Login
Praxistipps

Schweinehaltung: Was Sie zum Thema Nottöten wissen sollten

Schwein-Schweinehaltung-Stall
Thumbnail
Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
17.04.2018

Über das Nottöten von Schweinen wird derzeit viel diskutiert. Hier Antworten auf acht wichtige Fragen, die Sie als Schweinehalter kennen sollten.

Das Thema Nottöten beschäftigt Schweinehalter immer wieder. Der Schweinegesundheitsdienst der LWK Niedersachsen führt dazu viele Schulungen durch. Hier einige Fragen, die oft gestellt werden. 

1. Mir persönlich fällt es sehr schwer, ein Tier aus meinem Stall notzutöten. Muss ich das „lernen“?

Nein. Niemand, der sich psychisch dazu nicht in der Lage sieht, muss im Notfall ein Tier selbst töten. Das sollte man sich dann aber eingestehen. Da man die Verantwortung für die eigenen Tiere hat, muss man dann vorsorgen.

Im Notfall muss eine andere Person die Nottötung durchführen können. Das kann der bestandsbetreuende Tierarzt sein oder auch jemand auf dem Betrieb, der sich dazu in der Lage sieht und die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten hat.

2. Was genau bedeutet hierbei „Kenntnisse und Fähigkeiten“?

„Kenntnisse“ bedeutet, dass der Tierhalter über das theoretische Wissen verfügen muss, wie die von ihm gewählten Betäubungs- und Tötungsmethoden funktionieren. Dazu muss er die Geräte und Techniken sowie Risiken und Fehlermöglichkeiten der Verfahren kennen und  wissen, wie Schmerzen und Leiden der Tiere bei der Nottötung bestmöglich vermieden werden können. Auch die rechtlichen Grundlagen sollte er kennen.

Unter „Fähigkeiten“ versteht man, dass man körperlich und geistig in der Lage sein muss, die Betäubung und Tötung eines Tieres durchzuführen und bereits Erfahrungen mit dem jeweiligen Verfahren hat.

Einem Mäster mit einem großen Bestand teilte das zuständige Veterinäramt auf Anfrage mit, dass er einen Sachkundenachweis zur Nottötung vorlegen muss?

In der Regel geht man davon aus, dass Nottötungen nur im Einzelfall und im eigenen Tierbestand durchgeführt werden. Bei einem sehr großen Schweinebestand gehen jedoch einige Veterinärämter davon aus, dass bei vergleichbarem prozentualen Anteil von  erkrankten und verletzten Tieren „regelmäßig“ Schweine notgetötet werden müssen. Und dann ist laut Tierschutzgesetz ein Nachweis der Sachkunde  erforderlich. Es ist jedoch keine genaue Bestandsgröße festgelegt, ab wann das gilt. Man sollte dazu das zuständige Veterinäramt ansprechen.  

4. Dürfen Jäger Schweine mit ihrer Waffe nottöten?

Grundsätzlich ist der Kugelschuss laut Tierschutz-Schlachtverordnung unter bestimmten Vorausetzungen zur Nottötung von Schweinen im Notfall erlaubt. Allerdings darf ein Jäger seine Schusswaffe ausschließlich zur Ausübung der Jagd führen. Setzt er seine Schusswaffe zur Nottötung von Schweinen ein, kann dieses zum Verlust des Jagdscheines führen.

5. Wenn Aussicht auf Genesung besteht, wird ein Tier zunächst behandelt. Gibt es dabei eine Mindest- oder Maximaldauer, bis eine Entscheidung zur Nottötung getroffen werden darf oder muss?

Nein, es gibt zur Behandlungsdauer keine festgelegten Zeitvorgaben. Das muss der Tierbetreuer immer im Einzelfall entscheiden und zwar jeden Tag neu. Je nach Tierzustand muss das auch mehrmals täglich neu entschieden werden. In der Regel gilt: Je erheblicher die Schmerzen des Tieres sind, desto schneller muss eine Nottötung erfolgen.

Auch bei länger anhaltenden Schmerzen und Leiden muss ein Schwein unbedingt erlöst werden, sobald durch die Behandlung keine Genesung mehr zu erwarten ist. Wichtig ist, die Behandlungen und Kontrollen der Tiere genau zu dokumentieren.

6. Wenn ein Schwein nur noch auf drei Beinen läuft wegen einer chronischen Gelenkentzündung, es aber frisst und trinkt, muss es dann notgetötet werden?

Bei einer behandelten, aber nicht zu kurierenden Gelenkentzündung und wenn das Tier die betroffene Gliedmaße nicht mehr benutzt, ist von erheblichen Schmerzen und Leiden auszugehen. Das Tier muss unverzüglich notgetötet werden.

7. Reicht das übliche Bolzenschussgerät auch für Alteber oder schwere Altsauen?

Die Betäubung von Altsauen und Altebern mit den bei Schweinen üblichen Bolzenschussapparaten kann problematisch sein, da der Schädelknochen bei älteren Schweinen im Vergleich zu Mastschweinen sehr viel dicker sein kann.

Die Bolzenaustrittslänge ist dann oft nicht ausreichend, sodass man besser Geräte mit einer Bolzenaustrittslänge von mindestens 100 mm verwenden sollte, wie sie etwa für Rinder üblich sind. Auch muss auf eine ausreichende Ladungsstärke der Kartusche geachtet werden.

8. Sind bei der Verwendung einer Elektrozange besondere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, weil mit Strom gearbeitet wird?

Grundsätzlich müssen natürlich die Sicherheitsangaben der Hersteller beachtet werden und auch generell ist im Umgang mit elektrischen Geräten besondere Vorsicht geboten:

  • Es sollte darauf geachtet werden, dass der Strom, der zwischen den beiden Elektroden fließt, nicht durch andere leitfähige Materialien, etwa die Buchteneinrichtigung aus Metall, abgeleitet wird.
  • Während der Benutzung, also wenn Strom zwischen den Elektroden fließt, sollten weder andere Schweine noch Menschen das Tier oder die Zange im Bereich der Elektroden berühren.
  • Eine Gefahr geht insbesondere von defekten Geräten, zum Beispiel von offen liegenden Kabeln aus. Diese müssen durch den Hersteller oder einen Fachelektriker repariert werden.
Mit Material von Dr. Carolin Holling, Tierärztin beim Schweinegesundheitsdienst der LWK Niedersachsen
Auch interessant