Login
Sonstiges

Stallapotheke: Fragen Sie Ihren Arzt und Apotheker

von , am
05.06.2013

Der Einsatz von Medikamenten im Stall: Bei Nichtbeachtung bestehender Verordnungen kann sich eine Cross Compliance Relevanz ergeben. Wir haben die wichtigsten Regelungen für Sie zusammengefasst.

Gute Lösung: alles, was rund um die Geburt eventuell benötigt wird, ist in einem sauberen Transportbehältnis untergebracht. © Henke
Der Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung ist ein sensibles Thema in der öffentlichen Diskussion. Er ist im Arzneimittelgesetz (AMG) und verschiedenen Verordnungen geregelt. Tierarzneimittel können freiverkäuflich oder apothekenpflichtig sein. Für zahlreiche Tierarzneimittel besteht jedoch sogar eine Verschreibungspflicht. Der Tierarzt darf an den Landwirt nur im Rahmen einer ordnungsgemäßen Behandlung und nur die für den jeweiligen Behandlungsfall erforderliche Menge an Arzneimitteln abgeben. Das bedeutet: der Tierarzt kommt, schaut sich die kranken Tiere an, stellt eine Diagnose und leitet eine Behandlung ein. Er darf dann zur Fortsetzung der eingeleiteten Behandlung dem Landwirt die dafür erforderlichen Medikamente verschreiben. Eine Bevorratung von verschreibungspflichtigen Medikamenten ist verboten.
 
Der Tierarzt ist außerdem verpflichtet, den Behandlungserfolg zu kontrollieren. "7-Tage-Regelung" Für die Abgabemenge gilt: bei systemisch wirksamen Antibiotika darf der Tierarzt dem Tierhalter nur die Menge des Medikaments für den Bedarf von sieben Tagen ab Abgabe überlassen ("7-Tage-Regelung"). Einen absoluten Sonderfall der "7-Tage-Regelung" stellen Antibiotika dar, deren Zulassungsbedingung eine längere Anwendung als sieben Tage vorsehen. Andere Medikamente dürfen in einer Menge, die für bis zu 31 Tage ab Beginn der Therapie reicht, abgegeben werden ("31-Tage-Regelung"). Dazu zählen zum Beispiel lokale Antibiotika (wie etwa Trockensteller), Antiparasitika (Wurmkuren) und Hormone. Auch Impfstoffe dürfen an den Tierhalter abgeben werden. Die Impfstoffabgabe an den Tierhalter muss durch den bestandsbetreuenden Tierarzt beim zuständigen Veterinäramt angezeigt werden. Der Tierhalter erhält von seinem Tierarzt einen Impfplan, der die Lagerungs- und Anwendungshinweise enthält. Zudem muss er ein Impfkontrollbuch führen, dass vom betreuenden Tierarzt regelmäßig zu kontrollieren ist. Impfstoffe dürfen für einen Zeitraum von vier Monaten abgegeben werden. Der Tierarzt hat bei der Abgabe einen Anwendungs- und Abgabebeleg zu erstellen und dem Landwirt auszuhändigen.
 
Der Landwirt hat in seinem Bestandsbuch die Anzahl, Art und Identität der behandelten Tiere, deren Standort, die Arzneimittelbezeichnung, die Belegnummer, die verabreichte Menge des Arzneimittels, das Datum der Anwendung, die Wartezeit und den Namen der Person, die das Arzneimittel angewendet hat, zu dokumentieren. Diese Dokumente sind mindestens fünf Jahre lang aufzubewahren.
 
Im Betrieb vorhandene Medikamente sollten kühl, trocken und dunkel aufbewahrt werden. Fremde Dritte und vor allem Kinder dürfen keinen Zugang zu den Medikamenten haben. Arzneimittel sollten vor Schmutz, Feuchtigkeit, Licht, Hitze und Frost geschützt werden, damit ihre Wirksamkeit erhalten bleibt. Empfehlenswert ist die Lagerung in einem abschließbaren Schrank und bei kühlpflichtigen Medikamenten (etwa Impfstoffen) in einem Kühlschrank (2-8°C).
 
Eindeutig identifizierbar
 
Nichts zu suchen haben Medikamente im Stall in einzelnen Abteilen auf Buchtenwänden oder Fensterbänken! Alle im Stall vorhandenen Medikamente (auch Anbrüche) müssen einem Anwendungs- und Abgabebeleg zugeordnet werden können. Medikamente müssen zudem eine eindeutig lesbare Etikettierung haben. Wenn sie nicht (mehr) eindeutig identifizierbar sind, müssen sie aussortiert werden!  Anbrüche sind im Rahmen der Behandlungs-  oder Impfpläne zügig aufzubrauchen, um Wirksamkeitsverluste und Verkeimung zu vermeiden. Alle vier Wochen sollten sie nach Verfall und nach Verwertbarkeit kontrolliert werden.
 
Medikamente, die im Rahmen einer Therapie übrig geblieben sind, dürfen im Besitz des Tierhalters bleiben. Er hat diese erworben, das heißt sie stellen sein Eigentum dar. Aus Gründen der Tierseuchenhygiene sollten Medikamente aus dem Betrieb nicht zurück genommen werden, um an anderer Stelle wieder zum Einsatz zu kommen. Der Tierarzt kann sie folglich nur zurücknehmen, um sie dann zu entsorgen.
 
Mischen impossible
 
Vorhandene Medikamente darf der Landwirt jedoch nicht ohne Anweisung des Tierarztes bei seinen Tieren anwenden.  Der Tierarzt kann solche Medikamente "nachverschreiben", das heißt, er muss genau wie oben beschrieben eine Diagnose stellen, eine Behandlung beginnen, die der Landwirt fortführt und den Behandlungserfolg später kontrollieren. So können Arzneimittel dann wieder, in dem Bestand, in dem sie ursprünglich abgegeben wurden, eingesetzt werden. Das Zusammenmischen von mehreren Arzneimitteln ist per Definition eine Herstellung eines neuen Arzneimittels. Diese Herstellung ist nur dem Tierarzt gestattet, und auch nur dann, wenn er die Tiere selber behandelt. Die Abgabe von Mischungen an den Tierhalter ist nicht erlaubt. Das Mischen von Medikamenten und die Anwendung von Mischungen durch den Landwirt sind verboten.
 
Injektionspräparate können die unterschiedlichsten Lösungsmittel enthalten. Viele sind einfach nicht zusammen verträglich, einige verlieren in Kombination mit einem anderen Medikament ihre Wirkung, so dass das Mischen von Arzneimitteln nicht nur verboten ist, es macht vielfach halt auch keinen Sinn. Die einzige Ausnahme dieser Regel stellt momentan zwei Impfstoffe (gegen Mycoplasma hyopneumoniae und porcines Circovirus) dar, die laut Zulassung gemischt werden können und dürfen. Dieses Mischen darf auch durch den Landwirt erfolgen und auch angewendet werden.
 
Auf die Hygiene achten
 
Um eine Verschleppung von Krankheitserregern zu vermeiden, sollte immer mit einer sauberen Kanüle etwas aus einer Flasche entnommen werden. Neben dem Einsatz von Aufsteckspritzen haben sich für die Entnahme aus einer Flasche sogenannte "Spikes" bewährt. Benutzte Kanülen dürfen nie in den Flaschen steckengelassen werden. Sie bieten sonst Erregern einfachen Zugang. Vor allem sind Impfstoffe bzw. Impfstoffanbrüche durch eine unsaubere Entnahme äußerst empfindlich für bakterielle Erreger. Als Beispiel sind hier Clostridien zu nennen. Diese gelangen dann bei der nächsten Entnahme per Injektion ins Tier, und lösen eine Infektion aus. Im schlimmsten Fall können die Tiere aufgrund einer Infektion nach der Impfung verenden. Auch am Tier sollten stets sterile Injektionskanülen benutzt werden. Es ist zu empfehlen, mit Einmalkanülen zu arbeiten und diese regelmäßig (zum Beispiel im Abferkelstall nach jedem Wurf) zu wechseln. So wird die Möglichkeit einer Krankheitsübertragung von einer Tiergruppe zur anderen vermindert.
 
Fazit: Der Einsatz von Medikamenten in der Tierhaltung ist ein sensibles Thema in der öffentlichen Diskussion. Bei erkrankten Tieren ist nach Diagnose und Erstbehandlung eine Weiterbehandlung durch den Tierhalter unverzichtbar. Gleiches gilt für Impfungen zur Vorsorge. Die Gesellschaft verlangt dabei zu Recht stets einen extrem verantwortungsbewussten Umgang bei der Anwendung im Stall. Die Verordnungen dazu stellen geltendes Recht dar - deren Nicht-Beachtung schnell Cross Compliance Relevanz haben kann.
 
Auch interessant