Login
Fleischvermarktung

Osnabrücker Fleischermeister zahlt mehr für Tierwohl

Schweinehaltung-Aktivstall
Steffen Bach
am
08.08.2019

Schweinehalter, die mehr Tierwohl umsetzen wollen, brauchen Vermarkter, die den Mehraufwand zahlen. Hier ein Beispiel.

Fleischermeister Andreas Witte aus dem niedersächsischen Osnabrück macht das, was Landwirte brauchen: Er zahlt mehr Geld für die Schweine, die mit mehr Platz, frischer Luft und Stroh zum Liegen und Wühlen gehalten werden.

Seit April dieses Jahres gibt es bei Witte in Osnabrück ausschließlich Fleisch von Schweinen, die in sogenannten Aktivställen gehalten wurden. 14 bis 16 Schweinhälften werden dafür jede Woche vom Schlachthof Brand in Lohne, Landkreis Vechta, geliefert.

Partnerbetriebe auf landwirtschaftlicher Seite sind drei Schweinemastbetriebe in Weser-Ems. Die Fleischerei kann von diesen drei Betrieben das ganze Jahr über kontinuierlich mit Schweinehälften versorgt werden.

Witte-Andreas-Fleischermeister-Osnabrück

Dazu wurde zwischen den landwirtschaftlichen Betrieben, dem Schlachthof Brand und der Fleischerei Witte eine längerfristige Zusammenarbeit vereinbart. Metzgermeister Witte bezahlt für seine Schweinehälften ein Jahr lang einen festen Preis. Dieser liegt rund zehn bis 20 % über dem aktuellen Marktpreis.

Das Fleisch wird im Familienbetrieb Witte feinzerlegt und zu Sülze, Leber-, Blut- und Bratwurst verarbeitet. Einen Teil der Würste liefert Witte an Supermärkte in der Region. Das Frischfleisch verkauft er im Laden.

Die höheren Kosten für die Produktion im Aktivstall tragen die Kunden. Witte hat dazu pauschal die Preise aller Artikel, die Schweinefleisch enthalten, um 1,60 Euro/kg angehoben.

Die Nachfrage ist nicht eingebrochen: „Die Reaktionen waren sehr positiv“, zeigt Anika Witte sich zufrieden. Die Ehefrau des Fleischermeisters sagt, dass ein Aktionstag zu Beginn und ein größerer Bericht in der lokalen Tageszeitung ausreichten, um die Osnabrücker auf das Angebot aufmerksam zu machen.

Für Anika Witte sind der direkte Kontakt und ein Vertrauensverhältnis zum Kunden wichtig. Im Laden hängt ein Bildschirm, der einen Film aus einem Aktivstall zeigt. Wer weiteren Informationsbedarf hat, nimmt einen Flyer mit oder besucht zum Beispiel den Mörixmann-Hof in Melle vor den Toren Osnabrücks. Das ist einer der Lieferbetriebe.

Sich bewegen zum Fressen und Trinken

Gabriele Mörixmann hat den Aktivstall entwickelt. Die Tiere sollten mehr Bewegung, mehr Beschäftigung und mehr Geselligkeit bekommen. Die Mastschweine können sich zwischen verschiedenen Stallbereichen aktiv bewegen. Es gibt Bereiche mit Spaltenböden und solche, die mit Stroh eingestreut sind. Auch Außenklimabereiche sind Teil des Konzepts.

Heuraufen, Lecksteine und offene Tränken bieten Abwechslung. Dabei gilt: Wer fressen und trinken will, muss sich bewegen und die Räume wechseln. In den Ruhebereichen geht es dagegen etwas dunkler zu, schließlich sollen sich die Tiere dort zurückziehen und ausruhen können.

Auch interessant