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Kommentar

Tierhaltung: Zwangspausieren oder Atem holen?

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Christa Diekmann-Lenartz, LAND & Forst
am
17.11.2016

Wieder Rekorde auf der EuroTier. Doch wie geht es mit der Tierhaltung bei uns weiter? LAND & Forst-Redakteurin Christa Diekmann-Lenartz hat sich Gedanken gemacht.

Christa Diekmann-Lenartz Porträt

Besucher- und Ausstellerzahlen sowie Internationalität: Die EuroTier 2016 verzeichnete erneut Rekordergebnisse. Sie ist unbestritten die weltweite Leitmesse für die Nutztierhaltung. Wer aber zum Beispiel durch die „Schweinehallen“ ging, traf nicht nur internationale Gäste, sondern auch viele bekannte Gesichter. Hiesige Schweinehalter, Berater oder Firmenmitarbeiter der Branche waren ebenfalls unterwegs, um sich ein Bild zu machen, was es an Neuem gibt.

Und daran mangelte es wieder nicht. Es wurden vielfältige Lösungen für „unsere“ Themen gezeigt: Bewegungsbuchten für den Abferkelstall, Möglichkeiten der Buchtenstrukturierung, Beschäftigungsmaterial, Abluftreinigung, Ferkelnarkose, N- und P-Reduzierung im Futter, Darmgesundheit und vieles mehr. Erfolgreiche Firmen wissen, was die Tierhalter brauchen und entwickeln entsprechende Produkte. So funktioniert Wirtschaft. Also, alles gut?

Wie sieht die Zukunft der Tierhaltung aus?

Leider nicht! Denn die besten Produkte nützen nichts, wenn die Betriebe kein Geld verdienen, um sie zu kaufen. Oder weil es keine Genehmigung für einen Stallumbau gibt. Oder weil man gar nicht weiß, wie man so bauen soll, dass künftige Gesetze eingehalten werden. Oder vielleicht auch, weil man sich fragt, ob die Spirale des Immer-weiter-Wachsens bei niedrigsten Margen noch der richtige Weg ist.

Hohe Tierdichten, Flächenknappheit, verschärftes Düngerecht, Emissionsschutz oder die kritische Haltung der Gesellschaft zur Intensivtierhaltung zwingen dazu, sich damit auseinanderzusetzen.

Umbau der Tierhaltung nötig

Das gilt ebenso für das Thema Tierwohl, auch wenn es da nicht immer um faktenbasierte Argumente geht. Fakt ist aber, dass die Politik das Maß der Veränderung in diesem Bereich bestimmen will. Die Politik war auf dieser EuroTier „gefühlt“ sehr präsent, es gab viele Diskussionsrunden, Vorträge und Veranstaltungen mit politischen Themen. Das ist richtig und wichtig für den Austausch.

Festzuhalten bleibt als Signal der Politik: Will die Tierhaltung hierzulande Bestand haben, ist ihr Umbau nötig. Die Firmen liefern dafür die technischen Lösungen. Die Tierhalter brauchen aber längerfristige Planungssicherheit, von Politik und von Marktpartnern. Das müssen sie einfordern.

Die Tierhalter benötigen aber auch Zeit und Geld für den Umbau. Sie müssen (und sollten) sich in Ruhe Gedanken darüber machen, welcher weitere Weg für sie passt. Dann könnte aus der verordneten Zwangspause eine sinnvolle Atempause werden, die der Branche neue Perspektiven eröffnet.

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