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Geflügel

Stress vermeiden oberstes Gebot

von , am
19.02.2013

Hähnchenmäster sollten das Umfeld für die Tiere optimal gestalten und jeden Stress vermeiden. Hier erfahren Sie mehr über wichtige "große und kleine Schrauben" zum Erfolg in der Hähnchenmast.

Zu wissen, ob Küken von jungen Elterntieren stammen oder von älteren Herden, erleichert das Management beim Mäster. © agrar-press

Dr. Gerwin Bouwhuis ist Geflügelfachtierarzt im niederländischen Emmen, betreut jedoch auch Hähnchenmastbetriebe diesseits der Grenze. Er referierte vergangene Woche beim Verein Landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen Meppen über die "kleinen und großen Schrauben", die über Erfolg oder Mißerfolg in der Hähnchenmast entscheiden.

Die Faktoren Genetik und Futter/Futterzusammensetzung können vom Hähnchenmäster selbst wenig beeinflußt werden. Das Management im Stall beinhaltet jedoch eine ganze Reihe von Punkten, die man im Blick haben muss, so der Tierarzt. Oberstes Gebot ist für ihn Stressvermeidung bei den Tieren: "Ruhe im Stall, Hygiene und Regelmäßigkeit", nannte er als Voraussetzung en für gesunde Tiere.

Wenn Hähnchen Stress haben, wachsen sie nicht gut, sondern benötigen ihre Energie zur "Stressbewältigung". Tiere, die sich nicht wohl fühlen, sind anfälliger für Krankheiten, haben eine geringere Darmaktivität und zum Beispiel eine höhere Atemfrequenz, die Energie kostet, sagte Bouwhuis. Um die Größenordnung deutlich zu machen, hatte er gerechnet: "Eine um einen Punkt schlechtere Futterverwertung kostet etwa 3.000 € pro Stall".

Sechs Dunkelphasen

Optimiert sein im Hähnchenmaststall sollten Licht, Luft, Wasser- und Futterversorgung, die Einstreu und die Hygiene. Er empfahl zum Beispiel sechs Dunkelphasen pro Tag. Die regelmäßigen Dunkelphasen seien unverzichtbar, da in dieser Zeit Immunität und Knochenaufbau stimuliert werden.

Neben der Zeitdauer der Licht-/Dunkelphasen ist auch die Lichtintensität zu beachten: „Ist der Stall zu hell, kann die Futteraufnahme zu hoch werden, die Tiere sind nervös, verletzen sich ggf. Ist der Stall jedoch zu dunkel, ist die Futteraufnahme nicht hoch genug und die Einstreu wird nicht umgesetzt, weil die Tiere nicht aktiv genug sind. Feuchte Einstreu kann die Folge sein.

Große Bedeutung maß der Niederländer dem Zusammenspiel Temperatur/Luftfeuchtigkeit bei. Er plädierte für eher etwas höhere Temperaturen im Stall, vor allem zu Beginn der Mast, da es dann in der Regel weniger gesundheitliche Probleme gebe. Für Küken von jungen Elterntierherden sollte die Bodentemperatur beim Einstallen 30 bis 32 °C betragen, bei Küken von älteren Elterntierherden reichten in der Regel 28 bis 30 °C.

Er empfahl den  Hähnchenmästern, Informationen über die Elterntierherden und deren Gesundheitszustand einzufordern. Dann könne das Management des Durchgangs individuell angepasst werden. Mäster sollten auch die Körpertemperatur ihrer Tiere nach der Einstallung messen. Nach sechs Stunden im Stall sollte sie bei 40,5 °C liegen, 24 Stunden nach dem Einstallen bei 41 °C. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte bei Einstallung 65 % betragen. Zu Beginn der Mast bestehe die Gefahr, dass die Küken austrocknen, wenn die Luftfeuchtigkeit nicht ausreichend ist und die Einstreu zudem viel Feuchtigkeit aufnimmt.

Weizen als Regulativ

Die Futteraufnahme sollte laut Bouwhuis nicht mehr als 15 % über der Kurve liegen, bzw. die Tiere sollten der Kurve nicht mehr als zwei Tage voraus sein. Eine Regulierung der Mengensollte über das Lichtprogramm erfolgen, nicht über eine Futterrestriktion. Um Unruhe im Stall zu vermeiden, sollte man die Futterlinien in der Dunkelphase volllaufen lassen. Die vielfach übliche Beimischung von Weizen sollte als Instrument der Regulierung im Herdenmanagement genutzt werden: "Damit kann man spielen," so Bouwhuis.    
Über den aktuellen Stand des Niedersächsischen Tierschutzplans bezüglich der  Masthähnchen berichtete Silke Schierhold, Geflügelfachberaterin der LWK Niedersachsen. Sie äußerte die Hoffnung, dass die Facharbeit in den Arbeitskreisen nach dem Regierungswechsel unter Beteiligung der Wirtschaft und Landwirtschaft weitergeführt werde. Gesprächsbedarf sah sie vor allem noch bezüglich der Anforderungen zu einer Strukturierung des Stalles, der Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten und zum Anbieten von Beschäftigungsmaterial.
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