fordern einen höheren Zeitaufwand.

Beim Nutztier müssen zudem die arzneimittelrechtlichen Vorgaben zum Einsatz am lebensmittelliefernden Tier eingehalten werden: Es dürfen entweder nur für diese Tierart zugelassene Homöopathika Einsatz finden (meist Kombinationsmittel zur Injektion) und diese auch nur in der vorgeschriebenen Dosierung und Häufigkeit, oder es müssen in der Apotheke erworbene Globuli/Tropfenlösungen vom Tierarzt umgewidmet werden, bevor sie genutzt werden dürfen. Homöopathische Behandlungen müssen - wie jede andere auch- schriftlich dokumentiert werden.

Einsatz beim Schwein

Homöopathische Arzneimittel können in der Stallapotheke gelagert werden, sie brauchen nicht gekühlt zu werden, allerdings sollten sie trocken und wenn möglich dunkel stehen sowie vor Handystrahlen oder PC´s geschützt sein.

Die Dosierung homöopathischer Mittel im Schweinebereich ergibt sich aus Potenzierungsstufe und Gewicht des zu behandelnden Tieres. Bei niedrigen Potenzen (bis D/C 15) werden bei Saugferkeln je Gabe 1-2 Globuli/Tropfen empfohlen, bei Läufern 4-5 Globuli/Tropfen, bei ausgewachsenen Schweinen jeweils 15 Globuli/Tropfen.
Dies liegt daran, dass neben der Wirkung der Informationen aus den einzelnen Potenzierungsstufen auch noch eine Wirkung aus dem Ausgangsstoff zum Tragen kommen soll. Die niedrigen und mittleren Potenzen werden im Allgemeinen 2-3x täglich gegeben. Bei höheren Potenzen (über D/C 30) reichen unabhängig von Größe und Gewicht je Gabe 2-3 Globuli/Tropfen aus. Hier wirken alleine die Schwingungen aus der Potenzierung. Diese Potenzen reichen meist in 1x täglicher Gabe aus.

Werden homöopathische Injektionsmittel (Kombinationsmittel) in den Muskel oder ins Unterhautgewebe (subcutan) injiziert, reicht auch hier eine 1x tägliche Gabe (Depotwirkung), bei der Menge richtet man sich nach den Angaben.
Globuli und Tropfen sollen nicht sofort geschluckt werden, sondern müssen über die Schleimhäute aufgenommen werden, zum Beispiel über Maul, Nase und bei weiblichen Tieren auch über die Scheide. Globuli sollten nicht mit den Fingern verabreicht werden, da sich sonst der aufgetragene Wirkstoff abreibt und nicht beim Tier ankommt. Man kann Globuli (und auch Tropfen) mit etwas Wasser in einer Spritze auflösen und eingeben (statt Wasser Apfelsaft erhöht die Akzeptanz!), alternativ können Globuli auch zum Beispiel mit einem Einmal-(Plastik-)Schnapsglas trocken eingegeben werden.

Die zeitsparendste Methode ist jedoch, Globuli oder Tropfen in einer kleinen Sprühflasche aufzulösen (ca. 30 Stück bei Niedrigpotenzen bzw. 5 Stück bei höheren Potenzen in 100 ml Wasser, dazu ein kleiner Schluck Schnaps zum Konservieren). Davon gibt man dann  zwei Sprühstöße dem zu behandelnden Tier auf die Rüsselscheibe, ins Maul oder bei Sauen in die Scheide.

Gruppenbehandlungen

Für die Gruppenbehandlung können homöopathische Arzneimittel auch über die Tränken verabreicht werden, alternativ über das Futter, wenn noch alle Tiere Futter aufnehmen. Hier sind auf jeden Fall Potenzen in D/ C 30 zu empfehlen, da sie mit weniger Globuli/Tier auskommen. Voraussetzung für die Behandlung übers Trinkwasser mittels Vormischbehälter ist, dass dieser frei von Antibiotika- oder anderen Medikamentenrückständen ist und die Leitungen nach deren letzten Einsatz durchgespült wurden (laut AMG-Novelle beginnt die Wartezeit erst nach dem dokumentierten Durchspülen nach der letzten Medikamenteneinmischung!)
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