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Geflügel

Sorge um sinkende Rentabilitäten

von , am
11.12.2013

Ob Boden-, Freiland- oder Biohaltung - Den Hennenhaltern machen derzeit neben den stark gestiegenen Futterpreisen auch die aktuell noch sinkenden Eierpreise zunehmend zu schaffen.

Die Wirtschaftlichkeit in der Legehennenhaltung ist sowohl für Freiland- als auch für Bodenhaltungen deutlich gesunken. © Diekmann-Lenartz
Nach dem Verbot der Käfighaltung in Deutschland sind gerade auch im Emsland und in der Grafschaft Bentheim eine ganze Reihe von landwirtschaftlichen Betrieben neu in die Eiererzeugung eingestiegen. Die Interessengemeinschaft alternative Hühnerhaltung, IAH e.V., wurde 2006 von Neueinsteigern in der Region Emsland/Grafschaft Bentheim gegründet, um vor Ort einen fachlichen Austausch zu ermöglichen und zum Beispiel auch als Ansprechpartner für Behörden zu fungieren. Heute gehören ca. 60 Betriebe zur IAH, die insgesamt 1,8 Mio. Legehennen halten.

Wie der Vorsitzende Jan-Henning Legtenborg bei der jüngsten Mitgliederversammlung vergangene Woche in Wietmarschen betonte, verstehe man sich nicht als Gegenorganisation zu bestehenden berufsständischen Vertretungen, sondern wolle die Zusammenarbeit und den Austausch vor Ort stärken. Unter diesem Gesichtspunkt wurden vor zwei Jahren denn auch drei Arbeitskreise innerhalb der IAH gegründet.

Fachliche Betreuung

Deren fachliche Betreuung liegt beim Beratungsring Grafschaft Bentheim, bzw. bei Annika Janssen von der LWK Niedersachsen. Manfred Schöttmer, Beratungsring Grafschaft Bentheim, stellte einige aktuelle Zahlen vor. Eine große Belastung in wirtschaftlicher Hinsicht sind für alle Betriebe die massiv gestiegenen Futterkosten. Lag der Preis für Legehennenfutter 2009 noch bei im Schnitt 25,11 ?/dt, so waren 2013 35,59 ? zu zahlen.

Leider sind die Eiererlöse nicht entsprechend mit gestiegen, hier gibt es eine rückläufige Entwicklung. Anhand einer Beispielrechnung zeigte Schöttmer auf, wie sich noch weiter sinkende Eierpreise auf die Wirtschaftlichkeit auswirken werden (siehe Tabelle, gerechnet wurde mit Bruttopreisen, nur Eiererlöse verändert, alle anderen Kostenfaktoren blieben gleich).

Eine Wirtschaftlichkeit ist laut Schöttmer dann für einen Großteil der Betriebe nicht mehr gegeben. Da es zwischen den Betrieben aber auch immer noch große Unterschiede bezüglich der Leistungen gibt, appellierte er an die Legehennenhalter, alle Reserven im Betrieb zu mobilisieren.

Sorge bereiten den Legehennenhaltern die abnehmenden Eiererlöse auch vor dem Hintergrund, dass weitere negative Einflüsse auf die Kosten- bzw. Marktsituation zu erwarten sind. Nach wie vor dürfen nach Deutschland Eier aus Käfighaltung für Eiprodukte, Eipulver etc. eingeführt werden und die Wirtschaft bedient sich aus Kostengründen auch dieser Importe. Dieses Marktsegment fällt für die hiesigen alternativen Erzeuger quasi weg.

Stark in der Diskussion ist das Verbot des Schnabelkupierens. Fachleute sind sich zwar einig, dass der "Stein der Weisen" noch nicht gefunden wurde, wie Kannibalismus und Federpicken zuverlässig vermieden werden können. Dennoch steht das Verbot an. Da bei unkupierten Tieren auf jeden Fall ein erhöhter Betreuungsaufwand und ggf. auch mehr Platz pro Tier anzusetzen sind, werden die Produktionskosten steigen. Ob der Handel bereit ist, diese Mehrkosten zu tragen, wurde in Wietmarschen stark in Frage gestellt. Generell wurden europaweite Regelungen gefordert und keine regionalen Alleingänge.
Einen Weg wie in Österreich, wo mit dem Ausstieg aus dem Schnabelkupieren höhere Preise zusammen mit dem Handel festgelegt wurden und auch fast ausschließlich einheimische Eier in den Regalen des Handels zu finden sind, wurde für Deutschland als unrealistisch angesehen.

LAVES-Kontrollen

Breiten Raum nahm auf der Mitgliederversammlung die Beratung darüber ein, wie damit umzugehen ist, dass es bei Kontrollen des LAVES offensichtlich unterschiedliche Sichtweisen zur Auslaufgestaltung oder zur Größe der Unterstände gibt. Die IAH will diesbezüglich das Gespräch mit dem LAVES suchen, inwieweit hierzu verbindliche schriftliche Vorgaben zur Verfügung gestellt werden können.

Referent bei der IAH war Caspar von der Crone, Geschäftsführer des KAT - Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen e.V. Ca. 95 % aller Konsumeier in Deutschland haben eine KAT-Zertifizierung. Wie von der Crone informierte, gehen die Bestrebungen von KAT dahin, auch für Industrieware eine Zertifizierung und damit eine Kennzeichnung zu etablieren. Er stellte zudem Neuerungen bei KAT vor. So können etwa Betriebe ihre Zertifizierungsstelle künftig selbst auswählen.

Zu Gast in Wietmarschen war auch der neu gewählte Vorsitzende der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, NGW, Friedrich-Otto Ripke.  Angesichts der vielen Herausforderungen warb er für eine gemeinsame Interessenvertretung aller Geflügelhalter.
 
Nachfolgend finden Sie die Tabelle zum Herunterladen:
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