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Geflügel

Die richtige Bewertung entscheidet

von , am
10.09.2014

Laut Fußballenerlass drohen Sanktionen bei Überschreitung der festgelegten Grenzwerte zur Fußballenqualität. Ist die Einstufung der krankhaften Veränderungen objektiv und genau genug?

Um eine gute Fußballenqualität zu erhalten ist es wichtig, die Gründe für die auftretenden Entzündungsprozesse zu kennen. © Fortwengel

Die Mast von Hähnchen ist hauptsächlich von deren biologischen Leistungen geprägt. Tageszunahmen, Futterverwertung, Endgewichte und insbesondere der Anteil wertvoller Fleischanteile spielen dabei eine wesentliche Rolle. Um das hohe Leistungspotential zu erbringen, ist eine hohe Tiergesundheit von entscheidender Bedeutung. Die Tiergesundheit wiederum ist stark abhängig von der Kükenqualität, der innerbetrieblichen Ausstattung des Mästers und der individuellen Herdenführung des Tierhalters.

Drohende Sanktionen

Um das Management und die Haltungsbedingungen von Masthähnchen beurteilen zu können, wurde beschlossen, u.a. den Indikator der Fußballengesundheit heranzuziehen. Hochgradige Veränderungen im Bereich der Fußballen mit tiefreichenden Entzündungen müssen vermieden werden, da sie als Schäden im Sinne des Tierschutzgesetzes gewertet werden. Zudem gibt es durch den Erlass des niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 16. Juli 2014 verbindliche Forderungen der Politik. Erstmalig drohen Sanktionen bei Überschreitung der festgelegten Grenzwerte hinsichtlich Mortalität, Transporttoten, verworfenen Schlachttierkörpern und der Fußballenqualität.

Die Entstehung einer Fußballenveränderung, auch als Pododermatitis bezeichnet, ist durch unterschiedliche Faktoren bedingt (vgl. Abbildung). Neben internen Faktoren wie dem Alter, dem Geschlecht und der genetische Herkunft werden auch externe Faktoren wie die Einstreuqualität, die Futterzusammensetzung sowie das Stallklima mit der Entstehung von Fußballenentzündungen in Verbindung gebracht. Im Verlauf der Pathogenese haben die angesprochenen Faktoren jedoch einen unterschiedlich starken Einfluss und die Einstreufeuchte stellt sich häufig als ausschlaggebender Faktor heraus.

Verschiedene Methoden

Wie können die Tierhalter einer schlechten Fußballenqualität nun entgegenwirken? In der LAND & Forst 26/14 wurden dazu bereits unterschiedliche Maßnahmen erläutert. Aber lässt sich eine verschlechterte Fußballenqualität auch schon während der frühen Mastphase erkennen oder ist es lediglich der Schlachthof als "Flaschenhals", der das Ergebnis erfasst? Eine Früherkennung würde ermöglichen, dass Gegenmaßnahmen sofort ergriffen werden können, um mögliche Belastungen zu minimieren. Um derartige Gegenmaßnahmen zu treffen, ist es wichtig, die Gründe für die auftretenden Entzündungsprozesse zu kennen.

Darüber hinaus ist es für den Hähnchenmäster von besonderer Bedeutung mit welcher Methode am Schlachtband die Bonituren vorgenommen werden. In NRW werden niedersächsische Hähnchen beispielsweise über einen 3er Score mittels einer Stichprobe und in Augenscheinnahme beurteilt.

In führenden Schlachthöfen in Niedersachsen werden die Hähnchen objektiv mittels Kamera beurteilt. Wenn es in Sachen Tierschutzindikator "Fußballengesundheit" gerecht zugehen soll, dann sollten neben einheitlichen Bonitierungsmethoden, in allen Bundesländern und auch über die Landesgrenzen hinweg einheitliche Regelungen bestehen. Falls nicht, wäre es denkbar, dass die Hähnchen über andere Handelswege vermarktet werden, um die landesinternen Reglementierungen mit dem deutlich strengeren Bewertungsrahmen zu umgehen.

Subjektive Einschätzung

Die Einschätzung der Fußballenqualität ist zudem durch personelle Inaugenscheinnahme immer subjektiv. Um zu überprüfen, wie stark die Abweichungen in der Bonitur durch unterschiedliches Fachpersonal sein könnten, wurden Hähnchenfüße direkt vom Schlachthof gesammelt. Dabei handelte es sich um genau die Stichproben, die auch von der Schlachterei zur Bewertung der Fußballen genutzt werden. Im Anschluss an die Bonitur am Schlachtband erfolgte eine unabhängige Beurteilung der Partien zunächst durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) und anschließend durch die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo).

Um die krankhaften Veränderungen der Fußballen bei den vorliegenden Hähnchenfüßen genauer differenzieren zu können, wurde das Bewertungsschema nach HOCKING et al. (2008) verwendet. Über dieses Schema können die Fußballen in die Stufen 0 bis 4 unterteilt werden. Durch eine derartige Einstufung können Aussagen zum Entwicklungsstadium und zum Schweregrad der Läsionen getroffen werden. Unabhängig von der Untersuchungsmethode muss beachtet werden, dass die Läsionen mit Krusten aus Einstreumaterial und Kot bedeckt sein können.

Die Bewertungsergebnisse, die in Tabelle 1 zusammengestellt sind, unterscheiden sich zwischen den Ergebnissen der LWK und der TiHo zum Teil sehr deutlich voneinander. Dies zeigt, wie unterschiedlich und subjektiv die Bewertung von Fußballen vorgenommen werden kann.

Besonders bei Zuordnungen in die Stufen 3 und 4 ist bei den Herden 1 bis 3 erkennbar, dass von der LWK mehr Füße in die Kategorie 4 sortiert worden sind. Dafür wurden wahrscheinlich einige dieser Füße von der TiHo noch unter Stufe 3 gefasst. Angenommen eine dritte Person hätte mit einem geänderten Bonitierungsschema (3er Score) die Fußballen erfasst, würde ein drittes Ergebnis prognostiziert werden.

Große Unterschiede

Die Ergebnisse zeigen in jedem Fall, dass eine Bonitur durch Personal schwierig sein kann und das Ergebnis zwischen den Beobachtern stark differiert. Denkbar wäre, dass Grenzfälle, also Füße die zwischen zwei Stufen liegen, je nach Person auf- bzw. abgestuft werden. Wichtig ist eine umfassende Evaluierung der Ergebnisse und eine ständige Schulung bzw. Weiterbildung der beurteilenden Personen.

Ob die Zuordnung nach einem einfacheren Schema objektiver ist, muss in einem Folgeschritt untersucht werden. Diese minimalistische Erhebung soll lediglich dazu dienen, das Bewusstsein zu schärfen, wie schwierig sich eine Reglementierung (Fußballenerlass) für diesen Tierschutzindikator darstellen lässt.

Eine Früherkennung durch den Tierhalter aufgrund einer Bonitur ist demnach auch für den Landwirt schwierig. Seine Aufgabe sollte eher darin bestehen, die unterschiedlichen Stellschrauben so zu justieren, dass durch ein ganzheitliches Managementkonzept die Interessen von Wirtschaftlichkeit und Tierwohl in Einklang gebracht werden. Um das Bewusst-sein beim Tierhalter für eine verbesserte Fußballenqualität zu schulen und innovative Managementansätze zu beleuchten, organisiert die Landwirtschaftskammer am 1. Oktober eine eintägige Vertiefungsveranstaltung zu diesem Thema.

Infos und Anmeldung unter www.lwk-niedersachsen.de, Angelika Fortwengel, Tel: 0441-801639.


Nachfolgend finden Sie die Abbildung und Tabelle zum Herunterladen:
 
 
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