Login
Niedersachsen

Staatsanwaltschaft: Legehennenbetriebe ahnten nichts von Fipronil

Dieser Artikel ist zuerst in der LAND & Forst erschienen.

Jetzt testen und kennenlernen - mit unseren besonderen Angeboten!

Mit Fipronil verseuchte Eier aus einem niedersächsischen Legehennenbetrieb stehen im Lager bis zur Entsorgung.
Mit Fipronil verseuchte Eier aus einem niedersächsischen Legehennenbetrieb stehen im Lager bis zur Entsorgung. © Christa Diekmann-Lenartz
von , am
08.08.2017

Gegen fünf niedersächsische Legehennenbetriebe wird wegen der Fipronilnachweise in Eiern ermittelt. Ein Dienstleister hatte illegal Reinigungsmittel eingesetzt.

Gestern wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft jetzt gegen die gesperrten fünf niedersächsischen Betriebe ermittelt, auf denen von einem niederländischen Dienstleister die illegale Reinigungsmixtur mit Fipronil-Anteilen eingesetzt wurde.

Die Staatsanwaltschaft räumte dabei ein, dass bei den deutschen Legehennenhaltern das Produkt anscheinend zum Einsatz gekommen ist, ohne dass diese von dem unerlaubten Zusatz wussten. Drei Betriebe liegen in der Grafschaft Bentheim, einer im Emsland und einer im Landkreis Leer.

In den drei Landkreisen mit betroffenen Betrieben nehmen die Veterinärbehörden seit vergangener Woche auch Proben aus anderen Betrieben – eine Vorsorgemaßnahme, die vom niedersächsischen Landwirtschaftsministerium angeordnet wurde. Bis heute waren alle Proben negativ. In anderen Landkreisen werden Packstellen beprobt.

Landvolk: Landwirte müssen sich auf Qualität von Dienstleistern verlassen können

Der Präsident des Landvolks Niedersachsen, Werner Hilse, hat die vorgelagerten Anbieter und Dienstleister in die Verantwortung genommen. „Wir Landwirte müssen uns darauf verlassen können, dass die von uns eingekauften Produkte sowie die damit angebotenen Dienstleistungen einwandfreie Qualität liefern“, erklärte Hilse in Hannover.

Er bezog sich damit auf den Einsatz von Desinfektionsmitteln, die als Quelle der Fipronilbelastungen gelten. Hilse sieht den einzelnen Landwirt überfordert, wenn er Vorlieferanten oder Dienstleistungsunternehmen danach bewerten solle, ob sie alle lebensmittelrechtlichen Vorschriften einhielten.

Hilse: Legehennenhalter müssen entschädigt werden

Der für die Landwirte entstandene Schaden muss aus Sicht des Landvolkpräsidenten zivilrechtlich entschädigt werden, wenn der unzulässige Einsatz von Fipronil ohne deren Wissen erfolgt sei.

Zugleich regte Hilse weiterreichende Hilfen an, und zwar für die Fälle, in denen die Bauern durch den entstandenen Schaden vor existenzielle Probleme gestellt würden. Das setze allerdings zunächst eine schnelle und umfangreiche Aufklärung der Hintergründe voraus.

KAT: Hoher Millionenschaden für Legehennenhalter

Der Fipronil-Skandal wird nach Einschätzung des Eierzertifizierers KAT (Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen) einen hohen Millionenschaden bei Legehennenhaltern in Deutschland und den Niederlanden hinterlassen. Das sagte im Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ Friedrich-Otto Ripke.

Der Vorsitzende sowohl von KAT als auch von der Niedersächsischen Geflügelwirtschaft, NGW, betonte, dass Verbraucher jetzt wieder unbesorgt Schaleneier deutscher Betriebe kaufen könnten. „Es gelangen keine belasteten Eier mehr frisch in den Handel.“

BfR: Verbraucher akut nicht gefährdet

Fipronil wird in der Veterinärmedizin zur Bekämpfung etwa von Flöhen und Zecken bei Hunden und Katzen verwendet. Es ist jedoch als Arzneimittel für die Anwendung bei Lebensmittel liefernden Tieren verboten.

In seiner Risikobewertung kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zwar zu dem Ergebnis, dass eine akute gesundheitliche Gefahr für die deutschen Verbraucher nahezu auszuschließen sei. Die gesetzeswidrige Beimischung von Fipronil sei aber nicht hinzunehmen, so das BfR.

Vor gut einer Woche hatte es die ersten Meldungen aus Belgien und den Niederlanden gegeben, dass dort in Eiern Rückstände des Insektizids Fipronil gefunden worden waren und Legehennenbetriebe gesperrt wurden.

Laut Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer gelangten ca.10 Mio. belastete Eier aus den Niederlanden nach Deutschland. Die amtliche Lebensmittelwarnung aktualisiert ständig die betroffenen Chargennummern unter www.lebensmittelwarnung.de.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 32/17 auf Seite 52 und 53. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

 

Mit Material von dpa, Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium
Auch interessant