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Sonstiges

Rege Nachfrage und sehr stabile Preise

von , am
02.07.2013

Um Preisturbulenzen abzufedern, sollen die Risiken möglichst auf unterschiedliche Geschäftsfelder verteilt werden. Wie sich die Genossenschaft Uelzena gerüstet hat, zeigte jetzt die Generalversammlung.

Zahlreiche moderne Mischanlagen stehen in den Werken. © Werkfoto
Mit 624 Mitarbeitern wurde an den sechs Standorten der in der Lüneburger Heide ansässigen Uelzena Genossenschaft 439 Mio. kg Milchrohstoffe zu Butter, Butterfett, Käse, Lebensmittelzutaten, Instantgetränken und Gesundheitsprodukten verarbeitet und europaweit an Industriekunden und den Einzelhandel vertrieben.

Obwohl die Rohstoffanlieferung auf Vorjahresniveau lag, konnten Absatz- und Produktionssteigerungen realisiert wurden. Den marktbedingt gesunkenen Preisnotierungen bei wichtigen Milchrohstoffen konnte sich auch Uelzena nicht entziehen und erzielte mit 414 Mio. € einen niedrigeren Umsatz als im Vorjahr. Die Auszahlungsleistung für Rohmilch mit 4 % Fett und 3,4 % Eiweiß lag bei 32,03 Ct/kg und damit 0,2 Ct über dem Durchschnitt der Molkereien im Bundesgebiet. Zwei Drittel der Rohmilch kommen aus den neuen Bundesländern. Für 2013 rechnet die Molkerei mit einem erhöhten Rohstoffaufkommen und einem weiterhin steigenden Absatz- und Produktionsvolumen.

Bei Käse rechnet der Vorstandsvorsitzender Claus-Peter Witt mit stabilen Absätzen, auch bei Milchfett und -pulver möchte man zulegen. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren soll das Wachstum künftig stärker im Bereich der Lebensmittelzutaten und auf der Lohnproduktion von Gesundheitsprodukten liegen. Das Kerngeschäft der Genossenschaftsmolkerei liegt seit jeher in der Herstellung sprühgetrockneter Zutaten und Vorprodukte sowie Milchfettzubereitungen für die Lebensmittelindustrie. Dazu gehören Schokoladenpulver aus 100 % conchierter Schokolade und Nusspulver für Backwaren, Süßwaren oder Eiscreme. Produziert werden Aufheller für Suppen und Soßen sowie Kakaobutterpulver oder Modelliermassen für Tortendekorationen, insgesamt über 30 Zutaten.

Zum Bereich Lohnveredelung gehört zum einen die reine Sprühtrocknung von flüssigen Produkten (Reinstoffe und Mischrezepturen), zum anderen das Mischen, Trocknen und Abpacken von Pulvern aus Lösungen und Emulsionen im Auftrag von Nahrungsmittelindustrie und Pharmazie. Als Pionier in der Entwicklung und Produktion von Instantgetränkepulvern hat das Unternehmen dazu beigetragen, die Akzeptanz und Verbreitung von Instantgetränkelösungen am Markt voranzu treiben; Cappuccino, Eiskaffee oder Sportdrinks sind etabliert. Um auch in Zukunft am Hauptstandort Uelzen mit bisher 5 ha Fläche bei Bedarf weiter wachsen zu können, wurden dort jetzt 4 ha zugekauft.

Über globale Markttrends und damit verbundene regionale Herausforderungen referierte Dr. Henning Ehlers vom Deutschen Raiffeisenverband. "Steigende Wertschöpfung und Wachstumsperspektiven können im nächsten Jahrzehnt nur durch Agrarexporte gesichert werden. Genossenschaften werden auf Drittlandsmärkten dauerhaft nur mit Know-how intensiven und qualitativ hochwertig veredelten Produkten konkurrenzfähig sein", betonte er.

Nach seiner Einschätzung wird sich die Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln in den nächsten 25 Jahren trotz Finanzkrise verdoppeln. Das führt zu guten Wachstumsperspektiven, auch wenn politische Risiken bleiben. Der Bevölkerungszuwachs erfolgt jedoch in Drittländern und nicht in der EU. "Exporte werden somit das Zünglein an der Waage für den weiteren wirtschaftlichen Erfolg der Agrarunternehmen sein", so Ehlers.

Die Wettbewerbsfähigkeit insbesondere der deutschen Milch- und Veredelungswirtschaft sowie in der Folge auch der genossenschaftlichen Unternehmen hängt auch von der weiteren Ausgestaltung der Energiepolitik ab. Die Förderung der Biogaserzeugung hat zur Zunahme der Flächenkonkurrenz und zu steigenden Pacht- und Bodenpreisen geführt. Ein Ergebnis dieser Entwicklung ist die Verknappung von Agrarrohstoffen. 20 % der Ackerflächen in Deutschland werden inzwischen für Bioenergie eingesetzt.

Diese Entwicklung ist für den Redner nur zu stoppen, wenn die Produktivität im züchterischen und technischen Bereich ausgebaut wird. Darüber hinaus müssen bei der Biogaserzeugung verstärkt Reststoffe zum Einsatz kommen. Abschließend rief Ehlers dazu auf, mehr Verständnis für die landwirtschaftliche Produktion zu wecken und die öffentliche Wahrnehmung zu verbessern. Dazu gehöre ein Wechsel von der ständigen Rechtfertigung hin zu einer offensiven und glaubwürdigen Darstellung. Dabei dürfe man auch "Verliererthemen" wie Massentierhaltung, Antibiotikaeinsatz, Schwänze kupieren, Schnäbel kürzen und das Enthornen nicht totschweigen.
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