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Schwein

Qualifizierte Spürnasen gefragt!

von , am
06.11.2013

Seit 2003 müssen QS-Schweinemastbetriebe an einem Salmonellen-Monitoring teilnehmen. Seit 2011 gibt es immer mehr Betriebe der Kategorie III. Eine qualifizierte Salmonellen-Beratung soll jetzt helfen.

Zugenommen haben Schweinemastbetriebe, die über einen längeren Zeitraum hinweg in Kategorie III verbleiben, auch, weil der Eintragsweg der Salmonellen nicht gefunden wird. © agrar-press
Die Suche nach der Ursache einer erhöhten Salmonellenbelastung in einem Betrieb ist die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen - so beschrieb es ein Berater auf einer Veranstaltung des Landesverbandes Niedersächsischer Schweineerzeuger, LNS, zum Thema Salmonellen in Wehnen. Zu vielfältig sind die möglichen Eintragsquellen, zu vielfältig die Möglichkeiten, dass Salmonellen sich irgendwo im Betrieb "verstecken" und auch nicht durch Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen eliminiert werden. An der Überbetrieblichen Aus- und Weiterbildungsstätte Wehnen der LWK trafen sich vergangene Woche fast 50 Schweinefachberater aus ganz Niedersachsen, um sich als "qualifizierte Salmonellen-Berater" schulen zu lassen.

Monitoring seit 2003

Zu den Gründen: Jeder QS-Schweinemastbetrieb ist seit seit 2003 verpflichtet, am Salmonellen-Monitoring teilzunehmen, seit 2007 ist dies auch gesetzlich vorgeschrieben. Untersucht wird dabei nicht auf Salmonellen direkt (wäre zu aufwändig), sondern auf Salmonellen-Antikörper, überwiegend anhand Gewebeproben vom Tier am Schlachthof (98 %), möglich sind auch Blutproben. Gab es von 2003 bis 2011 einen stetigen Rückgang der Betriebe mit höherem Vorkommen von Salmonellen-Antikörpern (= höheres Salmonellen-Risiko), so hat sich dieser Trend in den vergangenen zwei Jahren umgekehrt. Hierüber informierte in Wehnen Thomas May von der QS GmbH Bonn. Derzeit liegt der Anteil an Kategorie-III-Betrieben bei 6,6 %, 2010 lag er bei nur 2,8 %. Diese Entwicklung wird in Deutschland schwerpunktmäßig im nordwest-/nordostdeutschen Raum beobachtet, allerdings auch in anderen Ländern wie den Niederlanden und Dänemark.

Beunruhigend ist nach Aussage Mays vor allem, dass ein Teil der Kategorie-III-Betriebe über einen längeren Zeitraum in dieser Einstufung verbleibt, sprich, es gelingt nicht, das Salmonellen-Problem im Betrieb in den Griff zu bekommen. QS schreibt zwar vor, dass Kategorie-III-Betriebe eine tierärztliche Beratung in Anspruch nehmen müssen, um gegenzusteuern. In welcher Konsequenz diese Beratung bislang tatsächlich umgesetzt wird, wird aber bislang nicht dokumentiert oder kontrolliert.

Erste Schlachthöfe reagieren

Vor diesem Hintergrund und vor dem Hintergrund, dass die Salmonellen-Kategorisierung inzwischen auch wirtschaftliche Auswirkungen hat - der Schlachthof Danish Crown im südoldenburgischen Essen i. O. schlachtet keine Tiere aus Kategorie-III-Betrieben mehr, bei anderen Schlachthöfen beginnt man, Schweine aus Kategorie-III-Betrieben mit Abzügen zu bestrafen - kam es in Niedersachsen zu der Überlegung, eine spezielle Salmonellen-Beratung zu entwickeln.

Über eine einheitliche Vorgehensweise soll der gesamte Betrieb im Hinblick auf sein Salmonellen-Problem durchleuchtet werden können, um nachhaltig zu einer Verbesserung zu kommen.Entstanden ist unter Federführung des LNS eine umfangreiche Checkliste, die in Wehnen vorgestellt und diskutiert wurde. Enthalten sind Fragen nach dem Ferkelbezug, der Fütterung, dem Mastverfahren, der Schädlingsbekämpfung etc. An der Erstellung mitgearbeitet haben Berater von verschiedenen Beratungsringen und -organisationen, Tobias Horn von IQ Agrar sowie Dr. Josef Schulte-Wülwer vom Schweinegesundheitsdienst der LWK.

Vorberichte zusammentragen

Anhand der Checkliste, den Ergebnissen zurückliegender Schlachtlieferungen, gezielter Proben aus dem aktuellen Bestand (Sammelkot, Blut, etc.), aber zum Beispiel auch Schlachtbefunddaten oder BZA-Zahlen kann der Salmonellen-Berater sich ein genaues Bild der betrieblichen Situation machen, daraus lassen sich dann Beratungsempfehlungen ableiten (mit fixen Terminvorgaben zur Umsetzung). Deren "Erfolg" wird anschließend in einem Folgebesuch überprüft. Wie Dr. Schulte-Wülwer betonte, ist dabei eine enge Zusammenarbeit zwischen Berater und Haustierarzt unverzichtbar. Zudem müsse vermittelt werden, dass die Salmonellenreduzierung ein langwieriger Prozess sei, der entsprechend Geduld, aber auch Konsequenz fordere.

Dr. Schulte-Wülwer diskutierte in Wehnen zudem mögliche Ursachen, warum der Anteil an Kategorie-III-Betrieben sich in den vergangenen zwei Jahren erhöht habe. Hiervon sind häufiger auch sehr gute Betriebe mit sehr hohem Hygienestandard und hohem Hygienebewusstsein betroffen.

Da es auch in Ferkelerzeugerbetrieben mehr Salmonellenbefunde gebe, müsse überlegt werden, ob bei hohen Ferkelzahlen die Versorgung mit Biestmilch noch immer ausreichend gewährleistet sei oder der mangelnde maternale Schutz eine Salmonellen-Infektion begünstige. Gleiches gelte für vermehrten Stress infolge sehr voller Flatdecks.
Diskutiert werde als Ursache auch eine verstärkte Darminstabilität bei Mastschweinen infolge eines hochenergetischen Futters oder einer nicht ausreichenden Ansäuerung des Futters, letzteres ggf. auch aus Kostengründen. Eine Beobachtung sei zumindest, dass es in Regionen mit stärkerem Einsatz von Eigenmischungen/Flüssigfutter weniger Probleme mit Salmonellen gebe.

Da, wie anfangs bereits erwähnt, das Salmonellen-Problem jedoch sehr vielschichtig ist, sollen die Betriebsanalysen, die daraus resultierenden Beratungsempfehlungen und ob sie zu Verbesserungen geführt haben, demnächst dokumentiert werden.

Zentrale Datenbank bei IQ Agrar geplant

Dafür ist eine zentrale Datenbank vorgesehen, die beim QS-Bündler IQ Agrar angesiedelt ist. Laut Tobias Horn von IQ Agrar sollen die qualifizierten Salmonellen-Berater die Datenbank dann zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch nutzen können. Zudem könne man als Kategorie-III-Betrieb so gegenüber den Veterinärbehörden dokumentieren, dass man Gegenmaßnahmen ergriffen habe. Er ging davon aus, dass der diesbezügliche Druck sich erhöhen werde. Der Datenschutz sei bei der Datenbank gewährleistet, so Horn.

Diskutiert wird derzeit bei QS, das bisherige System der Salmonellen-Kategorisierung mit drei Stufen abzuändern und durch ein Benchmarking (=Rangierung) ohne feste Grenzen zu ersetzen. Prof. Dr. Thomas Blaha von der Außenstelle Bakum der Tierärztlichen Hochschule Hannover, stellte erste Überlegungen dazu vor. Zudem informierte er in Wehnen über neuere Erkenntnisse zur Verbreitung der Salmonellen in Schweinebeständen. So wurde vielfach der Eintrag von außen, etwa über Ferkel, Futter etc. als Hauptquelle angesehen.

Salmonellen zirkulieren im Betrieb

Unterschätzt wurde laut Prof. Blaha bisher die Möglichkeit, dass Salmonellen im Bestand "zirkulieren", also innerbetrieblich immer wieder Neuinfektionen stattfinden. Er nannte hier vor allem indirekte Tierkontakte als Ursache - wie länger in Gebrauch befindliche Handtücher, nicht desinfizierte Stiefel oder Tierwaagen etc. Er forderte deshalb eine salmonellenspezifische Reinigung und Desinfektion.
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