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Schwein

Starthilfe für die Kleinsten lohnt

von , am
06.03.2013

Durch den züchterischen Fortschritt der vergangenen Jahre sind Wurfgrößen von über 17 Ferkeln heute keine Seltenheit mehr. Wie Sie bei geringen Geburtsgewichten sinnvoll handeln, lesen Sie hier.

Durch die gestiegene Fruchtbarkeit der Sauen wird es teilweise „eng“ am Gesäuge, ein gutes Management unterstützt die kleineren Ferkel. © agrarfoto.com

Geringe Geburtsgewichte stellen eine der Hauptursachen für hohe Ferkelverluste bis zum Absetzen dar. Liegen sie unter 800 g, so beträgt das Verlustrisiko über 60 %. Für eine erfolgreiche Aufzucht muss das Management also nicht nur an eine hohe Anzahl Ferkel, sondern auch an die zunehmend geringeren Gewichte angepasst werden.

Geburten einleiten

Die Trächtigkeitsdauer unsere Sauen hat sich auch wegen der größeren Wurfgrößen in den vergangenen Jahren verlängert. Bei einer zu frühen Geburtseinleitung treten dann vermehrt untergewichtige Ferkel auf. Ihnen fehlen die letzten Tage im Mutterleib. Als Richtwert gilt: Erst mit der Synchronisation beginnen, wenn 50 % der Sauen einer Gruppe komplett abgeferkelt haben. Die nach dem zehnten Ferkel geborenen Tiere sind im Schnitt 50 g leichter als ihre zuvor geborenen Wurfgeschwister.

Ein zügiger Ablauf der Geburt ist überlebenswichtig für die Ferkel und nimmt entscheidenden Einfluss auf die Verlustraten. Gerade gegen Ende der Geburt fehlt den Sauen oft die Kraft zu pressen, so dass es zu Verzögerungen und  zu einem langen Aufenthalt der Ferkel im Geburtskanal kommt. Demnach sind es mehrheitlich die leichteren Ferkel, die während der Geburt unter Sauerstoffmangel leiden oder bei der Geburt sterben.
Wird das doppelte Zeitintervall einer normalen Geburt (also 2 x 15-20 Minuten) überschritten, muss Geburtshilfe geleistet werden. Ein rechtzeitiges Eingreifen ist überlebenswichtig und verbessert den  Start für die Neugeborenen.

Geburtsüberwachung

Nicht zu unterschätzen ist der Anteil an Ferkeln, die sich nach der Geburt noch in der Fruchthülle befinden. Nur bei einer konsequenten Geburtsüberwachung (auch nachts!) und schnellem Eingreifen können diese Tiere vor dem Erstickungstod gerettet werden. Das neugeborene Ferkel wird über die Kolostralmilch mit Immunglobulinen versorgt, die bekanntlich passiv immunisieren und vor Infektionskrankheiten schützen. Aber das Kolostrum stellt auch die erste Energieversorgung dar, die zur Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels und der Körpertemperatur von Bedeutung ist. Da der Globulin- und Vitamingehalt des Kolostrums mit zunehmender Milchsekretion nach der Geburt abnimmt, ist ein wirksamer Schutz des Neugeborenen nur über eine frühzeitige Kolostralmilchaufnahme zu erreichen. Im Schnitt produziert eine Sau 3,3 bis 3,7 kg Kolostralmilch pro Wurf, so dass jedem Ferkel ca. 250 g zur Verfügung stehen.

Im Fekelnest fixieren

Um möglichst vielen Ferkeln die Möglichkeit zu geben, von dem begrenzten Kolostrum aufzunehmen, ist es sinnvoll, die ersten sechs bis acht Ferkel eines Wurfes mit einem Farbstift zu markieren. Diese Ferkel werden nach Abschluss der Geburt für zwei Stunden im Ferkelnest fixiert. Dann kommen die zuletzt geborenen Ferkel ebenfalls in den Genuss des Kolostrums und müssen nicht mit ihren älteren Wurfgeschwistern um einen Platz am Gesäuge ringen.  

Der Weg des neugeborenen Ferkels zum Gesäuge sollte zügig zurückgelegt werden. Bei Bedarf müssen die Ferkel an das Gesäuge angesetzt werden. Der Darm der Neugeborenen ist nur für kurze Zeit für die hochmolekularen Stoffe des Kolostrums durchlässig. Innerhalb von drei Stunden nach der Geburt geht die Absorptionsfähigkeit um die Hälfte zurück. Dieses Zeitfenster ist für kleinere und schwächere Ferkel ohne Hilfe nicht immer einzuhalten.

In der Praxis hat es sich bewährt, kleine Ferkel mit Kolostrum zu drenchen. Hierfür wird etwas Milch der Mutter in einen sauberen Becher gemolken. Die Milch wird mit Hilfe einer Spritze in das Maul des Ferkels gegeben. Das Kolostrum wirkt Wunder und bringt fast jedes Ferkel auf die Beine.

Wer auf das Abmelken des Muttertieres verzichten möchte, kann mit Energiepasten arbeiten. Diese kommen vor allem in großen Anlagen zum Einsatz, in denen ausreichend Personal vorhanden ist. Es wird den kleinen, lebensschwachen Ferkeln innerhalb der ersten 24 Stunden oral verabreicht. Die Erfahrungen, ob diese Pasten helfen, gehen jedoch auseinander - ggf. hilft nur ein eigener Test.

Auskühlen vermeiden

Die Beschaffenheit des Stalles und das Klima spielen bei der Geburt eine entscheidende Rolle. Neugeborene sind noch nicht in der Lage, sich selbst warm zu halten. Kleine schwache Ferkel sollten direkt nach der Geburt zum Aufwärmen in das >30° C warme Ferkelnest gesetzt werden, um ein Auskühlen zu vermeiden.

Sollte ein Ferkel unregelmäßig atmen, kann es hilfreich sein, es vorsichtig kopfüber zu schütteln. Auch eine Herzmassage durch strampelhaftes Bewegen der Vorderbeine hat sich bewährt. Innerhalb weniger Minuten nach der Geburt sollte ein Ferkel eigenständig aufstehen. Sollten die Ferkel so stark spreizen, dass eine Fixierung der Beine mit Klebeband nicht mehr möglich ist, oder schwerwiegende Anomalien aufweisen, so hilft eine frühzeitige Erlösung der Tiere nicht nur dem Personal. Es bringt auch Ruhe in den Abferkelstall.

Mit dem Versetzen der Ferkel innerhalb der Abferkelgruppe darf frühestens nach Abschluss der ersten zwölf Lebensstunden begonnen werden. Nur dann kann man sicher sein, dass die Ferkel ausreichend Kolostrum aufgenommen haben. Im ersten Schritt sollten die überschüssigen Ferkel durch den Wurfausgleich bei anderen Sauen der Abferkelgruppe untergebracht werden. Je größer die Abferkelgruppe ist, umso einfacher ist dies durchführbar.

Für das Versetzen an eine andere Sau sollten die vitalsten Ferkel ausgesucht werden, da sie im Vergleich zu den schwächeren Ferkeln ein besseres Durchsetzungsvermögen im neuen Wurf aufweisen.

Neugruppierung

Auch das Absammeln kleiner Ferkel und eine Neugruppierung an einer Zweiten-Wurf-Sau hat sich bewährt. Bei der Auswahl der Ammensau muss nicht nur die vorangegangene Leistung, sondern auch das Gesäuge beachtet werden. Wichtig ist, dass die Sau über eine ausreichende Anzahl funktionsfähiger Zitzen verfügt. Strichdicke und -länge sowie der Abstand der beiden Gesäugeleisten zueinander sollten  mit berücksichtigt werden.

Ferkelmilch ist mittlerweile in fast jedem Sauen haltenden Betrieb zu finden. In einigen Betrieben wird sie standardmäßig eingesetzt, in anderen nur bei abfallenden Würfen. Bei Milchmangel der Sau kann sie einer Konditionsverschlechterung der Ferkel entgegenwirken oder Ferkeln ohne festen Zitzenplatz als Zusatznahrung dienen.  Auch eine mutterlose Aufzucht ist mit vielen auf dem Markt befindlichen Milchen möglich.

Beim Abfall eines Wurfes kann es sinnvoll sein, den schwachen Wurf komplett mit einem starken Wurf zu tauschen. Häufig sind die guten Ferkel stark genug, dass Gesäuge der Sau so zu stimulieren, dass sie wieder mehr Milch produziert.

Fazit

Das Geburtsgewicht eines Ferkels ist ein entscheidender, aber nicht der einzige Vitalitätsfaktor. Bereits während der Geburt muss ein besonderes Augenmerk auf die kleinen Ferkel gelegt werden. Sie können sich bei richtigem Management zu guten Ferkeln entwickeln.
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