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Rind

Schwarzbunte liefern weißes Fleisch

von , am
07.01.2014

Es ist ein Betriebszweig für Spezialisten, die ihre Produktionstechnik beherrschen. Dabei lassen sich durchaus auch mit Schwarzbunten bei angepasster Fütterung gute betriebswirtschaftliche Ergebnisse erzielen.

Hinrich und Katja Engelmann haben sich auf die Kälbermast spezialisiert. © Ahlers
Heute gibt es in Deutschland noch etwa 300 spezialisierte Kälbermäster (überwiegend in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen), obwohl der Selbstversorgungsgrad nur bei 55 % liegt. Eine Hand voll Schlachtbetriebe und integrierte Unternehmen bestimmen das Marktgeschehen. Die meisten Kälbermäster arbeiten in einem festen Vertrag oder im Lohn bei großen integrierten Konzernen in Deutschland und Holland.

Spezialisierter Betrieb

Einer der freien Mäster ist Hinrich Engelmann aus Thüle, Kreis Cloppenburg. Seine  Eltern Bernhard und Johanna begannen 1965 mit den ersten sechs Kälbern. Nach und nach kamen Ställe hinzu und so wuchs der Betrieb mit seinen 100 ha Ackerland kontinuierlich auf derzeit 1.600 Plätze.

Die Kälber werden stallweise in 300er Gruppen im Rein-Raus-Verfahren innerhalb von zwei Tagen eingestallt. Drei bis vier Großhändler liefern schwarzbunte Kälber, 80 % kommen aus den neuen Bundesländern, sie sind zwischen zwei und vier Wochen alt. Engelmann hat gute Erfahrungen mit den Schwarzbunten gemacht: Bei einer gleichmäßigen Sortierung und angepasster Fütterung versprechen sie gute Masterfolge.

Zunächst kommen die Tiere in Einzelbuchten mit Bongossiboden, nach fünf Wochen erfolgt eine Umstallung auf Gruppenbuchten für fünf bis neun Kälber.
Erste gute Erfahrungen haben Katja und Hinrich Engelmann hier mit einer Gummiauflage auf Bongossi gemacht, auch wenn der Boden doppelt so teuer ist.
Die Aufteilung der Tiere erfolgt nach der Tränkegeschwindigkeit (langsam, mittel, schnell) in drei Gruppen.

Zunächst gibt es für die neu eingestallten Kälber 4 l Milch (Magermilch, Molke und Pflanzenfett) am Einzeleimer. Die Menge steigert sich in den Einzelbuchten auf 11 l täglich. Kälbermüsli und Luzerneheu werden zugefüttert.

Mast dauert 26 Wochen

In den Gruppenbuchten gibt es bis zu 19 l Milch pro Tag und dann Maissilage, Kraftfutter und Stroh als Beilage rationiert. Rosekälber mit einem Mastanteil von 20 bis 30 % werden mit acht Wochen von der Milch abgesetzt und erhalten dann nur noch Mais und Kraftfutter. Die Futterkosten bei den Weißfleischkälbern liegen bei 550 Euro, die Futterverwertung in guten Durchgängen bei 1 : 1,7 und über 1.200 g täglichen Zunahmen. In der Regel werden die Tiere 26 Wochen gemästet. Dann sind sie im Schnitt etwa 270 kg schwer und haben ein Schlachtgewicht von rund 145 kg.

In Deutschland darf seit fünf Jahren nur noch das Fleisch von bis zu acht Monate alten Rindern als Kalbfleisch bezeichnet werden. Für den Altersabschnitt von neun bis zwölf Monaten gilt die Bezeichnung Jungrindfleisch. Das gilt auch für importierte Ware. Ware, die exportiert wird, darf allerdings mit den in den Zielländern geltenden Bezeichnungen gekennzeichnet werden. In den EU-Mitgliedstaaten ist die Bezeichnung Kalbfleisch aufgrund eines Wahlrechts der Länder unterschiedlich geregelt.

In den Niederlanden, in Dänemark und in Spanien darf auch weiterhin das Fleisch von bis zu zwölf Monate alten Rindern als Kalbfleisch bezeichnet werden. In Deutschlang gibt es noch drei große Schlachtereien.
Die Kälbermast ist längst aus den Schlagzeilen heraus. Ein Grund dafür ist das Rückstandkontrollprogramm auf der Basis eines Stichprobenmodells. Jede aufgestallte Mastgruppe wird in die Kontrolle einbezogen. Schwerpunkt der unangemeldeten Kontrollen ist der Zeitraum kurz vor der Schlachtung. Bei 10 % der Mastgruppen erfolgt ein zweiter, bei 1% sogar ein dritter Kontrollgang.
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