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Was Schweine zum Schwanzbeißen antreibt

Mastschweine schauen durchs Gatter.
Dr. Carolin Holling, LWK Niedersachsen
am
02.04.2019

Schwanz- und Ohrbeißen: Warum tun Schweine das? Dr. Holling von der LWK Niedersachsen zu den drei Formen der Verhaltensstörung.

Läuft das Beißgeschehen im Schweinestall erst einmal aus dem Ruder, sind die Folgen aus Sicht des Tierschutzes, der Lebensmittelsicherheit und der Ökonomie für den Schweinehalter schwerwiegend. Umso wichtiger ist es, die Ursachen zu ermitteln.

Doch das ist nicht so einfach, denn es gibt eine Reihe von Faktoren, die alleine oder häufig auch in Kombination zu Schwanzbeißen führen.

Es wird jedoch auch immer wieder berichtet, dass sogenannte Nekrosen an Schwänzen oder Ohren auftraten, bevor Schwanzbeißen beobachtet wurde. Mykotoxine und Endotoxine sind Begriffe, die dann in diesem Zusammenhang häufig fallen. Das Erscheinungsbild führt zu der strittigen und vielfach diskutierten Frage: Was war zuerst da? Die Verhaltensstörung, also das Beißen, oder die Nekrose?

Aus tierärztlicher Sicht ist Schwanzbeißen eine Verhaltensstörung. Man unterscheidet folgende drei Formen, die anschließend erklärt werden:

  1. Zweistufiges Beißen
  2. Plötzliches, heftiges Beißen
  3. Zwanghaftes Beißen

1. Zweistufiges Beißen

Diese Form des Schwanzbeißens kann man sehr häufig in der Ferkelaufzucht beobachten. Das Beißgeschehen beginnt in der Regel schleichend:

  • Die Schweine fangen an, die Schwänze anderer Schweine vorsichtig zu beknabbern und zu belutschen, etwa aus Langeweile oder aufgrund vermehrter Unruhe.
  • Erst wenn mehr oder weniger durch Zufall die Haut des Schwanzes verletzt wird und Blut austritt, kommen die Schweine auf den Geschmack des Blutes und beißen heftig zu.
  • Eine genaue Tierbeobachtung ist hier unerlässlich, um Schlimmeres zu verhindern.
  • Wer genau hinschaut, erkennt kleine Zahnabdrücke oder andere Spuren des Bekauens und kann frühzeitig Gegenmaßnahmen einleiten.

2. Plötzliches, heftiges Beißen

Es handelt sich um eine frustrationsbedingte Form des Beißens, bei der es ohne Vorwarnung zu Verletzungen kommt:

  • Häufig zu beobachten ist diese Form, wenn es eine große Konkurrenz um wichtige Ressourcen gibt. Hat ein Schwein beispielsweise nicht die Möglichkeit zur Tränke zu gelangen oder Futter aufzunehmen, beißt es aus Frust in die Schwänze anderer Schweine.
  • Auch fehlende Möglichkeiten zum ungestörten Ruhen oder zur Beschäftigung können die Ursache sein.

3. Zwanghaftes Beißen

Diese Form wird von Einzeltieren mit krankhaftem Beißzwang ausgeführt und ist vergleichsweise selten. In diesem Fall hilft es nur, den Täter zu identifizieren und abzusondern.

Ursachen von Nekrosen bei Schweinen

Nekrosen werden des Öfteren in Zusammenhang mit Schwanzbeißen diskutiert. Dazu kommt es, wenn Zellen oder Gewebe so stark zerstört werden, dass sie absterben und zerfallen.

  • Als Ursachen kommen zum Beispiel Durchblutungsstörungen, Vergiftungen oder entzündliche Prozesse in Betracht.
  • Das betroffene Gewebe verfärbt sich in der Regel dunkel, trocknet lederartig ein und zerfällt.
  • Nekrosen können sowohl „von außen“ durch Bekauen oder Beißen von Körperteilen und dadurch resultierende Entzündungen oder Durchblutungsstörungen entstehen.
  • Sie können aber auch durch „innere“, im Tier ablaufende Prozesse hervorgerufen werden.

Mehr zu Anzeichen und Ursachen von Nekrosen lesen Sie in der LAND & Forst 13/19.

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