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Kommentar

Tierseuchenkasse: Als flächendeckendes Netzwerk bestens bewährt

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Ralf Stephan, LAND & Forst
am
01.09.2016

Seuchenzüge - der Albtraum der Gesellschaft: Die Arbeit der Tierseuchenkasse kann man deshalb nicht genug loben, findet LAND & Forst-Chefredakteur Ralf Stephan.

Tierseuchen, so meinen Historiker, gaben der Weltgeschichte schon so manches Mal eine unerwartete Wende. So soll die Rinderpest mitverantwortlich für den Untergang des Römischen Reiches sein. Den Anlass für den Sturm auf die Pariser Bastille, der die Französische Revolution einläutete, sehen Geschichtsexperten in der von ihr ausgelösten Hungersnot im Land.

Jahrhundertelang hielt die erst seit 2010 offiziell weltweit ausgerottete Seuche die Menschheit im Griff. Nach dem Untergang Roms vergingen noch einmal über tausend Jahre, bis ein Leibarzt des Papstes im Jahr 1715 empfahl, kranke Rinder zu töten und mit Branntkalk zu vergraben. Bauern, die sich nicht daran hielten, sollten aufgehängt, widerspenstige kirchliche Nutztierhalter auf die Galeere geschickt werden. Die drastischen Strafen wirkten jedoch nicht. Denn wer das Rind tötet, das ihm nicht nur Fleisch oder Milch liefern kann, sondern auch den Pflug zieht, hat ohnehin nichts mehr zu verlieren.

Wichtige Provinz vor Rinderseuche schützen

Erst Preußens Alter Fritz fand die Lösung. Die klugen unter seinen Beratern erkannten, warum Bauern nicht ihre Tiere opferten, um anderen das Überleben zu sichern: Es lag an der fehlenden Entschädigung. Schlesien im Siebenjährigen Krieg gemeinsam mit Kurhannover gegen die Österreicher zu verteidigen, hatte Preußen fast an den Rand der Existenz gebracht.

Die wichtige Provinz vor der Rinderseuche zu schützen, brauchte es aber mehr. So entstanden 1765 auf Erlass Friedrichs des Zweiten die ersten lokalen Zwangsversicherungen. Ihre Beiträge sollten die Verluste betroffener Bauern solidarisch kompensieren. Die Idee der Tierseuchenkasse war geboren und hielt auch in den Grafschaften Delmenhorst und Oldenburg Einzug.

Landesweite Tierseuchenkasse - eigenständig und bewährt

Noch einmal 200 Jahre später waren die auf dem Gebiet Niedersachsens tätigen Tierseuchenfonds an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit angekommen. Mit der Bildung der landesweiten Tierseuchenkasse wurde der Grundstein gelegt für eine Einrichtung, die auch in Zeiten konzentrierter Viehbestände, EU-weit gültiger Vorschriften und globaler Handelsströme reibungslos funktioniert.

Das Modell einer eigenständigen Anstalt, die nicht in die Landesverwaltung eingegliedert ist, hat sich bewährt. Nicht zuletzt, weil über die enge Beteiligung der Tierhalter und ihrer landesweit tätigen Verbände ein flächendeckendes Netzwerk besteht, das mit kleinem Verwaltungsaufwand Informationen schnell in beide Richtungen transportiert. Sachkundig besetzte Gremien sorgen dafür, dass Entscheidungen wissenschaftlich begründet und zugleich in der Praxis umsetzbar sind. Bei allem bleiben die Kosten überschaubar.

Was aus der Geschichte zu lernen ist? Es lässt sich unglaublich viel erreichen, wenn Politik und Praxis den Hebel an den richtigen Stellen ansetzen.

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