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Schweinehalter Harig aus Melle setzt auf Immunokastration

Immunokastration
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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
06.12.2018

Schweinehalter Jobst Harig aus Melle (Kreis Osnabrück) kastriert seine Ferkel nicht mehr. Seit zwei Jahren nutzt er die Immunokastration.

Vergangene Woche hat der Bundestag zugestimmt, dass das Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln erst in zwei Jahren zum Tragen kommt. Im Zuge der Diskussionen im Vorfeld ist die Alternative "Immunokastration" wieder verstärkt thematisiert worden.

Jobst Harig aus Melle im Landkreis Osnabrück impft seine männlichen Mastschweine seit gut zwei Jahren mit Improvac. Für den 49-jährigen Landwirt ist das das Mittel der Wahl als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration.

Ferkelerzeugung mit ökologischer Bewirtschaftung

Harig bewirtschaftet einen Betrieb mit 70 ha und Schwerpunkt Ferkelerzeugung im geschlossenen System. Er hat seinen Betrieb vor 17 Jahren auf eine ökologische Bewirtschaftung umgestellt, er arbeitet nach den Richtlinien des Naturland-Verbandes. Der Schweinehalter mästet alle Ferkel seiner 80 Sauen selbst.

Reduktion der Geschlechtshormone und des Ebergeruchs

Bei der Immunokastration erhält das männliche Mastschwein zwei Impfungen (Produktname: Improvac). Diese regen die Bildung von Antikörpern gegen einen Botenstoff an, der sonst die Pubertät einleiten würde. Dies führt zu einer vorübergehenden Reduktion der Geschlechtshormone wie auch des damit verbundenen Ebergeruchs. Diese Wirkung tritt erst nach der zweiten Impfung ein. 

Zwei Impfungen im Maststall

Die beiden Impfungen werden im Maststall durchgeführt. Die erste bei einem Lebendgewicht von 30 bis 50 kg, die zweite bei etwa 90 kg. Wichtig ist, dass zwischen der ersten und der zweiten Impfung mindestens vier Wochen liegen.

Nach der zweiten Impfung sollten nicht mehr als etwa sechs bis acht Wochen bis zur Schlachtung vergehen. Denn die Wirkung der Impfung hält nur eine gewisse Zeit vor.

Vorteile und Probleme der Improvac-Impfung

Der Vorteil der Improvac-Impfung: sie ist in Deutschland (wie in vielen anderen Ländern auch) zugelassen und darf vom Landwirt selbst durchgeführt werden.

Das Problem bislang: die meisten Schlachthöfe lehnen es ab, immunokastrierte Eber zu schlachten. Ihr Hauptargument ist, dass sich das Fleisch dieser Tiere nicht vermarkten lässt, weil der deutsche Verbraucher es nicht will bzw. weil Importländer in Asien es nicht wollen. 

Vorbehalte von Schlachthöfen und Handel nicht nachvollziehbar

Landwirt Jobst Harig kann die Vorbehalte der Schlachthöfe und des Handels überhaupt nicht nachvollziehen. Er hat den Vorteil, dass er sich nicht um die Vermarktung seiner immunokastrierten Eber sorgen muss.

Geschlachtet werden seine Schweine beim Schlachthof Brand in Lohne, Landkreis Vechta. Das Fleisch wird von einem Biovermarkter aus Süddeutschland vermarktet.

Die Weiterverarbeitung zu Fleisch- und Wurstwaren erfolgt in Norddeutschland, die Produkte gehen dann zu Rewe. Rewe hat verschiedentlich bekundet, dass es keine Vorbehalte gegen die Vermarktung von Fleisch immunokastrierter Tiere hat.

Schulungen durch Improvac-Hersteller

Schweinehalter Jobst Harig entschied sich schnell für die Immunokastration: "Das sind einfach nur zwei Impfungen und damit ist das leidige Thema für mich erledigt", bringt er die Sache auf den Punkt.

Nach seiner Entscheidung, mit Improvac zu impfen, bekam er zunächst Schulungen des Improvac-Herstellers und Begleitung von seiner bestandsbetreuenden Tierärztin Inge Böhne. Sie hat ihre Praxis vor Ort und steht der Immunokastration ebenfalls sehr positiv gegenüber.

Ohrmarken für weibliche und männliche Ferkel

Bis sich eine gewisse Routine bei den Impfungen eingestellt hat, hat es ein paar Monate gedauert, erzählt der Landwirt. Er selbst impft das erste Mal bei etwa 50 kg im Vormaststall. Die Tiere werden gemischtgeschlechtlich gehalten.

Um nicht den Überblick zu verlieren, bekommen seine weiblichen Ferkel ihre Ohrmarke ins rechte Ohr, die männlichen ins linke Ohr. Zudem markiert er vor dem Impfen die weiblichen Tiere einer Bucht mit einem roten Farbstift am Rücken.

Beobachtung der Tiere besonders wichtig

Die männlichen Tiere bekommen einen blauen Strich, wenn sie geimpft worden sind. "So halte ich das Risiko, dass ein Tier vergessen wird, sehr klein", erzählt er. Zudem sortiert er seine Ferkel nach der Aufzucht heute noch konsequenter größenmäßig, damit er nicht innerhalb einer Bucht zu verschiedenen Zeiten impfen muss.

Da die Inaktivierung der Hodenfunktion erst nach der zweiten Impfung beginnt, hat er bis dahin quasi die Vorteile einer Ebermast. Welche Vorteile das sind und warum die Beobachtung der Tiere besonders wichtig ist, lesen Sie in der LAND & Forst 49/18.

LAND&Forst

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