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Schafzucht

Schafhaltung: 2.000 Euro pro Jahr für "arbeitenden" Herdenschutzhund

Herdenschutzhund
Jan-Gerd Ahlers, LAND & Forst
am
29.04.2019

Der Einsatz von Herdenschutzhunden stand im Mittelpunkt der Jahresversammlung des Landesschafzuchtverbandes Weser-Ems. Ein Schäfer aus dem niedersächsischen Pannecke im Kreis Lüchow-Dannenberg berichtete von seinen Erfahrungen.

Rund 11.700 Schafhalter mit 233.000 Tieren sind in Niedersachsen gemeldet. Der Wolf als Beutegreifer hat es immer wieder auf diese kleinen Wiederkäuer abgesehen.

Hunde mit Schutzinstinkt

Herdenschutzhunde können abschreckend wirken, so wie bei Jan und Meike Tüllmann. Sie bewirtschaften in Pannecke, Kreis Lüchow-Dannenberg, eine Schäferei mit 400 Mutterschafen und rund 150 ha Deich- und Grünlandflächen.

Herdenschutzhund Betrieb Tuelmann

Für einen Deichschäfer ist es sehr schwierig, Herdenschutzhunde (HSH) in eine Schafherde und den Betriebsablauf zu integrieren. Für die Hunde, die Schafe und den Schäfer ergibt sich eine völlig neue Situation, ebenso wie für die vielen Spaziergänger auf den Deichen.

Tüllmann setzt auf Pyrenäen-Berghunde zum Schutz. Sie sind herdentreu, wachsam, anspruchslos, durchaus laut und verfügen vor allen Dingen über einen natürlichen Schutzinstinkt. Ihre imposante Größe tut ein Übriges, Feinde abzuschrecken.

Diese Hunde strahlen achtungsgebietende Ruhe und Souveränität aus. Doch nicht alle Hunde sind geeignet. Einige der von Tüllmann gekauften Hundewelpen waren nicht einsatzfähig oder untauglich. Eine Hündin ist zwar sehr gut einsetzbar, aber gräbt gern tiefe Löcher (bis 2 m), was für die Deichsicherheit gravierende Folge haben kann.

Nicht alles so einfach

Die ersten Tage mit den Herdenschutzhunden waren für Schafe, Schäfer und Herdenschutzhunde von Angst und Stress gekennzeichnet. Die Schafe hatten Angst vor den Hunden und brachen aus. Teilweise wurden die Hunde von Mutterschafen mit Lamm attackiert. Hierdurch kam es auch zum Verlust eines Schafes, weil der Hund die Angriffe des Schafes gemaßregelt hat.

In der Eingewöhnungsphase konnte Tüllmann aufgrund der nervlichen Belastung nachts kaum schlafen, da die gesamte Verantwortung für die Schafherde jetzt mit dem Verhalten der Hunde verbunden war. Dazu kam die hohe Arbeitsbelastung für die Betreuung und Ausbildung der Hütehunde.

Im Einzugsbereich der Wölfe

Die Herde befindet sich im weitläufigen Einzugsbereich von gleich drei Wolfsrudeln. Tüllmann äußert sich nüchtern: „Der zeitliche Aufwand für die Haltung meiner fünf Hunde ist hoch, es können somit weniger Mutterschafe betreut werden. Gleichzeitig entstehen hohe zusätzliche Kosten für die Hunde“. Für den „arbeitenden“ Hund rechnet der Schäfer mit einem jährlichen Aufwand von 2.000 €.

Mehr lesen Sie in der LAND & Forst 18/19.

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