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Rind

Trotz Quote gut gewachsen

von , am
24.07.2014

Die tschechische Milchquote wurde bisher häufig unterliefert. Ein Milchviehbetrieb wie Proagro in Radešínská Svratka konnte überliefern und ungehindert wachsen. Künftig fehlen dazu aber die Flächen.

Rade?ínská Svratka, der kleine Ort knapp 180 Kilometer südöstlich von Prag, ist die Fleckviehhauptstadt Tschechiens, erklärt Dr. Josef Kučera, Geschäftsführer des Tschechischen Zuchtverbands für Fleckvieh. Kein Wunder, denn allein auf dem Betrieb Proagro stehen 850 Fleckviehkühe plus Nachzucht. In ganz Tschechien gehören etwa 40 Prozent der Milchkühe zur Fleckviehrasse.
 
Bei Proagro wird neben der Milchproduktion auch die Zucht großgeschrieben. Zwei- bis dreimal jährlich werden die Tiere auf Schauen präsentiert. Proagro gehört zu den drei größten Zuchtbetrieben für Fleckviehbullen im Lande und hat in den vergangenen drei Jahren 27 Bullen vermarktet. Zusätzlich wurden 100 bis 120 tragende Färsen im Jahr verkauft.  
 
Das Zuchtziel ist klar definiert: "Gute Fundamente und gute Bemuskelung bei leicht steigender Milchleistung", sagt Roman ?ustáček, Präsident des Tschechischen Zuchtverbands für Fleckvieh und Miteigentümer von Proagro. "Deshalb setzen wir auch keine Montbéliards ein. Ihre Fundamente sind aus unserer Sicht nicht ausreichend gut." Durch diese Zuchtauswahl erreichte man auf dem Betrieb im vergangenen Jahr eine durchschnittliche Milchleistung von 8.400 kg. "Aber wir rechnen damit, dass unsere Herde in diesem Jahr im Durchschnitt 9.000 l geben wird", ergänzt Jaroslav Michal, Vorstandsvorsitzender von Proagro. Eine noch höhere Leistung will man nicht anstreben, um die Gesundheit und die Fruchtbarkeit der Herde zu erhalten.
 
Die Milch wird über eine Genossenschaft an verschiedene Molkereien vermarktet. Der Hauptabnehmer ist die zur Unternehmensgruppe Theo Müller gehörende Sachsenmilch Leppersdorf. "Wir haben im März umgerechnet 37 Cent/l Milch erhalten", berichtet Ludëk Homola, Buchhalter von Proagro. "Demgegenüber stehen Milcherzeugungskosten in Höhe von 30 Cent/l."
 
Die Personalkosten sind dabei der größte Kostenblock. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 75 Mitarbeiter. Alle stammen aus der Region und haben häufig sogar Anteile an Proagro. Insgesamt hat die AG 500 Aktionäre - Eigentümer, die nach der Wende ihren Besitz zurückerhielten. "Allerdings halten vier Personen 51 Prozent der Anteile", fügt Jaroslav Michal, einer dieser vier Hauptaktionäre, hinzu. Ein weiteres Herdenwachstum ist für ihn und seine Partner ausgeschlossen. "Uns fehlt die benötigte Fläche für den Futteranbau", sagt er. "Wir würden gerne Flächen pachten oder kaufen, aber es gibt keine! Wir Tschechen hängen einfach an unserem Land und verkaufen es nur sehr ungern."
 
So wird auf dem Betrieb auch in Zukunft mit etwa 850 Fleckviehkühen Milch erzeugt. "Wir hoffen, dass wir dies nach dem Ende der Milchquote auch weiterhin so wirtschaftlich erfolgreich können wie bisher", sagt Roman ?ustáček. Denn er und seine Miteigentümer haben Bedenken, dass die Milchmenge europaweit ansteigen wird und die großen Handelsketten die Milchpreise drücken werden. "Das wäre besonders für unsere kleineren heimischen Molkereien problematisch, die an diese großen Ketten liefern. Sie könnten unter Druck gesetzt werden", schließt der Tscheche nachdenklich.

In Tschechien hat die Autorin auch den Milchviehbetrieb Alimex Nezvestice mit 1.000 Holsteinkühen besucht. Mehr dazu lesen Sie in der August-Ausgabe des dlz primus rind. 

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