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Rind

Auch Rinder haben Stress bei Hitze

von , am
24.07.2013

Milchkühe leiden im Sommer bei hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit besonders, weil sie ihre Körperwärme nicht gut abgeben können. Ventilatoren und Kuhduschen schaffen Abhilfe.

Technische Anlagen sollten erst installiert werden, wenn andere Maßnahmen (Beschattung, Optimierung der natürlichen Lüftung, Wasserversorgung) ausgeschöpft sind. © Ahlers
Hitzestress beginnt bereits bei Temperaturen von über 20 °C. Bei einem Temperaturanstieg von 20 auf 30 °C frisst eine Milchkuh täglich rund 1,5 kg TM weniger und produziert 3 bis 5 kg weniger Milch. Im ersten Laktationsdrittel geben Hochleistungstiere (10.000 kg Milch) rund 2000 Watt Wärme ab. Zur Abfuhr dieser Wärme werden bei Außentemperaturen von rund 30 °C Sommerluftraten von 480 m³ je Kuh und Stunde benötigt, im ersten Laktationsdrittel sogar  570 m³ je Kuh und Stunde.

Hier stößt die Trauf-/Firstlüftung an ihre Grenzen. Aber nur ausreichende Luftbewegung und -strömung haben eine abkühlende Wirkung. Eine Luftgeschwindigkeit von 2 m/sec bei einer Umgebungstemperatur von 28 °C führt zu einer Abkühlung von etwa 5 °C.
Anzeichen von Hitzestress:

reduzierte Aktivität,
sinkende Futteraufnahme,
Rückgang der Milchinhaltsstoffe und Anstieg des Zellgehaltes,
schwache Brunstzeichen und verkürzte Brunstdauer,
erhöhte Atemfrequenz (pumpen),
gesteigerte Wasseraufnahme
verkürzte Liegezeiten,
feuchtes und nasses Fell durch Schwitzen,
Hecheln mit langem Hals und offenem Maul.

Ventilatoren können für Abkühlung sorgen. Je nach Kuhgruppe, Länge und Dach des Stalls (helle Oberfläche, isoliert oder nicht; Sandwichelemente oder Wellfaserzementplatten), schwankt die benötigte Luftleistung der Ventilatoren zwischen 500 und 1.200 m³ je Kuh und Stunde. Der Luftstrom sollte nicht direkt auf das Tier gerichtet sein, wenn dieses dem Luftstrom nicht ausweichen kann. Vorrangig sollten Wartebereiche und der Melkstand gekühlt werden, da hier die Tiere für einen längeren Zeitraum dicht gedrängt stehen. Auch der Liegebereich sollte gut belüftet sein, um den "Saunaeffekt" zu vermeiden (Schichtbildung der Luft um den Körper der Kuh), da durch die isolierten Liegeflächen der Abtransport überschüssiger Wärme behindert wird.

Die Anschaffungskosten betragen je nach Hersteller und den Gegebenheiten im Stall 2.000 bis 6.000 € inkl. Montage. Der optimale Kühlungseffekt wird bei 2,5 m/s erreicht. Ventilatorentyp und Einbauweise hängen immer von den örtlichen Gegebenheiten ab. Ventilatoren sollten 2,5 m oberhalb der Tiere angebracht werden, ihre Ansaugluft von der Nordseite holen und 10 bis 15 Grad geneigt sein.

Duschen für die Kühe

Bei der Niederdruckversprühung (Kuhduschen) wird das Wasser großtropfig auf die Kühe gesprüht. Während das nasse Fell trocknet, wird dem Tierkörper Wärmeenergie entzogen, wodurch auch hier Verdunstungskälte entsteht. In Kombination mit einer Unterstützungslüftung kann eine enorme Abkühlungswirkung erzielt werden. Kuhduschen sollten mit einem Thermostat und einer Zeitschaltuhr ausgestattet werden. Das Thermostat sollte so eingestellt werden, dass die Kuhdusche bei 21 bis 24 °C automatisch einschaltet. Die Zeitschaltuhr sorgt dafür, dass die Düsen in regelmäßigen Abständen öffnen und schließen. Ein 15-Minuten-Rhythmus hat sich bewährt (drei Minuten Wasser versprühen). Pro Befeuchtungszyklus kann mit etwa ein Liter Wasserverbrauch pro m² gerechnet werden.

Die Wassermenge sollte so eingestellt werden, dass das Euter trocken bleibt und das Fell schnell abtrocknet. Weder Liegeboxen noch Futtertisch sollten feucht werden. Sinnvoll ist der Einsatz im Wartehof, am Melkstandausgang mit Lichtschranke und am Fressplatz. Wegen der rangniederen Tiere ist der Einbau mehrerer Duschplätze zu empfehlen.

Feuchtefühler sinnvoll

Durch die Wasserverdunstung sowohl in der Luft als auch am Tierkörper erhöht sich die relative Luftfeuchtigkeit im Stall. Dadurch wird die Kuh in ihrem natürlichen Verhalten, Wärme über Wasserverdunstung abzugeben, stark eingeschränkt. Daher sollten solche Anlagen zusätzlich mit einem Feuchtefühler ausgestattet und bei Luftfeuchten > 70 % ausgeschaltet werden. Technische Anlagen sollten erst dann in Betracht gezogen werden, wenn alle anderen Maßnahmen (Beschattung, Optimierung der natürlichen Lüftung, Wasserversorgung etc.) voll ausgeschöpft sind.

Aus Sicht der Fütterung ist eine stärkere Nacherwärmung des Futters unbedingt zu vermeiden. Säurezusätze können dabei hilfreich sein, den Temperaturanstieg im Futter zu stoppen. Reagieren die Tiere neben einer verringerten Futteraufnahme auch mit erhöhter Zellzahl, ist die Versorgung mit ausreichend Vitamin E zu prüfen.
Auf jeden Fall ist auf eine hohe Wasseraufnahme über saubere und große Tränkestellen zu achten.
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