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Diepholz

Studium, Stallprojekt und ein Herz für Milchkühe

Familie Bartels
Jan-Gerd Ahlers, LAND & Forst
am
16.06.2019

Lena Bartels plante schon im Studium "ihren" neuen Stall für 120 Kühe. Zu Besuch bei der Familie in Staffhorst, Landkreis Diepholz, Niedersachsen.

Bereits im Studiums befasste sich Lena Bartels aus Staffhorst im Kreis Diepholz mit der Planung "ihres" neuen Stalles. 2012 war die Hofnachfolgerin mit dem Agrarstudium fertig. Die Einkünfte des Betriebes kamen bis dahin etwa zu je einem Drittel aus Ackerbau, Schweinehaltung und Rinderhaltung.

In der Bachelorarbeit befasste sich die umtriebige Landwirtin mit der Frage, ob künftig Kühe oder Schweine Hauptbetriebszweig sein sollten. Und weil die Herzen von Lena und ihrem Freund Steffen Hambruch  für Kühe schlagen, war die Entscheidung klar.

Boxenlaufstall mit Tandemmelkstand

Die Geschichte des Hofes lässt sich 400 Jahre zurückverfolgen. 1974 übernahmen Renate und Hermann Bartels den Betrieb: 37 ha, 30 Kühe mit Nachzucht, Anbindestall mit Absauganlage.

Nach und nach wurde aufgestockt und 1992 entstand ein Boxenlaufstall mit Tandemmelkstand für 70 Kühe. Gemeinsam mit Lena und Steffen leben sie auf dem Hof, wobei Steffen außerhalb des Betriebes berufstätig ist.

Neues Stallbauprojekt: Laufhof und breite Liegeboxen

Als erster Bauabschnitt zum neuen Stallbauprojekt für 120 Kühe entstanden 2016 neue Fahrsilos hinter dem alten Stall, 2017 war der Stall dran und 2018 schließlich bezugsfertig. Der Stall ist zu 20 % öffentlich gefördert. Zu den Auflagen gehörten u.a. ein Laufhof sowie breite Liegeboxen und Übergänge im Stall.

Während der Bauphase lud Familie Bartels mehrmals die Nachbarn ein, um sie auf dem Laufenden zu halten. "Wir haben uns über das Interesse, die Offenheit und die Unterstützung unserer Nachbarn sehr gefreut.", sind sich alle Familienmitglieder einig. Und die Nachbarn verfolgten die Bauentwicklung mit genauso viel Spannung wie Familie Bartels selbst.

Tiergesundheit und Tierwohl wichtig

Der neue Laufstall ist 40 x 50 m groß plus rund 200 qm Laufhof und hat zwei außen liegende Futtertische. "Die Kühe lieben frische Luft und Licht und gehen so öfter zum Fressen", nennt Lena Bartels den Grund für diese Ausführung. Die Tiergesundheit und das Tierwohl spielten bei der Stallplanung eine wichtige Rolle. Das zeigen auch die beiden Kuhbürsten, an denen sich meist mehrere Tiere gleichzeitig massieren lassen.

Der Stall ist komplett unterkellert und hat befahrbare Spalten. Überall gibt es Fressgitter, um die Kühe jederzeit fixieren zu können.

Spaltenroboter mit Sprühsystem

Ein Spaltenroboter mit einem 1,50 m breiten Schiebeschild verrichtet auf den Spalten und auf dem Laufhof rund um die Uhr seine Arbeit. Mit 100 l Wasser und einem Sprühsystem kann der Roboter auch unter trockenen Bedingungen gut reinigen. Durch die automatische Befüllung wird er ständig mit Wasser versorgt.

Durch zwei vorne und zwei hinten sitzende Sprühdüsen wird der Boden befeuchtet. Hauptvorteile sind weniger körperliche Arbeit und saubere Kühe. Trockene Laufflächen erhöhen zudem den Laufkomfort.

Die mit Stroh eingestreuten Tiefboxen werden regelmäßig gereinigt. Durch höhere Liegezeiten werden die Klauen entlastet und können abtrocknen; auch die Gelenke werden geschont.

Lichtkonzept mit LED-Lampen und Nachtbeleuchtung

Der freistehende Stall ist licht- und luftdurchflutet. Das Dach mit Wellfaserzementplatten ist nicht isoliert und es gibt keine Lichtplatten. Durch den First in 11 m Höhe ist ein reger Luftaustausch gewährleistet und auch in den Hitzemonaten 2018 dachte man nicht über den Einbau von zusätzlichen Lüftern nach. Über dem offenen First gibt es eine Lichtkuppel als Wetterschutz.

Die 4 m hohen Curtains reagieren automatisch über Wettersensor auf Wind, Regen und Temperatur. Wichtig gerade bei Roboterbetrieben ist ein Lichtkonzept, hier mit LED-Lampen mit 200 Lux und Nachtbeleuchtung.

Nach dem Melken vom Roboter direkt in den Stall

Die Kühe gehen nach dem Melken vom Roboter aus direkt in den Stall und nicht zum Futtertisch. Sie haben dort zwei der insgesamt fünf Tränken mit einer Troglänge von zusammen 16 m. Vor den beiden Robotern ist 5,50 m Platz.

Im Wartebereich darf es nicht zu eng sein, weil rangniedere Tiere den Melkroboter sonst seltener aufsuchen und nachgetrieben werden müssen. Auch der Ausgangsbereich muss ausreichend bemessen sein, damit es hier nicht zu einem Rückstau vor dem Ausgang des Roboters kommt.

Mehr über den Milchviehbetrieb der Familie Bartels lesen Sie in der LAND & Forst 03/19.

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