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Schwein

Sauenhalter tragen größte Last

von , am
05.11.2014

Vor einigen Wochen sind die Schlachtschweinepreise abgestürzt. In Folge gingen auch die Ferkelpreise in den Keller. Wir haben Sauenhalter Lars Prigge besucht. Er fordert gerechtere Ferkelpreise.

Lars Prigge © Prigge

Lars Prigge aus Brest, Landkreis Stade, gehört mit 100 Sauen zu den eher kleineren Ferkelerzeugern. Er verkauft ca. 240 Ferkel im Monat: "Von der 25. bis zur 40. KW diesen Jahres ist die Ferkelnotierung von 61 € auf 35 € eingebrochen, das sind -26 €. Rechnet man die etwas gesunkenen Futterpreise dagegen, sind es unter dem Strich immer noch fast 24 € pro Ferkel weniger. Das heißt für uns 5.700 € weniger Erlös im Monat", rechnet Prigge vor. Ein Bestand von 400 Sauen musste damit auf bald 20.000 €/Monat verzichten.

Dazu hat er folgende Kostenrechnung aufgemacht: In der 25. KW lag die Schlachtnotierung bei 1,71 €/kg SG und die VEZG-Ferkelnotierung bei 61 €/28-kg-Ferkel. In der 40. KW lag die Schlachtschweinenotierung nur noch bei 1,40 €/kg SG, das sind 0,31€/kg SG weniger. Bei 95 kg SG errechnet sich ein Mindererlös von 29,45 €. "26 € hiervon und damit den Löwenanteil tragen wir in Form der gesunkenen Ferkelpreise", rechnet der Vorsitzende des Arbeitskreises Sauenhaltung beim Landvolk weiter.

Wenn man dann noch die gesunkenen Futterkosten miteinrechnet, so Prigge, kommt der Mäster in der 40. KW sogar auf ein positives Ergebnis, sprich, er erlöst mehr pro Tier als in der 25. KW, als die Notierung noch bei 1,71 € lag. "Wir haben derzeit Vollkosten von ca. 65 €/Ferkel, davon sind wir bei einer Notierung von 35 € sehr weit entfernt", kritisiert er. Für ihn ist der Preiseinbruch bei der Schlachtschweinenotierung denn auch keine Krise der Zukaufsmäster, sondern in erster Linie der Sauenhalter, die ihre Ferkel unter Gestehungskosten verkaufen müssen.

Wie die Direktkosten freien Leistungen der vergangenen zehn Wirtschaftsjahre für ihn deutlich zeigen, gab es diese Situation schon mehrfach. Bei Ferkelpreisen um die 33 € mussten Sauenhalter Liquiditätsdarlehen in Anspruch nehmen, um über die Runden zu kommen. Die Mastbetriebe konnten dagegen im Schnitt noch Eigenkapital bilden. "Eine Weiterentwicklung der Sauenhaltung und eine Perspektive für uns gibt das jetzige Ferkelpreismodell auf gar keinen Fall her", kritisiert der Sauenhalter. Die größtmögliche Marge je Schwein sei oberstes Ziel der meisten Mastbetriebe, aber es könne nicht sein, dass  das über niedrigste Ferkelpreise erreicht werde. Der Druck gehe seines Erachtens eindeutig in die falsche Richtung, er müsste von Mästern und Ferkelerzeugern gemeinsam in Richtung Markt gehen. Die Preisbildung bei Ferkeln müsste seiner Meinung nach dringend diskutiert und erneuert werden. Er fordert eine nachhaltige Ferkelpreisbildung für die Weiterentwicklung der Sauenhaltung und der Landwirtschaft hierzulande.
 
Tabellen zu der Entwicklung der Futterkosten in der Ferkelerzeugung und Mast, sowie zu den Einbußen bei den Ferkelerzeugern und Schweinemästern finden Sie in der LAND & Forst Ausgabe 45.
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