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Kommentar

Tierschutz in Schlachthöfen: Endlich durchgreifen!

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
08.11.2018

Schon wieder gibt es verstörende Bilder vom Umgang mit Nutztieren. Es ist Zeit für drastische Maßnahmen, findet LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

Gerade vier Wochen ist es her, seit Aufnahmen aus einem Schlachthof in Niedersachsen gröbste Verstöße gegen den Tierschutz belegten. Nun sind neue Bilder im Umlauf. Sie stammen von keinem Hinterhofabdecker, sondern aus einem großen Rinderschlachtbetrieb.

Nun könnte man über die zeitliche Nähe zur Leitmesse für die moderne Tierhaltung, der nächste Woche in Hannover beginnenden EuroTier, spekulieren. Es wäre jedoch Zeitverschwendung. Davon, dass in deutschen Unternehmen solche Rohheit im Umgang mit Tieren dokumentiert werden kann, sollte niemand ablenken.

Bestürzend: Aus Vorfällen nichts gelernt

Noch bestürzender als die Bilder selbst ist, dass aus den Vorfällen in Bad Iburg offenbar nichts gelernt wurde. Wieder haben amtliche Kontrolleure weggeschaut, hat das System der staatlichen Aufsicht offenkundig versagt. Wer Tierschutzorganisationen in dieser Situation vorwerfen möchte, mit fragwürdigen bis illegalen Methoden zu arbeiten, steht schnell auf verlorenem Posten.

Einbrüche in Ställe kein Kavaliersdelikt

Und doch heiligt der Zweck nicht die Mittel. Die politische Absicht, Einbrüche in die Ställe von Bauernfamilien nicht länger als Kavaliersdelikt zu behandeln, bleibt richtig. Aussicht auf Erfolg dürfte dem Vorhaben jedoch nur beschieden sein, wenn vorher einige in der Branche endlich ihre Hausaufgaben nachgeholt haben.

Zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zwingen

Da sind zunächst die Schlachtunternehmen selbst, die ihre Mitarbeiter wie jeder Arbeitgeber konsequent zur Einhaltung gesetzlicher Vorgaben zwingen müssen. Zudem kann das Versagen von staatlichen Kontrolleuren nun nicht mehr als Einzelfall abgetan werden. Hier muss deutlich mehr passieren, um den vor vielen Jahren begonnenen Rückzug der Kontrollbehörden umzukehren. Auch ein "schlanker" Staat muss handlungsfähig sein.

Frage nach dem Berufsethos der Kontrolleure

Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach dem Berufsethos der Kontrolleure. Hier sind auch die beruflichen Interessenvertretungen der Tierärzte gefordert. Sehr engagiert tragen sie zurzeit Bedenken dagegen vor, simple Handgriffe der Lokalanästhesie an geschulte Tierhalter zu übertragen.

Die gleiche Entschlossenheit würde man sich wünschen, wenn amtliche Veterinäre daran zu erinnern sind, schlicht und einfach ihren Job zu tun.

Großbritannien: Videoaufnahmen aus Schlachthöfen legal

In Großbritannien übrigens sind Videoaufnahmen aus Schlachthöfen seit dem Frühjahr völlig legal. Sie stammen allerdings aus betriebseigenen Überwachungskameras, die der Gesetzgeber dort fordert. Offenkundig ist es an der Zeit, über diese Form der Digitalisierung auch hierzulande ernsthaft nachzudenken. Das könnte helfen, illegales Handeln jeglicher Ausprägung zu unterbinden.

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