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Geflügel

Tierwohl messbar

von , am
21.01.2014

Das Tierwohllabel des Deutschen Tierschutzbundes wurde auf der Grünen Woche 2013 vorgestellt. Partner ist Wiesenhof mit seinem "Privathof"-Programm. Wir stellen die Inhalte vor.

Das Tierwohllabel des Deutschen Tierschutzbundes schreibt für Masthähnchen auch eine Anreicherung der Stallumwelt vor. © Wiesenhof
Mit dem Kauf von "Privathof"-Geflügel können Verbraucher ihrem Wunsch nach einer Haltung mit mehr Tierwohl nachkommen. Die Masthähnchen der Linie Cobb Sasso wachsen langsamer, haben mehr Platz und eine abwechslungsreiche Umgebung mit Strohballen, Picksteinen und Sitzstangen. Außerdem gibt es einen überdachten Wintergarten. Derzeit sind 44 Betriebe für das Tierwohllabel zertifiziert so Josef Bachmeier, Geschäftsführer der Brüterei Süd , Wiesenhof.

Forscher der Uni München haben die konventionelle Hähnchenhaltung (Ross 308) mit der Haltung von "Privathof"-Geflügel verglichen (je gut 20.000 Tiere). Neben der Gesundheitsbeurteilung - zu der der Ernährungs- und Befiederungszustand sowie die Fußballengesundheit gehören - wurden auch die Verhaltensweisen der Tiere analysiert. Das Stallklima wurde ebenfalls gemessen. Die Ergebnisse der Studie wurden jetzt vorgestellt.

Die Beurteilung am Schlachtband bezüglich des Vorkommens einer milden Ausprägung von Fersenhöckerveränderungen ergab ein durchschnittliches Auftreten von 14,2 % bei den Cobb Sasso-Tieren und von 30,7 % für die Tiere der Linie Ross 308. Schwerwiegende Veränderungen waren jeweils unter 1 % zu finden. Bezüglich des Parameters Pododermatitis konnte eine Prävalenz von 18,84 % (Cobb Sasso) und 25,40 % (Ross 308) für die jeweils milderen Ausprägungsgrade nachgewiesen werden. Tief reichende Läsionen traten bei 0,07 % (Cobb Sasso) und 3,36 % (Ross 308) der untersuchten Tiere auf.

Bei der Beurteilung der Lauffähigkeit kurz vor der Schlachtung zeigten 87,29 % der untersuchten Cobb Sasso-Tiere und 12,30 % der Ross 308-Linie eine unauffällige, agile Gangart, 12,00 % der Cobb Sasso und 69,33 % der Ross 308 zeigten eine leichte Ganganomalie. 0,57 % der Cobb Sasso-Tiere hatten eine definitive Ganganomalie, bei den Ross 308 waren es 13,83 %. 0,14 % der Cobb Sasso zeigten eine offensichtliche Abnormität in der Gangart mit Bewegungsbeeinträchtigung, bei den konventionell gehaltenen Tieren waren es 3,16 %.

Schwerwiegende Beeinträchtigungen, bei denen ausschließlich ein paar Schritte bewältigt werden konnten, bzw. die Tiere gehunfähig waren, kamen bei der Linie Cobb Sasso nicht vor und bei der Linie Ross 308 lediglich zu einem geringen Prozentsatz. Die Picksteine und Strohballen wurden von den „Privathof“-Tieren sehr gut  angenommen und sowohl als Deckungsmöglichkeit in den ersten Lebenstagen als auch als Beschäftigungsmaterial genutzt. Die Strohballen wurden zudem für erhöhtes Liegen und Ruhen angenommen. Der Wintergarten wurde bei gutem Wetter von den Masthühnern viel besucht.

Dr. Elke Rauch von der Uni München, die die Studie betreute, bewertete die alternative Haltungsform hinsichtlich Tiergesundheit und auch Tierverhalten sehr positiv.
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