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Kommentar

Schlachthof: Ein alternativloses „Nein“!

Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
05.10.2017

Es gibt Diskussionen um einen neuen Großschlachthof im Landkreis Cloppenburg. Die kann man sich sparen, meint LAND & Forst-Redakteurin Christa Diekmann-Lenartz.

Die Region Südoldenburg, rund um die beiden Landkreise Cloppenburg und Vechta, ist das Herz der Veredlungswirtschaft in Niedersachsen. Die vor- und nachgelagerten Unternehmen hier haben eine enorme Wirtschaftskraft.
Gerade jetzt, wo die Tierhaltung vor immensen Herausforderungen wie Tierwohl oder Düngeverordnung steht, zeigen sich die Stärken der Konzentration: Die Unternehmen der Branche suchen - und finden - Antworten. Dass diese Lösungen mit zumindest keinem weiteren Zuwachs der Tierhaltung verbunden sein werden, scheint inzwischen allgemeiner Konsens zu sein. 

Neuer Großschlachthof in Cloppenburg?

Vergangene Woche gab es die Meldung, dass das italienische Fleischwarenunternehmen Bresaole Pini in Niedersachsen auf Standortsuche für einen Großschlachthof ist. Der Landkreis Cloppenburg sei in der engeren Wahl.
Es ist schon sehr naiv, das für eine wunderbare Idee zu halten. Wir beklagen zwar die zunehmende Konzentration bei den Schlachthöfen und die deshalb zunehmende Abhängigkeit. Natürlich brauchen Schweinehalter Wettbewerb zwischen ihren Abnehmern – je mehr, desto besser! Einen weiteren Großschlachthof in Südoldenburg anzusiedeln, macht dennoch keinen Sinn.

Keinerlei Vorteile

Mit der Aussicht, dass eher ein Rückbau der Tierhaltung in den Intensivregionen gewollt ist, stellt sich als erstes die Frage, wo die Schweine für einen weiteren Großschlachthof herkommen sollten. Entweder müssen sie weit gefahren werden, was gesellschaftlich auch nicht gewollt ist, oder es gibt einen reinen Verdrängungswettbewerb.
Und was würde es dem Schweinemäster nützen, wenn er am Ende nicht mehr zu Vion oder Danish Crown oder BMR liefern kann, sondern nur noch zu Pini? Gar nichts, denn die Abhängigkeit wäre dann eher noch größer.

Ein klares "Nein"

Ein anderes Thema sind die Schlachthofmitarbeiter. Sie müssten herangeholt und vermutlich größtenteils über Werkverträge beschäftigt werden. Die damit verbundenen Probleme vor Ort und die „Medienwirksamkeit“ sind gerade hier hinlänglich bekannt. Dass sich Wirtschaftsminister Olaf Lies zu dem möglichen neuen Großprojekt äußert, könnte man bei gutem Willen als Bestätigung sehen, für wie wichtig die Branche für die Wirtschaft des Landes gehalten wird.

Aber gerade Lies engagierte sich in seiner Amtszeit dafür, fragwürdige Arbeitsverhältnisse zu beenden. Aus der jetzigen Landesregierung kann es nur ein eindeutiges Nein zu einem weiteren Großschlachthof geben. Damit sich jede Diskussion endgültig erübrigt, sollte auch der Berufsstand klare Kante zeigen. Ein Nein zu den Pini-Plänen für Cloppenburg ist alternativlos.

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