Login
Pferde

Pferd und Weide gerecht werden

von , am
28.05.2013

Durch den intensiven Verbiss sind Pferdeweiden schwierig zu bewirtschaften. Was Sie für eine erfolgreiche Pflege solcher Flächen beachten sollten, haben wir nachfolgend für Sie zusammenfasst.

Wichtig sind regelmäßige Pflegemaßnahmen. © Ahlers

Die Weidezeit ist da. Prof. Dr. Dr. h.c. Opitz von Boberfeld, Universität Gießen, hat langjährige Erfahrungen zum Weidemanagement auf den Pferdekoppeln des Gestüts Schlenderhan bei Köln gesammelt. Im Eröffnungsvortrag der Seminarreihe „Rund ums Pferd“ des Fachbereichs Agrarwirtschaft, Soest, der FH Südwestfalen hat er Aspekte eines ganzheitlichen Weidemanagements angesprochen und Tipps zu Anlage und Pflege der wichtigsten Futtergrundlage der Pferde gegeben.

Die Grasnarbe schützen

Ein wesentlicher weideschädigender Faktor ist das Pferd an sich. Durch ihr Laufverhalten üben Pferde eine starke Druckbelastung auf den Boden aus, was insbesondere bei nässeren Böden zu Verdichtungen führen kann. Beim Koten auf immer den gleichen Weidebereichen entstehen Geilstellen, die nicht abgefressen werden. In Bereichen mit schmackhaften Gräsern zeigen sich dagegen Kahlfraßstellen mit geschädigter Narbe, auf denen sich unerwünschte Gräser und Kräuter ausbreiten.

Um Pferd und Weide gerecht zu werden, empfiehlt Prof. Opitz von Boberfeld die Anlage von Koppelweiden mit vier bis acht Koppeln oder Umtriebsweiden mit mehr als acht Koppeln. Bei Futterüberschuss werden einzelne Koppeln gemäht. Für die Erhaltung einer guten Gräserzusammensetzung hat sich ein Wechsel von Mahd und Weide oder eine Zwischenbeweidung mit Rindern bewährt. Die Weiden sollten rechteckig und ausreichend groß angelegt sein, um dem Laufbedürfnis der Pferde gerecht zu werden.

Da die Pferde auf diesen Weiden länger bleiben, müssen die Kotbereiche alle paar Tage abgeäppelt werden. Sonst werden die Geilstellen immer größer, da Pferde ungern zweimal auf den gleichen Bereich koten. Überständiges Gras, insbesondere auf den Geilstellen, muss durch einen Reinigungsschnitt entfernt werden. Die Schnitthöhe sollte 6 bis 7 cm betragen, um genügend Assimilationsfläche zu erhalten. In der Regel reicht das Mulchen. Eine regelrechte Grasauflage muss allerdings entfernt werden. Der Reinigungsschnitt sollte nicht zu spät erfolgen, damit unerwünschte Gräser und Kräuter nicht aussamen und die wertvollen Untergräser erhalten bleiben. Als Winterweide sollten einzelne, möglichst trockene Koppeln genutzt werden.

Weide sorgfältig pflegen

Um eine gute Beschaffenheit der Grasnarbe zu erhalten, können Nachsaaten eingesetzt werden. Das ist insbesondere sinnvoll, wenn die offene Bodenfläche mehr als 30 % beträgt, was häufig bei den im Winter genutzten Koppeln der Fall ist. Bei geringeren Schäden regeneriert sich die Narbe selbst. Der Erfolg einer Nachsaat hängt entscheidend vom folgenden Niederschlag ab und ist deshalb häufig im Spätsommer/Herbst besser als im Frühjahr. Keimen die Samen bei nachfolgender Trockenheit, sterben sie ab.

Für die Nachsaat ist Deutsches Weidelgras besonders gut geeignet, da es eine schnelle Anfangsentwicklung zeigt und tiefen Verbiss gut verträgt. Dabei sollten tetraploide und Hoch-Zucker-Sorten für Pferdeweiden besser nicht eingesetzt werden. Allerdings bleibt der Samen dieser Gräserart im Boden nur kurze Zeit keimfähig, weshalb der Erfolg von günstigen Witterungsbedingungen (Temperatur, Niederschlag) abhängt. Außerdem sollte die Nachsaat früh genutzt werden, damit sich der Bestand gut etabliert. Bei manueller Nachsaat empfiehlt Opitz von Boberfeld eine Saatstärke von 5 kg/ha, bei maschineller von 20 kg/ha.

Zur Weidepflege gehört auch das Abschleppen im Frühjahr. Allerdings sollten die Weiden abgeäppelt sein, um Magen-Darm-Würmer nicht weiter zu verbreiten. Eine Einebnung durch Schleppen ist besser als das Walzen der Wiesen, was leicht zu einer zusätzlichen Verdichtung führen kann. Das gilt insbesondere für feuchtere Flächen oder solche mit geringem Humusgehalt (Sand).

Für die Düngung haben sich Kalkstickstoff in frühen Frühjahr und Kalkammonsalpeter (KAS) bewährt. Kalkstickstoff ist zwar teurer, unterstützt aber die Weidehygiene, da es die Larven der Weideparasiten und deren Zwischenwirte sowie Larven wurzelfressender Insekten  abtötet und breitblättrige Unkräuter verätzt. Meist können die Kotablageplätze von der Düngung ausgeschlossen werden, da hier der Nährstoffgehalt im Boden in der Regel sehr hoch ist. In den Fressbereichen sollte nach Bodenanalyse der oberen 10 cm gedüngt werden. Ziel ist dabei ein pH Wert von 5,5 bis 6,0 sowie je 10 bis 20 mg Phosphor (P2O5) und Kalium (K2O) und 5 mg Magnesium (jeweils pro 100 g Boden). Bei Verwendung von Brandkalk bzw. Kainit können - ähnlich wie beim Kalkstickstoff - zusätzlich hygienische Effekte erzielt werden.

Stickstoff im April/Mai

Die Grunddüngung sollte im Übrigen im Herbst nach der Weideperiode erfolgen. Stickstoff darf nur verhalten und, mit Ausnahme von Kalkstickstoff, am besten nur in der Hauptwachstumsperiode (Mai) gedüngt werden, um den Rohproteingehalt im Gras zu begrenzen. Außerdem verträgt das Deutsche Weidelgras intensive N-Düngung nicht gut.
Eine Unkrautkontrolle durch Herbizide ist bei gut gepflegten Weiden meist nicht nötig und bekämpft lediglich Symptome, nicht aber die Ursachen für das Ausbreiten von unerwünschten Gräsern und Kräutern.

Bei hohen Anteilen von unerwünschten Pflanzen kann eine gezielte Behandlung der betroffenen Bereiche, z. B. mit Banvel M, U46 M-Fluid oder Simplex erfolgen. Auf jeden Fall muss die Wartezeit eingehalten werden, bevor die Flächen wieder beweidet werden dürfen. Außerdem sollten entstandene Kahlstellen nachgesät werden. Ursache für das Ausbreiten unerwünschter Pflanzen liegt eher in einer zu geringen oder zu intensiven Beweidung, zu erkennen an den Zeigerarten Knaulgras, Ackerquecke, Sumpfblättriger Ampfer, Ackerdistel, Brennnessel oder Rohrschwingel auf der einen und Jährige Rispe, Weißklee, Breitwegerich, Vogelknöterich, Gänsefingerkraut auf der anderen Seite, im letzteren Fall speziell in Verbindung mit zu hoher N-Düngung. Statt Herbizideinsatz haben sich die oben genannten Maßnahmen einer guten Weidepflege wie Nutzungswechsel durch Beweidung oder Futterkonservierung, Nachmahd nach der Beweidung und Weidepausen bewährt. Hauptbestandsbildner einer guten Pferdeweide sollte das Deutsche Weidelgras sein, da es neben der Verbiss-Verträglichkeit eine hohe Futterqualität durch gute Verdaulichkeit und hohe Mineralstoffgehalte, insbesondere an Natrium und Magnesium, aufweist. Allerdings bildet diese Grasart relativ viel Fruktane.

Hufrehe als Problem

In hohen Konzentrationen (mehr als 5 g/100 kg Lebendmasse/Tag) können Fruktane zu einer Dickdarmübersäuerung führen. Dies führt zum Absterben von Darmbakterien. Die dabei freigesetzten Endotoxine können in die Blutbahn gelangen und besonders in den Extremitäten zu Durchblutungsstörungen führen. Und eine mangelnde Durchblutung der Hufe ist der Auslöser für Hufrehe.

Junge und blattreiche Pflanzen haben geringere Fruktangehalte als Pflanzen ab der Blüte. Hier ist insbesondere der Halm betroffen, die Blätter selbst enthalten nur geringe Mengen an Fruktanen. Besonders hoch sind die Gehalte bei Trockenheit und an sonnigen Tagen mit niedrigen nächtlichen Temperaturen. Prof. Opitz von Boberfeld empfiehlt, Pferde dann besser morgens im Stall zu füttern und in der Mittagszeit zu weiden. Allerdings weist er nachdrücklich darauf hin, dass Fruktane nur eine Ursache von Hufrehe sind, die eine Reihe weiterer Auslöser hat.

Das Hauptproblem, die mangelnde Durchblutung der Extremitäten, liegt eher in Bewegungsmangel und zu üppiger Fütterung (speziell mit Krippenfutter); teilweise wird sie auch durch Medikamente verursacht. Insgesamt sind Ponys anfälliger für fruktanbedingte Hufrehe als Pferde. Bei mittleren Fruktangehalten können nach seinen Ausführungen Warmblutpferde 8 kg Weide-Trockenmasse pro Tag problemlos vertragen.
Auch interessant